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Die Wahrheit · 1928-04-18 · Heft 16 (18.4.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 16 (18.4.1928)
Date
1928-04-18
Page
– (sequence 8)
Language
German
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- jiimnniiiinniniraiiiiMüMniiiiM InÄviduums, kämpft gegen Heuchelei und Lügö und erstrebt gegönsedtiges Verständnis. Mit einer beispiellosen Refafoeit malt er alle psychologischen Nuancen in dieser Hinsicht und mit der Macht eines großen Tragöden zeigt er die Katastrophen als Resultate des Mangels an gegenseitigem Verständnisse. Die von Ibsen gestellten Probleme nehmen bei den Juden eine andere Form an. In der jüdischen Häuslichkeit endet der Roman nicht am Tage der Hochzeit, wie Schopenhauer sagt, sondern im Gegenteil, nach der Hochzeit beginnt die Romantik, wenn nicht der Liebe, so doch wenigstens der Treuieu Wiewohl das ökonomische Moment eine beachtenswerte Rolle spielt, bildet doch das soziale Moment, also die Kinder, den Grundpfeiler der Familie. Die Liebe zu den Kindern ist die Quelle der Poesie' des jüdischen Hauses. Für idSe Psychologie des Volkes kann die Korrespondenz zwischen Ibsen und S.onnenthal interessant sein. Der jüdische Künstler Adolf Sonnentihal schlägt dem Autor des Dramas „N o r a" vor, daß am Ende des Dramas Nora ihren Mann verlassen, er aber die Kinder behalten möge; aber Ibsen hat aus dramatischen Motiven nicht zugestimmt. Die im Judentum entwickelte Idee der Treue und das Moment der Liebe zu den Kindern diktiert den Juden andere Lösungen des Problemes des norwegischen Dramatikers. Jedenfalls können wir auch von ihm lernen, das Niveau des Individuums in der Ehe zu heben, die psychischen Anforderungen mit den sozialökonomischen auszugleichen. Die Theorie dier Vererbung hat in Ibsen einen dramatischen Interpreten gefunden. Er sucht das Unglück der Heredität zu dramatisieren und beeinflußt dadurch indirekt als Moralisator. Es ist bekannt, daß das Judentum die Macht der Heredität verwertet, aber auch dee Erbschaft des Guten betont. Für uns ist es wichtiger, daß wir dem jüdischen Volke den Stolz der Erbschaft predigten, der ihm übergeben wurde durch Jahrtausende von seinen Ahnen, und so können wir kämpfen mit dien „Gespenstern" der Geschichte. (Aus dem Rumänischen im „Curierul Israelit" übertragen von Dr. B. K.) Qlerretv. Von einem berühmten Feldherrn stammt der so vielzitierte Ausspruch: „Gott schütze mich yor meinen Freunden, mit meinen Feinden werde "ich schon fertig werden." Die Juden in unseren Tagen, die wahrlich übergenug Feinde haben, die offen gegen sie mit den vergifteten Waffen kämpfen, dürfen jetzt wenigstens freudig ausrufen, daß sie von den bösen Feinden befreit wurden, die seit Jahren unter dem Titel „Freunde Israels" ihr heimtückisches Spiel trieben und sich dabei der Lüge bedienen konnten, daß sie sich der Patronanz Roms erfreuen. „Die Vereinigung der Freunde Israels", die unter der Flagge angeblicher christlicher Ziele eine gefährliche Missionspropaganda entfaltete, ist endlich durch ein Dekret der Kongregation des heiligen Offiziums aufgelöst worden. Dieses Dekret atmet ganz den Geist des Papstes Pius X., der wiederholt in mündlichen Ansprachen den Antisemitismus als eine nicht nur antijüdische, sondern auch zugleich antichristliche Bewegung brandmarkte. Die judenfeindlichen Hetzer in der Soutane, die das so ferne von ihnen, in Rom gesprochene Wort des Papstes nicht gehört haben wollten, werden es doch nicht so leicht haben, diese offiziell beglaubigte, laut in alle Weltteile hinaustönende Enunziation aus dem Vatikan auf die Dauer ganz zu ignorieren. * * * In diesem Dekrete wird zunächst betont, daß die katholische Kirche es niemals für ihre Aufgabe gehalten, den Haß gegen das jüdische Volk zu preiiiu^^^ Big WAHRHEIT digen, daß sie im Gegenteil immer ihm gütig gesinnt war und „im Geiste dieser Liebe für Israel habe der apostolische Stuhl das jüdische Volk immer gegen ungerechte Bedrückungen geschützt." Mit einem jeden Zweifel und jede Deutelei ausschließenden Nachdruck wird ferner in dem Dekret erklärt, daß der apostolische Stuhl, der jeden Haß und jede Feindschaft unter den Völkern verwirft, auch auf das schärfste den Haß gegen das erkorene Volk Gottes verwirft, „jenen Haß, der im Antisemitismus in Erscheinung tritt." Es wäre töricht, anzunehmen, daß die Enunziation auch nur die geringste Wirkung auf jene Antisemiten üben werde, die mit anerkennenswerter Konsequenz bisher schon das Neue Testament als „verjudet" mißachteten und von sich wiesen. Aber sie wird vielleicht manchen Betörten zur Besinnung bringen, der sich bisher zu der Anschauung verleiten ließ, Christentum und Antisemrtismus seien zu vereinigen, ja, der Haß gegen das Judentum bedeute schon Christentum, und wer nur so recht vom Herzen die Juden und ihre Religion schmähe, dürfe sich schon den frommen Luxus gestatten, die Grundlehren des Evangeliums zu untergraben. * * * Es ist selbstverständlich, daß jene antisemitischen Blätter, die es seit Jahr und Tag als ihre alleinige Aufgabe betrachten, das Alte und das Neue Testament gleichmäßig mit ihren Schmähungen zu überschütten, keinen Anlaß haben, der Botschaft aus Rom eine weitere Verbreitung zu verschaffen. Was mag aber die Ursache sein, daß das schärfste, angestrengt spähende Auge sie auch in Blättern nicht entdecken kann, die sich immer als die patentierten Vertreter katholischer und kirchlicher Interessen aufspielen? Sollte man nicht glauben, daß klerikal sich gebärdende Blätter, die niemals aus Raumrücksichten auch nur einer Notiz über eine Fahnenweihe in dem letzten Marktflecken die Aufnahme verweigerten, auch Platz für eine so bedeutsame Kundgebung haben werden, die allen Katholiken maßgebende Richtlinien enthält? Raumrücksichten dürften also keineswegs maßgebend gewesen sein. Es dürften daher andere Rücksichten gewesen sein. Welche? . . . * * * Sollten „klerikale" Blätter sich gerade bei dieser Gelegenheit so überaus lebhaft daran erinnert haben, daß, wie die ersten Verkünder des Evangeliums Juden waren, auch jetzt in erster Reihe den sogenannten „jüdischen" Blättern die Mission anheimfallen möge, die Botschaft aus dem Vatikan Gläubigen und Ungläubigen zu übermitteln? * * * Man weiß, daß die gewöhnlichen antisemitischen Hetzer es mit Recht verschmähen, ihrer Gesinnung in stilistisch gewählter Form Ausdruck zu verleihen. Der Antisemitismus kann auf derlei Aeußerungen verzichten. Aber immerhin bleibt es auffallend, daß selbst gelehrte deutsche Professoren, wenn sie von judenfeindlichen Gefühlen übermannt werden, zur Feder greifen. So war dieser Tage in einem reichsdeutschen Blatte der Artikel eines berühmten christlichen Theologen zu lesen, der, um den heutigen Juden etwas Unangenehmes zu sagen, nach-.

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