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Die Wahrheit · 1928-04-27 · Heft 17 (27.4.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 17 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 11)
Language
German
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HIE WAtiMÖÜT iffiii^^ Seite n Zahl von 12.000 Gefallenen sei eine mit Absicht verbreitete Unwahrheit. Wir haben damals zu dieser für die antisemitische Mentalität bezeichnenden Angelegenheit die Feststellungen des Central-Vereines veröffentlicht, die darin gipfelten, daß die sorgfältig durchgeführte Zählung der Gefallenen durch den deutschen Ausschuß für jüdische Kriegsstatistik nach peinlich genau bearbeitetem Material die Summe von rund 10.000 Gefallenen ergibt. Auch „Der Schi 1 d'\ die Zeitschrift des Reichsbun.des jüdischer Frontsoldaten, beschäftigte sich mit dieser traurigen Sache. Belangreich war von seinen Ausführungen der folgende Satz: ..Wir können mit um so ruhigerem Gewissen für die Statistik der jüdischen Organisationen eintreten, als in unserer Kanzlei die Zettel mit den Adressen der jüdischen Gefallenen alphabetisch geordnet liegen." Darauf antwortete der Herr Major a. D. Baumann u. a.: „Ja, warum werden denn dann diese schön geordneten Namen nicht veröffentlicht? Aller Streit wäre doch dann zu Ende, falls sie stimmen. Aber da sitzt eben der Haken. Solange die nun wiederholt verlangte namentliche Liste von jüdischer Seite nicht veröffentlicht und von uns geprüft ist, solange halten wir uns an die Zahl 4700. die allerdings auch noch zu hoch erscheint, da sie unter der Voraussetzung errechnet ist, daß die Juden im letzten Drittel des Krieges im gleichen Maße an den Verlusten teil hatten wie vorher. Daß diese Liste nie erscheinen wird, dessen bin ich sicher." Der mutige Streiter wider die Toten tat Unrecht daran, sich so „sicher" zu fühlen, denn „Der Schild" erteilte ihm folgende Abfuhr: „Wir hoffen, daß es möglich sein wird, das Verzeichnis unserer Gefallenen, unserer Besten, bis zum zehnjährigen Geburtstage des Bundes Anfang 1929 herzustellen. Diese namentliche Liste soll aber in keiner Weise etwa als eine Rechtfertigung gegenüber antisemitischen Lügen aufgefaßt werden. Sie soll vielmehr ein Denkmal sein für unsere zwölftausend Gefallenen." „Historische Tatsachen". Die „Neue Welt", die schon in ihrer vorletzten Nummer anläßlich des Osterfestes einen unglaublich scharfen Artikel gegen die katholische Kirche veröffentlichte, hat in ihrer letzten Nummer zu der bedeutungsvollen Erklärung des Papstes, daß „der Heilige Stuhl aufs schärfste den Haß gegen das erkorene Volk Gottes, jenen Haß. der im Antisemitismus in Erscheinung tritt, verwirft", die folgende Ansicht hinzuzusetzen sich bemüßigt gefühlt: „Mit den historischen Tatsachen ist diese Erklärung kaum zu vereinbaren." Sehen wir uns einmal diese „historischen Tatsachen" im Lichte der geschichtlichen Wahrheit an; begeben wir uns zu diesem Zwecke gerade ins finstere Mittelalter! Der große Hohenstaufe, Kaiser Friedrich IL, der ein hochgebildeter Mann war, setzte sich mit Entschiedenheit für die Unschuld der des Ritualmordes bezichtigten Juden ein. Er veranstaltete eine besondere Enquete, und er hatte den richtigen Gedanken, auch die jüdischen Konvertiten (Meschumodim) zu befragen, ob die Juden aus rituellen Gründen Menschenblut benötigen. Die Enquete ergab die Unschuld der Juden, und da ist es interessant, was Kaiser Friedrich II. in seinem Erlasse vom Juli 1236 wörtlich sagte: Es spricht gegen diesen Vorwurf seine Scheußlichkeit, seine Unnatürlichkeit und das natürliche menschliche Gefühl, das die Juden auch den Christen entgegenbringen. Also bestätigt auch Kaiser Friedrich II. vor beiläufig 700 Jahren in der Zeit des dunkelsten Mittelalters, frieilirier i tatst WIEN I., Seltenstettengasse 2 Tel. 68-1-28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel.98-0-85 daß die Juden auch den Christen ein natürliches, menschliches Gefühl entgegenbringen. Es ist aber auch festzustellen, daß selbst der Gegner des Kaisers, der Papst Innocenz IV. eine Bulle gegen den Ritualmord erlassen hat. Es entspricht also den „historischen Tatsachen", daß viele Kaiser und Päpste im Mittelalter sich mit edlem Eifer der Juden angenommen haben. Mancher antisemitische Katholik von heute sollte aus der Geschichte seiner Kirche lernen, wie geistig und sittlich hochstehende Männer gerade der katholischen Kirche im Mittelalter frei von Judenhaß gewesen sind und sich der mit Unrecht so angefeindeten Juden angenommen haben. Aber auch mancher Jude sollte aus der Geschichte seines Volkes lernen und nicht nur mit „historischen Tatsachen" flunkern. Auf diese Weise wird der konfessionelle Friede, dem wir doch alle zustreben sollten, nicht hergestellt, das sollten sich gerade die Verantwortlichen einer jüdischen Zeitung gesagt sein lassen. Wer Haß predigt, wird Haß ernten. Die zionistische Krise in Amerika. Das Administrativ-Komitee der zionistischen Organisation Amerikas hat den Rücktritt von Rabbiner Dr. Stephan S. Wise von seinen Aemtern im Administrativ-Komitee und im United Palestine Appeal zur Kenntnis genommen. Die Berliner zionistische „Jüdische Rundschau" schreibt über diese Krise der zionistischen Organisation in Amerika: . . Die Gegenwart ist noch trübe und schwierig. Der vom letzten Kongreß vorgesehene eingeschränkte Arbeitsplan der Zionistischen Exekutive ist in Frage gestellt, weil das Budget des Keren Hajessod aus Amerika im ersten Halbjahr nicht gedeckt wurde. Es bestehen Zweifel, ob diese großen Rückstände noch werden ausgeglichen werden können. Man spricht von einer beginnenden ökonomischen Depression im amerikanischen Wirtschaftsleben. Aber noch schwerwiegender ist vielleicht die Belastung der Zionistischen Organisation Amerikas durch innere Konflikte, die ihre Arbeitsfähigkeit zu beeinträchtigen scheinen. Die internen Auseinandersetzungen im amerikanischen Zionismus haben bereits vor etwa einem Jahre deutliche Formen angenommen, sie haben auf der Konvention in Atlantic City und dann auf dem Baseler Zionistenkongreß ihre Auswirkung gefunden und sind nach dem Kongreß vor allem in einer Reihe persönlicher Reibungen in Erscheinung getreten, die gewisse Veränderungen in leitenden Stellen zur Folge hatten. Zu Weizmanns Ankunft hat man eine besondere Zuspitzung inszeniert, indem eine Reihe von Mitgliedern der amerikanischen Exekutive ihre Demission gegeben haben. Dies dürfte damit zusammenhängen, daß man von Weizmanns Intervention eine Stärkung der gegenwärtigen amerikanischen Führer, das heißt der Lipsky-Gruppe, erwartet: aus diesem Grunde haben die Gegner Lipskys — als Protest gegen die Einmischung von London — sich zurückgezogen. FLEISCHHAUEREI S1EGMUNP KORNMEHL WIEN IX., BERGGASSE NR. 19 FILIALE ■ XVIII., WAHRINGERSTRASSE NR. 97 Telephon Nr. 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