Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 16 (18.4.1928)
- Date
- 1928-04-18
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
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Seite 2 »iinßHuuuuuuu»^^ QU? WAHRffEH bessarabischen Gouverneurs Fürst Urussow legten späterhin die teuflische Tücke der Zenträlregierung bloß, mit der der Pogrom von Kischinew vorbereitet wurde. Die russische Bürokratie, deren bewegende Kraft zu jener Zeit Innenminister P 1 e h w e war, hat den Schauplatz für ihre Pogromtätigkeit mit gutem Vorbedacht gewählt. Das Zusammenleben verschiedener Volkselemente führt nur dort zu einem wirklichen Verstehen und gegenseitiger Freundschaft, wo Wissen, Bildung und sittliche Erziehung die wirkenden Faktoren des Volkslebens sind. In den breiten Massen der bäuerlich stumpfen Großrussen und Ruthenen und der unwissenden, leicht zu Gewalttaten neigenden Rumänen wie der skrupellosen, bestechlichen russischen Beamtenschaft konnte jedoch den Juden gegenüber höchstens eine äußere Duldung herrschen. Im Gegensatz zu dem Pauperismus der jüdischen Bevölkerung in anderen Provinzen des Ansiedlungsrayons war die wirtschaftliche Lage der Juden in dem von der Natur gesegneten Bessarabien eine vorwiegend günstige. Hingegen lebten große Teile der moldauischen wie der großrussischen und ruthenischen Bauernschaft, von den russischen Latifundienbesitzern geknechtet, vielerorts in großem Elend, Es v/ar daher leicht, die Urinstinkte dieser halbwilden Bevölkerung aufzureizen. Neben der offenen Wühlarbeit der Presse und der versteckten Hetze der Regierungsorgane spielte die Geistlichkeit eine besonders traurige Rolle. Ihre Spitzen, gefügige Werkzeuge des russischen Despotismus, waren bestrebt, die Unzufriedenheit der Volksmassen, die S&uill&tati Die alten Gesetze. Von Josef Lazarus. Fiume. (Fortsetzung.) Von seinem Standpunkte der gleichen Menschenrechte, protestiert Moses gegen die niederere Einschätzung des weiblichen Kindes gegenüber dem Männlichen, denn im II. Buche Mosis, Kap. 21, Vers 31, heißt es „ob es .ein Sohn war oder eine Tochter, nach gleichem Ausmaße soll gestraft werden". So hob Moses die Gesetze Vor-Biblischer Völker aus den Angeln der Barbarei auf jene Kulturhöhe, welche die heutige Menschheit seiner göttlichen Eingebung verdankt. Zu den Verirrungen, welche zu Geisteskrankheiten und zu Verbrechen führen, gehört: die Unzucht. Nach Chittischem Recht (Tafel II, § 37) ist nichts einzuwenden, wenn Jemand einen Sklaven zu Ünzuchtzwecken kauft, und ihn dazu verwendet, sobald der Sklave das Geld angenommen hat. Hingegen verwahrten die C h i 11 i m ihr Volk gegen eine andere aus Babylonien und Assyrien hereingebrachte Vertierung, indem sie (Tafel Is §§ 73, 85 und 86) Todesstrafe für Sodomie (sexuelüer Verkehr mit Tieren) und (Tafel I, §§ 75, 76) für Blutschande (sexueller Verkehr zwischen Eltern und Kindern oder Geschwistern) verhängten. Hamurabi straft solche Unmenschen mit Kastrierung. Durch rücksichtslose Verhängung der Todesstrafe ist es Moses gelungen, das Uebergreifen babylonischer Greuel von seinem Volke abzuhalten (III. B. M., Kap. 20, Vers 11—18). Dies war der Sinn der von Moses anbefohlenen Ausrottung gröuelhafter Völker vom Heiligen Boden; nicht der durch den Staat u n d den Adel ausgepowert wurden, auf die Juden abzulenken. Der russischen Kirche war jede Verleumdung, die Blutlüge inbegriffen, recht, um die Volkswut gegen die Juden wachzurufen. Die zaristische Regierung, durch das Anwachsen der revolutionären Bewegung, die man heuchlerischer Weise als das Werk der jüdischen Intelligenz hinstellte, unsicher gemacht und erschreckt, sann auf Mittel zur blutigen Bekämpfung. Der Mann der eisernen Faust, der Innenminister Plehwe, der neben Pobedenoszow einen mephistophelischen Einfluß auf Nikolaus ausübte, hatte die Juden als Opfer ausersehen. Ei* war der eigentliche Inaugurator des Pogroms. Dem geistigen Urheber der maßlosen Verhetzung der bessarabischen Bevölkerung Kruschewan stellten sich auf solchen Antrieb von oben her die höheren Gouvernementsbeamten, die vorwiegend Großrussen aus Zentralrußland waren, zur Seite. Sogar der Vizegouverneur Ustrugow war der Mitarbeiter der Hetzzeitung „Bessarabetz". Freiwillige Helfer aus der Elite der russischen Intelligenz fanden sich bereit, den Intentionen der Regierung Scbergendienste zu leisten. So war der Pogrom in Kischinew das Produkt einer von langer Hand vorbereiteten planmäßigen Organisation. Die Durchführung aber entsprach ganz dem Geiste der russischen Volksmassen. Zahlreich waren die Leiden der Juden im Laufe der Jahrhunderte, mannigfaltig waren die Formen der Verfolgungen, grausam die Qualen, die man ersann. Einzigartig aber ist der Hexensabbat eines Pogroms. Dort offenbart sich die Bestie Mensch in ihrer ganzen ungezügelten Wildheit. bloße Sieg über sie, denn im Gegenteil, die Könige des Bibelvolkes galten bei den Nachbarvölkern als „Könige des Erbarmens" weil sie gegen überwundene Feinde mild verfahren (I. Buch Könige, Kap. 20, Vers 31). Der hebräische Sieger begrüßt den überwundenen König mit dem Worte „Bruder". Prophet Obed ruft dem siegenden Israel zu: „Schicket die Gefangenen heim, um nicht des Ewigen Zorn auf euch ziu laden". Prophet Arnos schützt die größten Feinde Israels, die E d o m i t e r gegen die siegreichen M o a b i t e r. Jeremias prophezeite den Untergang der Assyrer, v/eil dessen Könige überwundene Feinde unmenschlich behandelten. Babylonische Keilinschriften auf Denkmälern, den Triumphzug eines Siegers darstellend, besagen: „3000 Gefangene verbrannte ich im Feuer, ihre Knaben und Mädchen verbrannte ich in der Glut, die übrigen 'vernichtete ich durch Verhungern und Verdursten. Viele Männer nahm ich lebend gefangen, den einen schnitt ich Hände und Füße ab, den andern Nasen und Ohren, Vielen stach ich die Augen aus, oder riß ihnen die Zunge aus, oder schnitt ihnen die Lippen ab. (Doktor Josef Bloch, Israel und die Völker, S. 469, und Keilinschriftliche Bibliothek I. S. 69, 71, 101, — II. S. 193, 197). Mit den Assyrern und Babyloniern ist der Barbarismus keineswegs im Herzen der Menschen erloschen. Im Kolosseum zu Rom wurden zur Volksbelustigung Kriegsgefangene von Löwen zerrissen, deren Heerführer im Triumpfe herumgeführt, an des Kaisers Loge vorüberziehend, wurde dfasem zugerufen: „Avae Caesar! Morituri te salutant!", worauf die Unglücklichen zum Tarpejischen Felsen geführt wurden, um von dort herabgestürzt zu werden. Dies war Römerkultur; anderthalb Jahrtausende, nachdem Moses die Grundlage der heurigen, geschaffen hat, durch sein göttliches Kulturprinzip „alle Menschen im Ebenbide Gottes geschaffen" woraus die Propheten die Pflicht der brüderlichen Behandlung überwundener Feinde ableiteten wie sie ja heute in den modernen Kriegsgefangenenlagern geübt wird.