Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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ßffi WÄÖRÖEU (]|||||IIIl[lllll]|llllllllllOli!lll!llltlllll!(]liliIlllUllülllllllUlllU Seite 7 HOTEL „NATIONAL ii *im Restaurant IM Wien II., Taborstraße 18 ™°£tSS »■§ Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des;bestbekannten Restaurateurs S. Gruner. VorzUgl. Wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. Die Stadt mit den meisten jüdischen Einwohnern ist bekanntlich New York, das laut einer Zählung vom Jahre 1920 bei einer Gesamtbevölkerung von 5,8 Millionen Menschen, 1,643.000 Juden aufweist. C h i c a g o zählte im Jahre 1922 an jüdischen Einwohnern 285.000, Philadelphia 240.000, Cleveland 80.000, Baltimore 68.000, St. Louis 55.000, Los Angeles 43,000, Pittsburgh 43.000, Detroit 39.CG0, San Francisco 26.000, Cincinnati 24.000; im übrigen gibt es in Amerika 160 Städte mit mehr als 1000 jüdischen Einwohnern. In den übrigen Ländern befinden sich folgende größere jüdische Zentren: Warschau 309.165 Juden (33 Prozent der Bevölkerung), Budapest 217.545 (23,5 Prozent), Wien 201.513 (10,8 Prozent), Berlin 172.672 (6,3 Prozent), Lodz 155.860 (34,5 Prozent), Kiew 128.141 (47 Prozent), Amsterdam 67.249 (10,4 Prozent), M o s k a u 86.171 (6,04 Prozent). Interessant ist die sprunghafte Zunahme der Juden in Nordamerika, im Jahre 1818 zählte man dort nur 3000 Juden, 1888 bereits 400.000, 1897 937.800 und 1910 bereits 2 Millionen. Auch während des Krieges, bis zum Inkrafttreten der Einwanderungsbeschränkungen, hat Amerika noch eine starke Zunahme der jüdischen Einwanderung zu verzeichnen: 1914 zählte die jüdische Bevölkerung 2,9 Millionen, 1920: 3,6 Millionen. Im Fiskaljahre, das im Juni 1926 ablief, wurden 10.267 Juden nach den Vereinigten Staaten hereingelassen; abzüglich 341 jüdischer Rückwanderer beträgt die Netto-Einwanderung im Jahre 1926 9926 Juden oder 3,4 Prozent der Gesamteinwanderung. Die meisten dieser Einwanderer, nämlich 6288, kamen aus Polen, weitere große Teile aus Rumänien und Deutschland. Vom Juli bis Dezember 1926 wurden nur 5614 Juden nach Amerika als Einwanderer zugelassen oder 3,2 Prozent der Gesamteinwanderung in dieser Zeit. Auch in K a n a d a ist in den letzten Jahren eine beträchtliche jüdische Einwanderung zu verzeichnen. Von 1901 bis 1925 wanderten fast 100.000 Juden dort^ hin ein. In dieser Ziffer sind die aus England und Nordamerika nach Kanada eingewanderten Juden nicht inbegriffen, so daß die genannte Zahl wesentlich höher sein dürfte. Nach Argentinien wanderten bis Ende 1926 64.757 Juden ein, was 3,6 Prozent der Gesamteinwanderung entspricht. Die Arbeit Linfields verzeichnet für Palästina folgende Zahlen: vom Tage der britischen Okkupation Palästinas (9. Dezember 1917) bis Ende 1926 wanderten 93.887 Juden und 3298 Nichtjuden nach Palästina ein. WzcbdMcnnmtenfiir'Dk Wahtheit! Qlcrreiv. Die mutige Tat deutscher Flieger, die auf ihrem Flugzeug den Atlantik von Ost nach West überquerten, verdient sicherlich allgemeine Anerkennung und Bewunderung. Qerne hörte man auch, daß man im österreichischen Parlamente, gleichwie in anderen Parlamenten von berufenster Seite es als ein Verdienst des heroischen Unternehmens pries, daß es ein Band um alle Völker schlägt und für die Stärkung des idealen Solidaritätsgedankens der ganzen Menschheit wirke. Schade, daß die Parlamente der zivilisierten Nationen sich neulich einen Anlaß entgehen ließen, der vielleicht in noch höherem Maße geeignet gewesen wäre, ein Zeugnis für das Streben nach Erreichung idealer, die Menschheit ehrender Ziele abzuhelfen. Die in Rumänien an Juden verübten Greuel haben sicherlich in den Herzen aller sittlich fühlenden Menschen Empfindungen des Entsetzens und der Empörung hervorgerufen. Die Parlamente der zivilisierten Nationen wären sicherlich berufen gewesen, diesen Gefühlen den würdigsten Ausdruck zu verleihen. Sie sind aber stumm geblieben. * v Die Rassenschützler an den ungarischen Universitäten sind natürlich überzeugt, daß das Menschengeschlecht nicht von einem Elternpaar abstamme. Wohin kämen sie denn sonst mit ihrer unseligmachenden Rassentheorie. Antisemitische Studenten fanden es daher für selbstverständlich, den berühmten Chirurgen Adam, anläßlich seiner Ernennung zum Universitätsprofessor, wegen seiner verdächtigen Abkunft in der unflätigsten Weise zu beschimpfen und ihn in seinen Vorträgen zu stören. Das Schicksal, das manchmal für die raffiniertesten Pointen sorgt, fügte es, daß einer der frechsten Hetzer, von einem furchtbaren Leiden erfaßt, gerade von Professor Adam, dem hervorragenden Spezialisten auf diesem Gebiete, operiert werden sollte. Der Patient glaubte nach dem gütigen Benehmen des Professors, daß dieser ihn nicht erkannt habe, und ließ sich nach der glänzend gelungenen Operation zu einer hierauf bezüglichen Bemerkung hinreißen. Da meinte der Professor lächelnd: „Sie irren sich, ich wußte ganz genau, wer Sie sind, aber Sie werden mir doch nicht die Bestialität zumuten, daß ich zwischen hilfebedürftigen Menschen Unterschiede machen und als der momentan Stärkere Rache an dem Schwachen nehmen könnte." Erschüttert, in Tränen ausbrechend, stammelte der antisemitische Jüngling Dankesworte und die Bitte, der Professor möge ihm verzeihen.