Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 17 (27.4.1928)
- Date
- 1928-04-27
- Page
- – (sequence 1)
- Language
- German
- Belongs to
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Preis dieser Nummer 50 Oroschen. IfaWahchdti Erscheint Jeden Freitag jnit des Veröffentlichungen der „Union deutschesten*. Juden" and den „Amtlichen Verlautbarungen der Israelitischen Kultusgemeinde Wien" Redaktion und Administration: Wien II., Heinestraße Nr. 13 — Telephon 42-2-16 XLIV. Jahrgang Wien, 27. April 1928 Nummer 17 New York und Wien. Der Streit um Ford und seine Abkehr vom Antisemitismus will kein Ende nehmen. Daran sind aber diesmal nicht so sehr die Antisemiten schuld, die durch Fords Bekehrung eine arge Schlappe erlitten haben und daher mit voller Absicht stillschweigen, als gewisse jüdische Blätter, die sich in der Fortsetzung der fruchtlosen Debatte nicht genug tun können und dabei interessanterweise nicht so sehr Ford selbst, als diejenigen amerikanischen Juden, die ihn zur Abbitte gezwungen haben, angreifen. Zu dieser Spezies gehört auch „Die Neue W e 11", das radikalnationale Organ des Herrn Rob. Stricker. Dieses Blatt, dessen gehässige Angriffe gegen verdienstvolle Juden des In- und Auslandes wir schon oft an den Pranger zu stellen Gelegenheit hatten, hat in der Ford-Angelegenheit bereits vor längerer Zeit eine Kampagne eröffnet, deren Zweck eigentlich vollkommen im Dunkeln liegt. Denn es ist nicht klar ersichtlich, welche Absichten damit verfolgt werden sollen, die leidige Angelegenheit immer wieder aufzurühnen, und wo hier der Vorteil für das Judentum liegen soll, in dessen Interesse doch vorgeblich das Strickersche Organ erscheint. Fords antisemitische Haltung hat wohl dem Judentum der ganzen Welt, nicht nur dem amerikanischen, durch viele Jahre einen sehr großen Schaden zugefügt, da sich die Antisemiten aller Herren Länder immer wieder auf diesen wirtschaftlich so bedeutungsvollen Mann beriefen und sein Weltprestige ihre dunklen Ziele in der ungebildeten breiten Masse nur zu fördern imstande war. Aber um so wichtiger für uns Juden war seine Abkehr vom Judenhaß, da die internationalen Judenfeinde dadurch ihrer, wir können es ruhig sagen, stärksten Stütze beraubt wurden und durch seinen Frontwechsel selbst an Geltung verloren. Das ist ein großes Verdienst jener amerikanischen Juden, die Stricker nun zu bekämpfen ausgeht. Warum, weshalb, muß man sich immer wieder fragen. Als einziger Grund scheint uns nur der stichhältig zu sein, daß die einen jüdischen Nationalismus entschieden ablehnende Haltung der gleichen amerikänischjüdischen Kreise Herrn Stricker nicht in seinen nationalistischen Kram paßt. Vornehmlich ist es Herman Bernstein, der bedeutendste jüdische Journalist Amerikas, dessen Haltung in der Ford-Angelegenheit das Mißfallen der „Neuen Welt" erregt hat. Wer Bernstein wirklich ist und welches Ansehen er in Amerika genießt, davon macht man sich in Europa keinen Begriff, scheint man am wenigsten aber in der Redaktion jenes Blattes zu wissen, das wohl „Die Neue Welt" heißt, das aber von den wahren Verhältnissen jenes Kontinents, der den gleichen Namen wie das Blatt zu führen verurteiltest, keine blasse Ahnung hat Herman B Pt n s t e i n ist der Herausgeber der „American Jewish Tribune", der wichtigsten amerikanisch-jüdischen Zeitschrift, deren führende Position selbst in jenem Lande, das wahrlich nicht arm an jüdischen Zeitungen ist, von denen jede einen riesigen Leserkreis hat, unbestritten ist. Bernstein spielt auf Grund der Geltung seines Blattes, aber auch wegen seiner hervorragenden persönlichen Eigenschaften und nicht zuletzt als Freund und Mitarbeiter Louis M a r s h a 11 s, des bekannten amerikanisch-jüdischen Führers, eine große Polle in der innerjüdischen Politik Amerikas. Er war es, der im Jahre 1920 den Kampf gegen Henry Ford und sein Organ „Dearnborn Independent" unerschrocken aufnahm, als dieses mit den verlogensten Artikeln das Judentum schmählich in den Kot zerrte. Die Grundlage dieser Aufsätze der „Dearnborn Independent" bildeten bekanntlich „D i e Protokolle der Weisen von Zion", deren Entlarvung als brutale und gemeine Fälschung Bernstein in einem Aufsehen erregenden Buche „Die Geschichte einer Lüge" gründlich vornahm. In die Enge getrieben, wählten Ford und seine Zeitung nunmehr den mutigen Kämpfer für iie Ehre des Judentums zum Zielpunkt ihrer gehässigen Angriffe, der jedoch nicht stillschwieg, sondern, um die Unwahrheit der Anklagen gegen das jüdische Volk und ihn selbst zu beweisen, einen Prozeß wegen Verleumdung gegen Ford anstrengte. Nicht zuletzt war es die drohende Gefahr, den aussichtslosen Prozeß zu verlieren und dadurch an Macht einzu-' büßen, die Ford zur Umkehr zwang. Bernsteins Kampf gegen Ford war also von Erfolg gekrönt, sein Name wird mit dieser unrühmlichen Episode aus der jüdischen Leidensgeschichte wohl für ewige Zeiten verbunden bleiben. Und diesen hervorragenden Streiter für das Judentum hat Herr Stricker aufsKorn zu nehmen sich -^feaarjg^E.