Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
- Belongs to
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wrinmßviWTWUKm reaaaisag^ Seite 10 DIE WAHRltiilf ".«♦!,V i t\ Schreckliches als einzige Möglichkeit für Palästina, vor allem aber natürlich für England gefordert. Kein Wunder, daß nun der Zorn sich gegen Wedgewood richtet, der doch nur real dachte. Judentum und Vaterland. Der neugewählte Pester Gemeindepräsident Hofrat Aladär Kaszab hat anläßlich seines Amtsantrittes sehr bemerkenswerte und allgemein gültige Sätze über das Verhältnis zwischen Judentum und vaterländischem Gefühl gefunden, von denen wir folgende anführen: Wir fordern unseren Anteil am Wiederaufbau des Vaterlandes. Unsere Brüder stellten heldenhaft inmitten des blutigen Gewitters des Weltkrieges ihren Mann. — wann also wird endlich die Gehässigkeit und die Zwietracht aufhören? Nach den geheiligten Gesetzen des ungarischen Corpus juris sind wir im Besitze aller bürgerlichen Rechte. Es ist ein Verbrechen an dem ungarischen Verfassungsgedanken, wenn die Rechtsschöpfung im Bereiche der kulturellen und wirtschaftlichen Geltung das Ideal der Gleichberechtigung durchbricht. In der Achtung der Gesetze, in der Liebe zu unserem ungarischen Vaterland, in der treuen Anhänglichkeit an den Heimatsboden wollen wir unter den ersten sein. Darum fordern wir, daß wir als gleichberechtigte Bürger in voller Rechtsgleichheit auch bei der Ausübung der Rechte zugegen sein können. O, alte Burschenherrlichkeit! Wir erhalten folgende Zuschrift: Ich bin ein alter Zeitungswurm und habe in meiner Bibliothek noch ein paar Zeitungen aus dem Jahre 1848. Da habe ich nun jüngst in der Nummer der „Bohemia" vom 18. März 1848 eine Petition der Prager Studentenschaft an den Kaiser Ferdinand gefunden, in der an erster Stelle folgende Forderung aufgestellt wird: „Kein Talent soll seines religiösen Glaubensbekenntnisses wegen von den Lehrkanzeln der höheren Bildungsanstalten ausgeschlossen sein. Niemand soll deshalb in seiner Ausbildung und in seinem Fortkommen beschränkt werden." Und in dem Blatte vom 6. April 1848 lese ich die Antwort des böhmischen Landespräsidenten Grafen Stadion, der sich mit dieser Forderung e i nverstanden erklärt. Das war die deutsche akademische Jugend des Jahres 1848 — wie sieht demgegenüber die Jugend des Jahres 1928 aus, die sich für nichts anderes als für den — Numerus clausus begeistert? A. L., Bodenbach. Des Kaisers Traum. Der U. Bodung-Verlag, Erfurt, den der radikalvölkische Major a. D. Fleischhauer leitet, läßt als sensationelle Broschüre, mit reklamehaftem Umschlag versehen, soeben eine Flugschrift erscheinen, die „Des Kaisers Traum. In England aufgestöbert und der Vergessenheit entzogen von einem deutschen Generalstabsoffizier" betitelt ist. Auf der inneren Umschlagseite ist die Beglaubigung eines Erfurter Notars abgedruckt, daß der Inhalt des in der nachfolgenden Broschüre veröffentlichten Textes wörtlich mit dem ihm vorgelegten Exemplar von „The Truth" übereinstimmt. Umschlag, notarielle Beglaubigung, Vorwort und Inhalt sind in vier Sprachen gedruckt: englisch, deutsch, französisch und spanisch. Das Vorwort weist darauf hin, daß die englische Zeitschrift „The Truth" zu Weihnachten 1890 eine mit begleitendem Text versehene Karte veröffentlicht habe, die Europa merkwürdigerweise mit derjenigen Grenzziehung darstellt, die durch den Versailler Vertrag späterhin Wirklichkeit geworden ist. Die Juden hätten auf geheimnisvolle Art und Weise die Weihnachtsnummer des „Truth" und die Originalkarte zum Verschwinden gebracht, so daß sie in der ganzen Welt nicht mehr aufzutreiben gewesen sei. Dem U. Bodung-Verlag sei endlich von privater Seite ein Exemplar überreicht worden, und so sei der Verlag in der Lage, diese „hiermit auszugsweise den ausgeplünderten Völkern" zu zeigen. Major a. P. Fleischhauer tut sich auf seine Entdeckung viel zu viel zugute, denn in den „Weisen von Zion" hat Herr Gottfried zur Beek bereits auf Seite 215 die gleiche Karte veröffentlicht. Es stimmt, daß die Karte Weihnachten 1890 veröffentlicht wurde, aber Herr Fleischhauer und Herr Beek wußten nicht, daß die englischen Zeitungen zu Weihnachten in der Regel gemeinsam mit einem Neujahrskalender etwas besonders Spaßhaftes zu bieten pflegen. So ist des Kaisers Traum eine in satirisches Gewand gekleidete Verhöhnung Wilhelms IL, der in den letzten Monaten vor Bismarcks Entlassung Europa durch seine impulsive Art zu überraschen begann. Auf der Karte sieht man links oben in einer Gruppe die stark verkleinerten Karikaturen der europäischen Monarchen, wie sie sich vor einem Arbeitshaus drängen, während ganz Europa in Republiken aufgelöst ist. Großbritannien, Schweden und Norwegen, Dänemark, Spanien, Italien, Serbien, Bulgarien sind Republiken, ebenso wie Frankreich, die Schweiz und Deutschland. Rechts am Rand fängt Rußland an, und man liest die Worte „Russian Desert" (russische Wüste), wie das damals im Westen noch so wenig bekannte Zarenreich von sorglosen Publizisten im Scherz genannt wurde. Besonders amüsant ist daran, daß man auf der Karte Wilhelm II. mit einer blauen Brille sieht, und hier scheint den vorausschauenden Weisen von Zion in der Tat ein Irrtum passiert zu sein, denn bekanntlich hat später nicht Wilhelm IL, sondern Ludendorff die blaue Brille benutzt. Nun ein Letztes, um die Ueberzeugungskraft der Karte zu erhärten: Der Herausgeber der Zeitschrift „The Truth", Henry Labouchere, war einer der ganz wenigen tätigen Antisemiten, die Engl an d in jener Zeit hatte. Er war auf dieses Monopol ganz besonders stolz, und in London sagte man scherzhaft Labouchere wäre bereit, jeden Engländer totzuschlagen, der sich ebenfalls zur antisemitischen Gesinnung bekenne und ihm dadurch das Monopol streitig machen würde. Der „Truth" erschien zu Weihnachten als Scherz für Neujahr, die Broschüre vom U. Bodung-Verlag erschien gegen den 1. April. Andere Länder — andere Sitten. Aber in England fiel niemand auf den Scherz hinein. Lasset die Toten ruhen! Wir haben in Nr. 10 der „Wahrheit" vom 9. März d. .1. berichtet, daß der Heroldamtmann des deutschen Tannenbergbundes, Major a. D. H. Baumann, in mehreren völkischen Zeitschriften, so auch im Salzburger „Eisern e n Besen",, unter Benutzung einer lantisemitischen „Kriegsstatistik" Alfred Roths, die völlig frei erfundene Behauptung aufstellte, die deutschen Juden hätten im Weltkriege höchstens 4700 Tote verloren; die von jüdischer Seite verbreitete TOLDOTH G'DOLE H0R03H * Biographien von zehn berühmten halachischen Autoren. Dieses Buch ist von der Presse wie auch von vielen kompetenten Fachgelehrten als ein sehr gediegenes und nützliches Werk anerkannt worden ■»reis 5» SclBillintf Zu beziehen durch alle besseren Buchhandlungen wie auch vom Verfasser SCHEWACH KNOBIL, WIEN XX. Romanogasse 11/13 ■I KONKURS Für die Israelit. Kultusgemeinde Sta Pölten wird die Stelle eines Kontors. Sdiflctilers und Rellglonslehrers zu besetzen gesucht. Bewerber müssen musikalisch gebildet, stimmbegabt und dürfen nicht über 40 Jahre alt sein. Ausführliche Offerte mit Gehaltsansprüchen, Zeugnisabschriften und Angabe der Familienverhältnisse sind an den gefertigten Kultusvorsteher einzusenden. Reisespesen werden nur den zu einem Probevortrag Berufenen vergütet. Albert Leicht (Kultusvorsteher) *V$^'^Sg"?*äfra[*5