Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
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Seite 2 fflnif|lnmlim'llllllinilllim'lllinl^^ DIE WAHRHEIT bemüßigt gefühlt. Was war nun das Verbrechen Bernsteins? Er hat einem Interview mit Henry Ford, das er vor längerer Zeit in Detroit hatte, folgende Erklärung vorausgeschickt: „Die ohne Reserve erfolgte Zurückziehung der Angriffe und die Entschuldigung Fords überzeugte mich, daß seine Gutherzigkeit und arglose Aufrichtigkeit durch Leute mißbraucht worden waren, die ihm Tatsachen unrichtig darstellten und ihn so vor der Welt in einem falschen Licht erscheinen ließen." Diese Ansicht Bernsteins wird bekanntlich von vielen Eingeweihten geteilt, die alle bald zur Ueberzeugung gelangten, daß Henry Ford, ein ziemlich schwacher Charakter, bei seiner Kampagne gegen das Judentum ebenso wie oft vorher, z. B. bei seiner mißglückten „Friedensschiff'-Expedition, das Objekt von schlechten Einflüsterungen und der Spielball falscher Freunde, war. Was aber weiß Herr Stricker dazu zu sagen? Er schrieb am 24. Februar d. J. in seinem Organe „Die Neue Welt" u. a. wörtlich : „Das (Fords antisemitische Haltung, D. Red.) als arglose Aufrichtigkeit hinzustellen, ist nur einem Bindestrich-Juden möglich, dem seih Judentum kein inneres Erleben, sondern nur ein Geschäft ist und der sich darum vor Reichen rasch dazu bereit findet, Niederträchtigkeiten zu verzeihen, weil das Interview seinen Marktwert hat. Selbstverständlich wieder nur bei den sogenannten Judenblättern, die das Judentum ver- - kaufen und verraten. Die Fords und die Bernsteins und diese Presse ergänzen einander zu einer .Trias, unter deren Peitsche das Judentum stöhnt." * Herman Bernstein hat Herrn Stricker auf diesen unglaublich gehässigen Angriff in einem ausführlichen Schreiben geantwortet, das er ihm mit der Bitte um Veröffentlichung zusandte. Herr Stricker aber hat es für richtig befunden, diesen, Brief nicht zu veröffentlichen, sondern mit folgenden Worten der für sein Blatt unangenehmen Affäre aus dem W ege zu gehen: „Dieser Tage erhielt die Redaktion der „Neuen Welt" einen Brief Herman Bernsteins, der noch ein Lob Seuilletcti Die alten Gesetze. Von Josef Lazarus, Fiume. (Fortsetzung.) Nach chittischem Recht (Tafel I, § 96) wurden einem Sklaven wegen Diebstahl Nase und Ohren abgeschnitten; ebenso (§ 100) für Brandlegung. In Tivoli bei Rom, wird in den Ruinen des Palastes Kaiser Hadrian ein Marmorbassin gezeigt, in welches zum Tode VerurteäJte hineingestoßen wurden, um zur Belustigung des Hofes von Raubfischen (Muränen) bei lebendem Leibe aufgefressen zu werden. Das Todesurteil lautete: „Ad M.U r a e m a s". Nachdem dietee Raubfische sich des Menschenblutes vollgesaugt haben, wurden sie als besondere Delikatesse an der kaiserlichen Tafel verzehrt. Muränen sind heute noch der Schrecken Neapolitanischer Fischer in der Bucht von Puzzuoli. Lebende Exemplare hiervon sind im Aquarium von Neapel zu sehen. Wie niedrig menschliche Instinkte einzuschätzen sind, beweist die Tatsache, daß drei Jahrtausende, nachdem Moses durch sein Gesetz gegen die Verstümmelungsstrafen der Assyrer protestiert hat, (Jahr — 1321), Kaiser Karl V, in seiner „Constitutio Criminalis Carolina" (Jahr für seine Ford-Propaganda fordert und von Beschimpfungen gegen die „Neue Welt" strotzt. Natürlich. Es gibt eine Sorte von Spitzbuben, die besonders rabiat werden, wenn man sie in ihrem Gewerbe stört. Das sind die Zuhälter. Das unflätige Schimpfen gehört schon zu diesem Handwerk." Herr Stricker meint also, es sei angemessen, seinen ersten Beleidigungen gegen den hervorragenden jüdischen Journalisten neue hinzuzufügen, und zwar deshalb, weil ihm dieser unverhohlen seine Meinung über das Niedrige solcher Angriffe gesagt hat. Das muß den Lesern der „Neuen Welt", die nur Strickers Ansichten a]s allein maßgebend betrachten dürfen, vorenthalten werden. Wir sind nun durch die Liebenswürdigkeit eines Freundes unseres Blattes, der ein guter Bekannter Herman Bernsteins ist, in der Lage, das SchreibenBernsteins an Stricker auszugsweise zu v er öf f en tJi chen. Es wird zur Klarstellung des wahren, von der „Neuen Welt" mit Absicht verdunkelten Sachverhaltes dienen, aber auch1 beweisen, wie man in einflußreichen jüdischen Kreisen Amerikas über unsere nationalistischen „Führer" denkt. Der Brief lautet: Geehrter Herr! Ich erhielt soeben einen Ausschnitt aus „Die Neue Welt", Wien, datiert am 24. Februar 1928. enthaltend einen Artikel über mich und mein jüngstes Interview mit Henry Ford. Da Sie der Herausgeber dieser Wochenzeitung sind, nehme ich an, daß Sie für diesen Artikel verantwortlich sind. Da mir Ihre sogenannte Führerschaft in der österreichischen Judenschaft nie imponiert hat, werde ich nichts über Sie als „Führer" sagen. Aber ich wünsche Ihnen als Herausgeber und Redakteur zu sagen, daß dieser Artikel meine Ueberzeugung von Ihrer Unverantwortlichkeit bestätigt hat Ohne Wissen der Tatsachen und ohne einen Versuch, dieselben festzustellen, haben Sie einen Angriff auf mich veröffentlicht, welcher ebenso absurd und unwürdig, als unwahr ist. Sie zeigen in diesem Artikel erstaunliche Ignoranz — oder ist es eine gewollte Verzerrung der Wahrheit? — und dann gehen Sie daran, mich anzugreifen. Wenn alle Ihre Behauptungen, jüdische Angelegenheiten betreffend, so zuverlässig sind, wie dieser Artikel, sind Sie in der Tat eine äußerst klägliche Figur, ein Mann, dessen Worte nicht ernst ge- 1550) das „Abschneiden der Nase einer diebischen Frau" — also ganz assyrisch — angeordnet hat. Das assyrische Straf recht gab dem Gläubiger die Befugnis (§ 44) dem Schuldner die Ohran einzukerben und ihn als Sklaven zu behalten. In den 10 Gesetzestafeln der Römer hieß es, daß die Gläubiger den Schuldner töten, und seinen Körper unter sich teilen können*). Den niederen Instinkten seines Theaterpublikums fröhnend, fälschte Shakespeare den Amtsberächt einer zu Zeiten des Papstes S i x t u s .V. erfolgten Begebenheit, welche Gregorio Loti in seinem Buche „Das Leben Sixti V." schildert (A. Sulzenbach, „Bilder aus der jüdischen Vergangenheit", Verlag Kauffmann, Frankfurt a. M. Ein christlicher Kaufmann in Rom namens Paoüo Maria Secchi wettete mit einem Juden, Simson Ceneda, daß der englische Admiral D r a k e die Stadt St. Domingo eingenommen habe, was der Jude bezweifelte. Darauf wurde nachfolgendes Wettabkoriimen notariell abgeschlossen: verliert der Christ, so hat er dem Juden 1000 Skudi zu zahlen: verliert der Jude, so hat der Christ dem Juden 1 Pfund Fleisch aus dem Körper zu schneiden". Der Jude verlor die Wette. Der Christ bestand vor Gericht auf seinem Notariatsakt! Die Sache kam vor den *) S h y 1 o c k hätte, gestützt auf die zehn Gesetzestafeln Roms, ein Römer sein können, aber kein Jude, dem ja das Mosaische Gesetz vorschreibt, die Gesundheit seines Schuldners zu respektieren. „Versetzt dir dein Schuldner seinen Mantel, vor Einbruch der Nacht mußt du ihn zurückgeben, denn womit soll er sich zudecken?"