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Die Wahrheit · 1928-04-27 · Heft 17 (27.4.1928) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 17 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Hjp^jqffiflp IE=ä8S^S«3eäs^^ Sfcfte 12 rnmnninimiiJtraiiiraiminnTinTTTTinnfTmffTTTTni!nnfT:t: Dffi WAHRffilt Kunst und Literatur VmWochczu Woche ,-f f Ludwig Bato, Wien (Die Juden im alten Wien), Phaidon-Verlag. Das Interesse für die Geschichte der Wiener Juden ist in den letzten Jahrzehnten stark gewachsen. Die tiefe Zäsur, die durch den Weltkrieg entstanden ist, hat das Bestreben, die Vergangenheit der Judenheit Wiens kennenzulernen, noch gesteigert. Ludwig Batos umfangreiches Buch (263 Seiten) kommt diesem Bedürfnis in anerkennenswerter Weise entgegen. Es beginnt mit den legendenhaften Berichten über die prähistorischen Ansiedlungen der Juden an den Donauufern, gleitet über die Herrschaft der Babenberger hinüber, um nunmehr in plastischer Form das Leben und Treiben in der ersten Judengemeinde Wiens bis 1421, sodann die Entstehung, Blüte und Vernichtung des zweiten jüdischen Gemeinwesens bis 1670 sowie schließlich die Uebergangszeit bis zum Jahre der Freiheit 1848 zu schildern. In diesem festgefügten Rahmen wird eine Fülle einzelner wichtiger Begebenheiten und bedeutsamer Persönlichkeiten vorgeführt. Dem Verfasser lagen viele verläßliche Quellen vor, aus denen er mit Eifer geschöpft hatte; Als das Ergebnis seiner eigenen Forschung aber dürfen die Abhandlungen über den hebräischen Buchdruck in Wien sowie über die jüdischen Dichter in hebräischer und deutscher Sprache daselbst bezeichnet werden. Hier wuchs seine Arbeit über das gewöhnliche Ausmaß einer Historiographie hinaus und kann als erfreuliche Erweiterung unserer Kenntnisse auf diesen Gebieten gewertet werden. Weist Batos Buch inhaltlich einen das Eindringen in die Materie erleichternden systematischen Aufbau auf. so ist nicht minder der Stil gefällig und leicht fließend. Eine Anzahl gut gewählter Bilder illustrieren einzelne Perioden und verleihen den Berichten über längst verklungene Zeiten einen ansprechenden modernen Zug. Grillparzer meint in einem Epigramm: „Die Geschichtsschreiber waren sonst Befangene. Die neueste Zeit gab neue Richte; Wir schreiben nicht mehr die vergangene. Wir schreiben künftige Geschichte." In Batos Monographie über die Vergangenheit der Wiener Juden kommt tasächlich eine von warmem Gefühl erfüllte neuzeitliche, zukunftsfrohe Auffassung des Judentums zum Ausdrucke. Manchem Juden im neuen Wien seien daher „Die Juden im alten Wien" zur aufschlußreichen Lektüre wärmstens empfohlen. Dr. M. R o s e n m a n n. R. N. Coudenhove-Kalergi, Held oder Heiliger, Wien, 1927, Paneuropa-Verlag. Mit der Klarheit und zwingenden Logik seiner Deduktionen, der feingeschliffenen Wortkunst und Präzision der Begriffsbildung, vor allem mit der Unerschrockenheit des berufenen Propheten und Gewissensmahners deckt Coudenhove mit unerbittlicher Wahrheitsliebe die Ursachen auf, die unsere Zeit zu einer Periode erschreckenden Niederganges hinabdrücken. „Europa und Amerika sind heute nicht die christlichsten, sondern die unchristlichsten Teile der Kulturmenschheit: China und Indien sind in ihrer Moral christlicher. Die Geschichte des europäischen Christentums war ein Mißverständnis. Der Feldzug gegen den europäischen Sumpf muß als Guerillakrieg beginnen." Eine besondere Aufgabe ist dem jüdischen Element und vor allem der Frau vorbehalten. Sie soll von neuem die Menschheit gebären. Der Propaganda der Paneuropa-Idee sollten wir Juden unsere volle Aufmerksamkeit zuwenden. * Dr. G. Das Testament des Baron Sigismund Springer. Baron Sigismund v. Springer hat testamentarisch die Verfügung getroffen, daß verschiedenen wohltätigen Institutionen ein Betrag von 50.000 Schilling zugewendet werde. Einen gleich hohen Betrag hat Baronin Valentine Springer-Rothschild zum Andenken an ihren verstorbenen Gatten humanitären Anstalten gewidmet. Von diesen bereits zur Verteilung gebrachten 100.000 Schilling wurden außer den Fürsorgeanstalten, die der Verstorbene zu fördern pflegte, unter anderem bedacht: Das Springersche Waisenhaus, das Rothschild-Spital, das Maus der Barmherzigkeit, das Spital der Barmherzigen Brüder und der Bettina-Pavillon. Gustav Ador und die Juden. Der vor kurzem in Genf im Alter von 83 Jahren verstorbene berühmte schweizerische Staatsmann Gustave Ador, Präsident des internationalen Roten Kreuzes und frühere Präsident der schweizerischen Republik, hat sich im Verlauf seiner staatsmännischen Tätigkeit oft mit dem jüdischen Hilfswerk, insbesondere mit dem Flüchtlingshilfswerk, beschäftigt. Als Präsident des Roten Kreuzes hat er 1921 in der Zeit der schwersten Hungerperiode in Rußland, eine internationale Konferenz für Hilfe an die russische Bevölkerung einberufen, zu der er auch das Komitee der „Jüdischen Welt-Hilfskonferenz" eingeladen und ihm Gelegenheit gegeben hat, eine spezielle Hilfsaktion für die russischen Juden durch Uebermittlung von rituellen Lebensmittelpaketen durchzuführen. Zur Zeit des Hitlerputsches in München intervenierte er bei dem deutschen Roten Kreuz zugunsten der verfolgten Juden. Konzertgesellschaft zur Pflege synagogaler Musik. Wir haben nach dem am 5. Februar d. J. stattgefundenen ersten Konzerte dieser neu gegründeten Gesellschaft zur Erschließung schlummernder Schätze synagogaler Meisterwerke geschrieben, daß sich das Debüt zu einem Ereignis ersten Ranges gestaltete. Das zweite Konzert, welches Donnerstag, den 19. April ebenfalls im Pazmanitentempel stattfand, wurde mit großer Begeisterung aufgenommen und trug den ausgezeichneten Sängern B a 1 ab a n, Bohomilny, Einhorn, Fränkel, Funke, Groß, Katz, Landerer, Müller, Postolow, Redlich, Reich, Reich mann. Schächter, Stift, Tisch, Trager, vom Dirigenten E. Dimitrofski meisterhaft geführt, einen noch größeren künstlerischen Erfolg ein. Die Chorvorträge W e i nt r a u b: „Psalm 115". Novakowski: „Weschomru". Saminski: „El jibne hagalil" (Gesang jemenitischer Juden). Baruch Schorr: „El erech apajim", haben durch die Wiederholung nur gewonnen und wiesen künstlerische Leistungen auf, wie sie in ähnlicher Vollendung wohl kaum noch gehört wurden. Die von den Herrn Oberkantoren H. Groß, H. Landerer und dem Chorsänger Reich zum Vortrage gebrachten Solopartien übten auf die begeisterten Zuhörer nachhaltigen Eindruck. Einen besonderen Erfolg hatte mit Müllers „Ribbono schel olam" Oberkantor B o h o m i 1 n y. Sein Vortrag wirkte durch Klang und Schlagkraft in allen Tonlagen bezaubernd auf die Zuhörer. Die Oberkantoren E. Fränkel (Berach dodi) und I. Müller (Umipnej chataejnu) brachten - eigene Kompositionen zum Vortrage und bewiesen wieder einmal, daß sie ausgesprochene Meister ihres Faches sind. Den Abschluß des Konzertes bildete auch diesmal „Psalm 150" (Hallelujah!) von Brunn. Speziell dieser Chorvortrag, der trotz der gewaltigen Stimmittel der Ausschreibung Koscher-Fleischbank Zur Errichtung einer Koscher-Fleischbank in der Kultusgemeinde Wiener-Neustadt wird ein streng ritueller Fleischhauer von Beruf, tüchtiger Fachmann, fgasswcBatf. Fleischhändler ausgeschlossen. Offerte sind bis längstens 15. Mai 1928 an den gefertigten Vorstand zu richten. Wiener-Neustadt, April 1928. Kultusvorsteher GUSTAV UNGAR

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