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Die Wahrheit · 1928-04-18 · Heft 16 (18.4.1928) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 16 (18.4.1928)
Date
1928-04-18
Page
– (sequence 6)
Language
German
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TOt^^gBWWWflWB^y»^^ Seite 6 DIE WAHRHEIT bitterlich zu weinen. Sara Bernhardt'4 — schloß Theaterdirektor Lyer seine in mehr als einer Beziehung sehr interessante Rede — „war von holländischer Herkunft. Sie hat allerdings kein Wort Holländisch gesprochen." Sara Bernhardt war nach diesem authentischen Bericht ihres Onkels als Jüdin geboren, die später in Paris die Taufe annahm. Daß sie die jüdische Abstammung beharrlich verschwieg, mag vielleicht auf eine bei ihr sicherlich nicht gut angebrachte Vorsicht zurückzuführen sein. Sie fürchtete vielleicht, es sich mit gewissen Kreisen zu verderben, wenn sie sich als geborene Jüdin deklariert hätte. Es macht auch den Eindruck, als ob ihr Vater eine Mischehe eingegangen wäre und als ob Fräulein Kingsberger nur zum Scheine zum Judentum übergetreten wäre, um ihren jüdischen Gatten heiraten zu können. Bei der erstbesten Gelegenheit warf sie ihr Judentum von sich und dies dürfte in Paris der Fall gewesen sein, als die göttliche Sara aus dem Judentum austrat und die Taufe annahm. Nachdenkliches zur polnischen Sejmwahl. Nachdem die trüben Wogen des Wahlkampfes in Polen sich einigermaßen verlaufen haben, kommen hie und da. auch aus dem zionistischen Lager Stimmen zu Worte, die mit einer etwas größeren Sachlichkeit, als es unmittelbar nach der Schlacht der Fall war, über die Motive und Ergebnisse urteilen. Bemerkenswert scheint in dieser Hinsicht eine retrospektive Betrachtung, die ein waschechter Partedzdonist, Doktor Nathan Melzer, in der Prager „Selbstwehr" den Wahlen widmet. Melzer erklärt unter anderem: „Es soll nicht geleugnet werden, daß die Zahl der aus dem Minderheitsblock hervorgegangenen jüdischen Deputierten zweifellos eine Enttäuschung bedeutet. Selbst die Pessimisten haben die Eroberung von 10 bis 12 jüdischen Mandaten als gesichert angesehen. Die Wahl von bloß sieben Deputierten ist demnach als Schlappe zu bezeichnen." Melzer erblickt die Ursache dieser Schlappe in dem Versagen der slawischen, in erster Reihe der ukrainischen Partner des Minderheitsblockes und in dem Wahlterror der Re- -gieruig. Trotzdem meint Melzer, daß es richtig war, keine selbständige jüdische Liste zu bilden, sondern mit den Minderheitsnationen zusammenzugehen, weil — man von den zehn Mandaten sonst vier bis fünf Mandate der Aguda und ihren Verbündeten hätte abgeben müssen. „Demgegenüber", sagt Melzer, „sind aus dem Minderheitsblock nur sieben Abgeordnete gewählt worden, von welchen jedoch sechs der Zionistischen Organisation angehören. Nur der Weg des Minderheitsblockes hat eine politische Ausschaltung der Aguda in Kongreßpolen möglich gemächt." Das also ist des Pudels Kern. Der Haß gegen die organisierte Orthodoxie schaltet alle politische Vernunft aus, und man will sich lieber mit einer Zurückdämmung des jüdischpariamentarüschen Einflusses überhaupt abfinden, als den auf dem Boden der Tbora stehenden Volksmassen die Möglichkeit einer Vertretung neben dem zionistischen Terror zuzugestehen. Außerordentlich treffende und für die sittliche Bewertung der zionistischen Politik vernichtende Worte findet im Warschauer „Moment" der bekannte, der Aguda durchaus fernstehende Publizist H i 11 e 1 Z e i 11 i n. In einem Aufsatz unter der Ueberschrift: „Kann der Zionismus auf der Zerstörung der jüdischen Massen aufgebaut werden?" charakterisiert Zeitlin die Grünbaumsche Politik, die der Wahlbewegung und ihrem Ergebnis den Stempel aufgedrückt hat, wie folgt: „Die Wahlen zum Sejm sind unter der Diktatur Grünbaums und unter der Losung geführt worden, zu zerstören, totzuschlagen und irgend jemandem „tödliche Schläge" zu versetzen. Einen „T o t k 1 a p p" jedem, der sich seiner Diktatur nicht unterwerfen will! Er und seine Mithelfer träumen jetzt davon, daß sie irgend jemanden besiegt haben, ja, daß sie irgend jemanden einen „Totklapp' versetzten, während sie in Wirklichkeit den Zionismus besiegt haben, in dessen Namen sie ständig reden und in dessen Namen sie Opfer fordern von alten Juden, einerlei ob sie Freidenker, geiwöhnlliche Juden oder Orthodoxe sind. Der letzte Wahlkampf ist von 'Grünbaum & Co. unter verschiedenen Losungen geführt worden. Die Hauptlosung ist aber gewesen: „B ir e c h e n, Klappen, Zuklappen und Nie de r", und man hat das wirklich ausgeführt; man hat geklappt, zugeklappt — nämlich viele jüdische Mandate. Man hat viele hunderttausende von jüdischen Stimmen zum Schweigen gebracht und hat die jüdische Bevölkerung mit einer Vertreterschaft beglückt, die frei ist von der großen organisierten orthodoxen Partei und vcn echter jüdischer Volkstümlichkeit . . . Wenn man es jetzt zu einer Keren Kajemeth-, Keren hajessod- oder zu einer anderen zionistischen Aktion kommt, wird man sich an die gleichen hunderttausende von Juden wenden, die man auf alle mögliche Weise beschimpft und bespien hat und wird sie auffordern, sie sollen Geld, Geld und wieder Geld geben. Jetzt aber in der Zeit des politischen Taumels mit dem zweifelhaften Sieg vergißt man ganz jene hundertausende von Juden, die keine Versammlungsreden halten und keine Artikel über den Zionismus schreiben und überhaupt keine offiziellen Zionisten sind, die aber doch die faktischen Träger des Zionismus darstellen, weil sie, soviel Ihr sie auch besudeln und erniedrigen wollt, doch den lebendigsten und gefüMsstärksten Teil des jüdischen Volkes, darstellen. Nun hat man diese Art von Juden, hunderttausende außer den vielen aus der Masse, die nicht für Grünbaum gestimmt haben, mit beiden Händen von sich gestoßen. Zu welchem Zweck? Damit einige Personen ohne Verantwortungsgefühl aus persönlichen Ambitionen heraus ihre Totklapp- und Zerbrechungspolitik spielen können? Darf das geduldet werden? Darf das sogar von rein zionistischem Standpunkt aus geduldet werden? Und nun gar vom rein jüdischen Standpunkt ist diese Politik des Zerbrechens und Totklappens einfach ein Unglück. Das ist klar für jeden, der weiß, daß diese Politik die Juden sehr viel Geld gekostet hat, das jüdische Vol'k zerrissen und in Unfrieden gegeneinander gehetzt hat und nun bloß so und so viele jüdische Mandate vernichtet hat." Ibsen vom jüdischen Gesichtspunkte. Von Oberrabbiner Dr. J. Niemiro wer, Bukarest. Es gibt Juden, die gewöhnt sind, beim Tode , eines berühmten Mannes in allen Lexikons nachzulesen, ob-er nicht etwa Jude war. Dies weist auf die Bewunderung hin, die wir für die Großen empfinden sowie auf den Wunsch unseres Volkes, das soviel zu leiden hatte, sich auch wenigstens durch Männer von Ruf auszuzeichnen. Andere wieder wollen feststellen, ob der Verstorbene die Juden gehaßt oder geliebt hat, da unser über die ganze Erde zerstreutes Volk die großen Menschen zwingt, ihm seine Sympathie oder Antipathie zu zeigen. Handelt es sich um eine hervorragende geistige Persönlichkeit, da drängt sich sogar die Frage auf: Wie bringen wir das alte Judentum in Einklang mit seinen neuen Ideen? Die hervorragenden Repräsentanten des Judentums suchten stets nach einer Vereinigung, zwischen unserer Lehre und der mo- ]AC. MAYER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Eigen« NaOabtellunfi Zentrale: Wien Il.y GlOCkengasse 24 Tel. 48-4-79 Für Kultusbeamte und VerelnsfunktlonSre gegen Legitimstion 10V. Nachlaß , . ,;

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