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Die Wahrheit · 1928-04-27 · Heft 17 (27.4.1928) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 17 (27.4.1928)
Date
1928-04-27
Page
– (sequence 6)
Language
German
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mm^ss^&^^m^aEm^^^mi^m^^msmäm^ms^^^^^^^^^m Mit 6 öie wAtmfleit wertvoll erwiesen. Das Gericht vertrat — nach der vorläufigen Urteilsbegründung (die endgültige erfolgt erst in einigen Monaten) — den Standpunkt, daß viele Geschäfte mit Treu und Glauben nicht vereinbar waren. Und Georg Bernhard schreibt in der „Vossischen Zeitung" vom 1. April mit Recht: „Die Barmats gehören nicht zu den vorbildlichen Kaufleuten." Was zur Entschuldigung der Barmats gesagt werden muß, hat der Vorsitzende des Gerichts in seiner vorläufigen Urteilsbegründung in gewissem Umfange schon ausgesprochen. Die Vorgänge jener Zeit sind überhaupt nur zu verstehen, wenn man die Wirkungen und Nachwirkungen der Inflationszeit mit in Rechnung setzt. Man kann nicht sagen, daß die geschäftliche Moral ganz allgemein außer Acht gelassen wurde, Aber man kann zusammenfassend sagen: durch die Inflation sind wirtschaftliche Grundgesetze (manchmal zwangläufig) zum Wanken gekommen. Es galt damals als höchste wirtschaftliche Weisheit, alles Erreichbare aufzukaufen. Die Sorge des Bezahlens wurde durch die tägliche Geldentwertung, wenn nicht überhaupt aufgehoben, so doch unerheblich. Nicht die Barmats allein haben sich in jener Zeit auf den Erwerb schlechter Unternehmungen eingelassen, und nicht ihnen allein fehlten nach der Stabilisierung die Betriebsmittel, die zur Weiterführung der Betriebe und Unternehmungen erforderlich waren. Es war die Zeit, in der es das höchste Ziel eines Wirtschaftlers war, nicht nur über einen kleineren oder größeren Einzelbetrieb zu herrschen, sondern an der Spitze eines „Konzerns" zu stehen. Die Ueberspitzung des Konzerngedankens hatte in manchen industriellen Kreisen einen Leichtsinn verbreitet, der sich nach Ende der Inflation gerächt hat; auch stärkere und ältere Unternehmungen als die Barmatschen sind zusammengebrochen. Und wenn nicht nach der Stabilisierung sich hilfreiche Hände gefunden hätten, wären noch größere Zusammenbrüche erfolgt. Es ist nur durch die planmäßige Hetze der Völkischen zu erklären, daß bei der Ausschlachtung des Falles Barmat diesen Gedankengängen durchaus nicht gefolgt wird. Der Umfang der Konzernbildung in Deutschland, der nach einer neuen Untersuchung des Statistischen Reichsamts heute schon rund 62 Prozent des deutschen Aktienkapitals in Konzernen umfaßt, hat sicher zum großen Teil rein wirtschaftliche Gründe. Aber das schnelle Tempo war dennoch nur durch Krieg, Inflation und Kreditnot in der Nachinflationszeit möglich. Viele Konzerne waren glücklicher als' der der Brüder Barmat. Die Inflationsgeschäfte der Stinnes und Genossen auf dem Rücken der deutschen Wirtschaft in den Jahren 1922 bis 1924 unterscheiden sich durchaus nicht von denen der als leichtfertig und unsachgemäß verurteilten neuen Gruppenbildungen. Sicherlich bestehen gewaltige Unterschiede kommerzieller Art zwischen Hugo Stinnes und Julius Barmat. Aber auch das Gemeinsame: die mammutartige Entwicklung des Stinnes-Konzerns. der in seinem Höhepunkt 1664 selbständige Unternehmungen mit 2890 Betriebsanlagen und elf mit dem Konzern in Verbindung stehenden Banken umfaßt hat (darunter allein 389 Handelsorganisationen), ist nur durch die Inflation erklärbar. Wenn den Barmats vorgeworfen wurde, daß sie von Margarinehändlern zu Eisenindustriellen wurden, so ist der Vorwurf, den man gegen Hugo Stinnes erhoben hat. nicht weniger schwer, daß er von Schwereisenindustriellen zum Produzenten und Zwischenhändler von Margarine geworden ist. (Vielleicht ist sogar die Stufenfolge bedenklicher.) Gleichzeitig ist dies eine interessante Variation zum Gegensatz zwischen „raffendem" und „schaffendem" Kapital. Aber beim Zusammenbruch hatte es Stinnes besser. Beim Barmat-Zusammenbruch Staatsanwälte und Ueberfallkommandos. Beim Stinnes- Krach die rettende Hand des „Stillhaltekonsortiums" der D-Banken, die den verhängnisvollen Eindruck im Ausland mildern wollten. Der schnelle Zusammenbruch der Barmats fraß die letzten Vermögensreste auf, die langsame Liquidation des Stinnes- Konzerns ermöglichte die Ankurbelung der der Familie ver- JAC. MAYER Eigene NaOabiellunä bliebenen .Unternehmungen, so daß kurze Zeit später wieder eine Amerika-Anleihe in Höhe von 25,000.000 Dollar für die Stinnes-Unternehmungen abgeschlossen werden könnte. Der Stinnes-Konzern als Handelsgruppe besteht undblühtdaherheutenoch. Allen objektiven und sachlich kritischen Aeußerungen über die wirtschaftliche Tätigkeit des deutschen Judentums sind wir immer und allezeit zugänglich. W i r deutschen Juden wollen unseren nichtjüdischen Mitbürgern offen ins Auge sehen können. Es sind auch bei uns Uebelstände vorhanden. Aber wir lehnen alle Verallgemeinerungen ab. Wohin würde das führen? Von den Barmats sagen die Völkischen: so wie sie sind alle Juden. Was würde man dazu sagen, wenn wir auf die sinnlose Idee kämen, das gesamte deutsche Beamtentum beschuldigen zu wollen, weil der Oberfinanzrat Hellwig der Preußischen Staatsbank nunmehr der passiven Bestechung überführt wurde? Was würde man uns vorwerfen, wenn wir den Fall Stinnes — der in seiner Auswirkung sehr bedenklich war — dem ganzen deutschen Unternehmertum ankreiden würden? Besteht nach allen Zusammenbrüchen n i c h t jüdischer Unternehmungen und Konzerne, nach den Unregelmäßigkeiten, die wir schaudernd erlebt haben, die Berechtigung, den Fall der Juden Barmat zu verallgemeinern? Wir glauben daran, daß die große Mehrheit des deutschen Volkes die Objektivität aufbringt, sich-nicht weiter verhetzen zu lassen, und daß es nach dem Ausgang des Prozesses den Bürgerschreck Barmat nicht mehr fürchten wird. Die Lehre dieses Prozesses aber sollte sein: mehr Objektivität und Wahrheit in der Judenfrage ganz allgemein! Eine Statistik derJuden. In dem soeben erscheinen den „American Jewish Year Book" für das Jahr 5688 veröffentlicht der Direktor der informatorischen und statistischen Abteilung des Bureaus „Jewish Social Research1', Doktor H. S. L i n f i e 1 d in N e w York, eine interessante Studie über dlie Zahl der Juden de,r ganzen Welt, die auf einem reichhaltigen Quellenmaterial beruht. Der Verfasser gelangt auf Grund sorgfältiger Schätzung zum Schlüsse, daß die Zahl der Juden der ganzen Welt 14,6 Millionen betrage, auf die Kontinente verteilt: Europa 9,6 Millionen (65 Prozent aller Juden), Amerika 3,9 Millionen (26 Prozent aller Juden), Afrika 588.670, Asien 570.138, Australien 24.578 Juden. In Amerika lebt die übergroße Mehrzahl der Juden in Nordamerika, nämlich 3,7 Millionen, wo sie 3,4 Prozent der Bevölkerung ausmachen. Die dichteste jüdische Bevölkerung in Europa ist bekanntlich im Osten und Zentrum des Kontinents. In Asien leben in größerer Zahl Juden nur in Palästina und den arabisch sprechenden Teilen, wo sie 1,6 Prozent der Bevölkerung bilden. (Palästina hat eine Gesamteinwohnerzahl von 887.000 Seelen, wovon 157.800 Juden sind.) Die große Mehrheit dei jüdischen Bevölkerung Afrikas lebt im Norden entlang dem Mittelmeer, in Abessinien nennt dje Statistik 50.000 Falaschas. Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wie» II., GlOCkengaSSC 24 Tel. 48-4-79 Für KuHusbMmt« und VarelnsfunkttonSre gegen Legitimation 10V. Nachlas

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