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Die Wahrheit · 1928-05-04 · Heft 18 (4.5.1928) · page 4

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 18 (4.5.1928)
Date
1928-05-04
Page
– (sequence 4)
Language
German
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Seite 4 iiiiiiiiramiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniuiiiiu™ DIE WAHRHEIT einen Herrn Mörschel mit den Worten: „Es ist wahr, ich erkenne keine anderen ewigen Wahrheiten, als die, die der menschlichen Vernunft nicht nur begreiflich, sondern auch durch menschliche Vernunft dargetan und bewährt werden können. Nur darin täuscht ihn ein unrichtiger Begriff vom Judentum, wenn er glaubt, ich könne dieses nicht behaupten, ohne von der Religion meiner Väter abzuweichen. Ich halte dieses vielmehr für einen wesentlichen Punkt der jüdischen Religion und glaube, daß diese Lehre einen charakteristischen Unterschied zwischen ihr und der christlichen Religion ausmache." Das dogmenlose Judentum, das ist auch das Argument, mit dem Haase operiert, um den religiösen Wesensinhalt desselben auch im Zeitalter der mechanischen Weltanschauung zu rechtfertigen. Hatte es Haase früher unternommen, die jüdische Religion gegenüber der herrschenden nichtjüdischen in das volle Licht zu stellen und darauf hingewiesen, daß gerade der moderne Mensch in dem von keinem Denkzwange beengten Judentum die Sehnsucht seines Herzens befriedigen kann, so setzt er sich in der Schrift: „Religion oder Illusion" eine andere, weit umfassendere Aufgabe. Professor Sigmund Freud, dieser Zertrümmerer vieler geistiger Atome menschlichen Denkens, versuchte nämlich, auch d^e Relicfion zu analysieren, das heißt, in Nichts aufzulösen und sie als eine Kindererscheinung der Menschheit zu bezeichnen. Man denkt dabei an Spinoza, in dessen mit mathematischer Genauigkeit aufgeführte Ouaderbau der „Ethik" die Religion keinen Platz fand, und ihn dem „amor dei intellectualis" überlassen mußte. In F r e u d's Gedankenwelt ist auch für eine „Kindheitsneurose", wie er die Religion nennt, kein Raum vorhanden. Dr. Haase ist es nun, der unter Anführung moderner Denker (namentlich des geistsprühenden Philosophen Georg S i m m e 1) die Anschauung Freud's bekämpft. Haase meint hierbei: „Wer von der Strenge und Unerbittlichkeit des .Gesetzes' spricht, die zu beseitigen als Verdienst hingestellt wird, übersieht dabei absichtlich, daß auch die erhabensten Sittengebote, wie Elternverehrung, Nächstenliebe, Wohltätigkeit und andere durch den Ausdruck ,Gesetz' bestimmt werden."! So wenig umfangreich die Schrift ist, sie enthält trotzdem eine Fülle eigener beachtenswerter Aussprüche und solcher der führenden Männer der Wissenschaft. Ein lateinisches, im Talmud anklingendes Sprichwort lautet: Habient fata sua libelli. Dieser Schrift wünschen wir das gute Geschick — weit verbreitet und mit Sorgfalt gelesen zu werden. Sie verdient dies vollauf. Dr. M. Rosenmann. Der Oberste Rat der Jadenschaft in der Tschechoslowakei. Von Dr. Theodor Haas, Advokat in Brünn. * Das Gesetz vom 21. März 1869, welches die äußeren Rechtsverhältnisse der israelitischen Religiionsgenosseinschaft in den damaligen österreiidlidschien Ländern zu regeln berufen war, setzte als die territoriale Grundeinheit die Kultusgemeinde fest, ohne an eine hierarchische Gesamtorganisation etwa in der Form zu schreiten, wild dieselbe bei den verschiedenen christlichen Kirchen bereife bestand und auch staatlich anerkannt war. Nichtsdestoweniger machte sich bereits vor dem Kriege das Bestreben geltend, unbeschadet der Autonomie der einzelnen Kultusgerneinden höhere Institutionen zu schlaffen, welche, berufen sein sollten, einerseits die einheitlichen Interessen und Rechte der Judenschaft nach außen hin zu wahren und zu fördern, anderseits als Zwischeninstanz zur Erleichterung des amirlichen Verkehres mit den staatlichen und Landesbehörden dienen sollten. Die diesbezüglichen Bestrebungen scheiterten jedoch an den großen Gegensätzen, welche zwischen der konservativen herum, immer belehrend, ethisch, religiös, juridisch, medizizinisch bis jene ausgestorben waren, die das Beispiel dreifach sekulärer Unterdrückungen gesehen, um, wie der Historiker Carl v. Rottek sagt: „die freigeborenen Kinder der Wüste, stark aber an Gesetz und Ordnung gewöhnt, durch den Dienst Gottes zu einem Volke verbunden, im wiedereroberten Lande ihrer Väter, unvermischt und unverderbt durch andere Völker, ein selbständiges, würdiges Dasein behaupten zu können." ,.33 Jahrhunderte sind seitdem verflossen und noch lebt sein Name — wie keines Sterblichen Name — in Verehrung aller Vöker." Dies die Worte des Historikers Carl v. Rottek. Den Gottesgedanken ais Leitfaden im Leben, Sittlichkeit im Ehelebcn, Humanität im Gesetze, das ist die Erbschaft, die M o s e s nach Zertrümmerung vorbiblischer Lasterkulturen, als Kulturbasis der Menschheit hinterlassen für alle Rassen, für alle Religionen, deren spätere Gründer bloß das hinzuzufügen hatten, was dienlich war, um ihre engere Glaubensgemeinde zusammenzuhalten, ohne das Geringste von der gemeinsamen Basis der Heiligen Schrift wegzunehmen. Indische Philosophen nennen die in Europa herrschenden Bekenntnisse: die drei mosaischen Religionen. Gegnerischerseits wagte man oft die Behauptung, daß die Gestalt M o s i s eine Mythe sei. Aber seine 5 Bücher sind doch da, unsterbliche Zeugen des unsterblichen Inspirators. Wohl konnte man das Andenken Homers schmälern, behaupten, daß er nicht der Verfasser der Odyssee, sondern bloß Sammler jonischer Legenden, und bloß ihr Barde wäre. Moses aber konnte nichts verwerten von all dem, welches vor ihm geschrieben war. Alles mußte er verwierfen und ins Gegenteil umwandeln» Er mußte Sittlichkeitsbegriffe inmitten lasterhafter Völker aufstellen, Humanitätsbegriffe inmitten grausamer Gesetzgebungen, das Menschenrecht vor barbarischen Despoten verteidigen, den hehren Gottesbegriff einer Götzenwelt gegenüberstellen, die das Laster versinnlich'fe. All dies ist sein göttlicher Gedanke, von niemandem kopiert. Sein ureigenstes, von Gott eingehauchtes Werk — auf dem heute die Welt steht. * Troitzdem die Bibel seine Zugehörigkeit zum Stamme Levi bezeugt, diie Namen seiner Familienmitglieder nennt: seinen Vater Amram, seine Mutter Jochebed, seine Schwester Mirjam, seinen Bruder A a r o n, setzen die Gegner Israels die Idee in Kurs, daß Moses ein Aegypter und kein Hebräer gewesen ist. Wenn dem so wäre, so würden nach allen Regeln der Vererbung heute in europäischen Aemtern Aegypter, als Erben seines Geistes, und nicht die Nachkommen seines Volkes sitzen. Das ist es eben, was dieser Verächter jeder brutalen Macht beweisen wollte und bewiesen hat, daß dSe größten Völker spurlos verschwinden, sobald sie sich auf ihre physische Macht stützen; daß aber dlile kleinsten unter den Völkern alles überdauern und an der Spitze der Kultur marschieren, sobald sie im Sinne seines von Gott gegebenen Gesetzes leben, welches ein SIMichkeitsgesetz für de Familie, ein Humaniftätsgesetz für den Staat und ein Appell an das Gewissen der Regierenden ist. (Fortsetzung folgt.) ,

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