Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii^ .....' §eite t, Palästina nichts mehr im Wege st e h c it. Die jüdische Presse der Ve r e i n i g t e n Staate n kritisiert sehr scharf die Palästina-Regierung, unter deren Regime es möglich ist, dal.? Schalom Schwarzbard die Einreis-* nach Palästina verweigert würde. Teure Studentenexzesse. Die "rumänische Regierung hat jenen Städten, die durch die Plünderungen der Studentenhorden gelitten haben, Entschädigungen bewilligt, die nunmehr ziffernmäßig bekanntgegeben worden. K1 a u s e n b u r g erhielt 10 Millionen L e', Gr oß wardein 9 Millionen Lei, G h im e s 136.(iO(), .1 a s s y 12O.U00 und Targo Ocna 1 Million Lei. „Status quo-Gemeinden" in Ungarn. Bekanntlich sind in Ungarn juristisch zwei verschiedenartige Formen der jüdischen Gemeinde anerkannt: die orthodoxe und die n e o 1 o g e (liberale) Gemeinde. Die Trennung ist nicht allein juristisch, sondern auch praktisch eine vollkommene. Nach dem Wortlaut des ungarischen Gesetzes sind zwei verschiedene jüdische Religionen anerkannt. Nun existieren aber auch noch Gemeinden, die bei der Trennung sich weder der Orthodoxie noch der neologen Bewegung angeschlossen haben. Sie nennen sich „Status quo-Gemeinden'" und sind wie die anderen zu einem Bund e zusammengeschlossen. Sie haben jetzt bei der Regierung um die Anerkennung als Körperschaften öffentlichen Rechtes augesucht. Sowohl die neologe wie die orthodoxe Landeskanzlei haben sich gegen ihre Anerkennung ausgesprochen. Eine Abordnung der „Status quo-Gerneindicin" begab sich zum Ministerpräsidenten Graf B e t h 1 e n, der ihr erklärte, die Regierung sei entschlossen, dem Bund der „Status quo-Gemeinden" die juristische Anerkennung als eine besondere Vertretung der Juden zu gewähren. Antisemitenstatistik. Das „Nordböhmische Tagblatt" stirnint in die Wehrufe der Antisemiten ein, indem es eine Statistik über „die Ueberflutung akademischer Berufe durch das Judentum" reproduziert und die prozentuelle „Zurückdrängung des deutschen Volkstums zugunsten des Judentums" im Aerztestand, im Zahnärzteberuf und im Reehtsanwaltstatide feststellt. Es findet die Tatsache furchtbar, daß die Juden einen größeren Anteil an den akademischen Berufen gewonnen haben, als ihnen „nach der Volkszahl im Verhältnis zum Wirtsvolke'" zukommt. Natürlich verkneift sich der anonyme Anwalt des Numerus clausus die Anspielung auf die „wesensfremde Sittlichkeit" der jüdischen/Akademiker nicht, und nun möchten wir dem „Nordböhmischen Tagblatt" eine Enquete unter den Patienten der jüdischen Zahnärzte empfehlen, um endlich zu erfahren, wie sich diese wesensfremde Sittlichkeit etwa beim Plombieren oder Zahnreißen zu äußern pflegt. Was alles möglich ist. Der Fußballspieler Josef Blau, ein Jude, hatte in den Tagen von Oradea Marc auf der Straße einen rumänischen Studenten, den er von Bukarest her kannte, getroffen. Während er mit seinem Bekannten Begrüßungsworte wechselte, warf sich eim Student auf einen jüdischen Passanten und begann ihn zu bearbeiten. Dem armen Blau mag wohl die Regung gekommen sein, dem bedrohten Juden selber zu Hilfe zu eilen. Wahrscheinlich hatte er als Sportler auch den nötigen Mut zu einem Eingreifen. Aber sein Arm war paralysiert, weil er einem Juden gehörte, und Blau tat das Nächstliegende: Er bat seinen Bukarester Bekannten, den mißhandelten Juden zu schützen, was dieser schließlich auch bereitwillig tat. Scheinbar eine unter den gegebenen Umständen sehr richtige, verständige Form, die der jüdische Sportler wählte, um seinem bedrohten Glaubensgenossen Hilfe zu bringen. Denn was hätte sein persönliches Eingreifen für Folgen gehabt! Aber der Präfekt von Oradea war gar nicht so unfähig, wie man ihn hinzustellen versuchte. Er wußte im gleichen Moment, daß in der und deT Straße ein Jude bei den Demonstrationen „mitgewirkt" hatte und in Windeseile raste er in seinem Auto an den betreffenden Ort. Stand doch so viel auf dem Spiele! Bedeutete es doch einen Durchbruch der geheiligten Prinzipien, die den Juden verbieten, sich zu verteidigen! Zwar war die Verteidigung durch niohtjüdische Hand geschehen, aber der moralische Autor war doch ein Jude! Also mußte hLer. Recht geschehen und er durcheilte die Straßenzüge, deren Geschäftshäuser gerade „bearbeitet" wurden, er ließ SynagöfVihriiiiitiimim * Iii nll llrlllr Ter. 68-1^28 XI., Zentralfriedhof, neben dem 1. Tor, Tel.98-0-85 gen links liegen und war rechtzeitig genug zur Stelle, um die Verhaftung des Juden Blau zu veranlassen. Armer Präfekt, de;- wegen vorgeblicher F f 1 i c h t v e r g e s s e n h e i t seines Amtes entsetzt wurde! Aber nun kommt der noch schönere Teil der Geschichte. Ungleich den wahren Schuldigen an der Zerstörungsarbeit in Oradea, Cluj usw. wurde der iudv Blau bis zur Verhandlung vor dem Kriegsgericht in Haft behalten und ungleich den Plünderern dt;- Gotteshäuser erhLlt der Jude Blau die höchste Strafe, er wurde zu fünf M o n a t e n G e f ä n g n i s verurteilt. V e / u r t e i 1 t als Jude w t g e n a n t i j ü d i s c h e r A u s s . Ii r e i t u n g e n. Ein Keren-Hajessod-Konilikt in Bulgarien. Aus Sofia wird gemeldet: In Phi Ii poppe! ist vor einiger Zeit ein großer ü e m e i n d e k o n f 1 i k t entstanden, weil der in seiner Mehrheit zionistische üemeinderat beschlossen hat, daß nur K e r e u - H a i e s s o d - Z c i c h n e r die religiösen Einrichtungen der Gemeinde benutzen können (!). üemeindemitglieder haben sich beschwerdeführend an die Gerichtsbehörden gewendt, und auf Veranlassung des Generalstaatsanwaltes haben nunmehr die Gemeindebehörden wegen Amtsmißbrauchs vor Gericht zu erscheinen. Es ist auch ihre A bb e r u f u n g verlangt worden. Das hiesige Konsistorium, dessen Mehrheit gleichfalls zionistisch ist, steht jedoch auf dem Standpukt. daß eine Abberufung nicht erfolgen kann und daß die Gemeinden in der Wahl ihrer Vertreter frei sind. „Abie's Irish Rose" in Budapest. Von Wien nach Budapest ist nur ein Katzensprung.' So konnte es denn nicht ausbleiben, daß auch eine ungarische Bearbeitung der berühmten „Rose" erfolgte, die in Budapest aufgeführt werden sollte. Die hochkultivierten magyarischen Studenten widersetzten sich der Vorstellung von „Abie's Irish Rose'* im Budapester Metropolitantheater. Die verfeinerte magyarische Jugend wies das Stück nicht etwa deshalb zurück, weil es ihren künstlerischen Aspirationen nicht entsprach, sondern weil sie glaubte, „Abie's Irish Rose" stellte die amerikanischen Juden i n z u günstigem Lichte dar. Die Zurückweisung dieses Stückes ist ein Punkt, wo mancher amerikanische Jude, dessen Augen es allmählich müde geworden sind, „Abie's Irish Rose" sechs Jahre lang im strahlenden Licht des Broadway blühen zu sehen, mit den magyarischen jungen Herren einverstanden ist — aber natürlich nicht aus demselben Grunde. „Abie's Irish Rose" ist so weit davon entfernt, den Juden zu schmeicheln, wie es von der Wahrheit entfernt ist: es ist auch so weit davon entfernt, das Publikum zu lehren, wie der Jude wirklich ist, wie es von wirklicher Kunst entfernt ist. j Palästina-Weine! I »■iiiiM^^ i „Carmel-Original" I (Friedman!) Petach-Tikwah) 1 * s : und auch andere edle Sorten Weine i ■ 1 HDfi } „IVienea" ■ | Wien II., Obere DonaustraBe Nr. 91 \ \ Tel. R 49-1-75 |