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Die Wahrheit · 1928-03-30 · Heft 13 (30.3.1928) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 13 (30.3.1928)
Date
1928-03-30
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiy Seite 7 HOTEL „NATIONAL Ii IBD Restaurant 1W Wien II-, Taborstraße 18 lS!m£S& Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltesund warmes Wasser U.Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. Vorzilgl. Wiener, ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. eyd, welchen die räthe und gantze Versammlung gleichergcstalt schwören mußten., ablaß. Es war schon um mittag, da die messe ihren anfans nahm und wurde man vor abends um 9 uhr nicht fertig, indem eines jeden Urtheil überlaut mußte abgelesen werden Die hartnäckigkeit, mit welcher sie dem tod entgegengingen, war etwas recht ungemeines, wie denn hier etliche von sich selbsten in das feuer Sprüngen, etliche hielten ihre hände und fuße ganz unbeweglich in die flammen und war wohl zu beklagen, daß so standhafte gemüther mit dem licht des wahren glaubens nicht sollten erleuchtet seyn. Der König trug viel belieben, diesem elenden spiele beyzuwohnen. Man bilde sich aber ja nicht ein. als ob durch dieses harte verfahren die Juden bekehrt werden; es gehet ihnen solches in Wahrheit wenig zu hertzen. So sind die königlichen Rentmeister, emnehmer und Pächter meistenteils Juden, welchen man aber, wenn man mercket, daß sie reich geworden, eine furcht einjaget und müssen sie hernach, ihr leben zu retten, die beutel brav außleeren. Durch dieses mittel ziehet man eine große menge geldes; wenn aber jene solches nur gebin könne, habe sie sich vor dem feuer, ob sie es gleich ebensowohl als andere verdienet, weiter nicht zu fürchten." Schia Schaswin, ein Vorgänger Schwarzbarts. (Fortsetzung.) „Der Angeklagte," so begann der Verteidiger seine Darlegungen, „kam im Jahre 1918 nach mehrjähriger Kriegsdienstleistung als Hilfsarzt in der russischen Armee in sein verwüstetes lieimatstädtchen Worochow zurück. Seine Eltern Ephraim und Riwka Schaswin fand er in den denkbar traurigsten Verhältnissen vor. Ihr Haus war von deutschen Granaten zerstört, ihre Fabriken seit langem außer Betrieb und alles Wertvolle längst zum Lebensunterhalte verkauft. Sie wohnten bei einem Bauern am Rande des Städtchens in einer elenden Stube. Die alte Frau saß mit einigem Gebäck, das sie nachts buk, tagsüber am Marktplatz; der Mann "Suchte durch Maklerei einige Kopeken zu verdienen. Schaswin einzige Schwester, ein sechzehnjähriges schönes Mädchen, namens Sabine, verdiente als Hausschneiderin ihr armes Brot. Schaswin, der jahrelang von seinen Angehörigen entfernt gewesen war und der sie in Wohlstand zurückgelassen hatte, war zutiefst erschüttert. Er hatte sich von seiner Gage einige tausend Rubel erspart und zögerte jetzt keinen Augenblick, das Los seiner Eltern zu verbessern. Er kaufte ein leerstehendes Häuschen, richtete es, so gut wie es eben ging, ein und sicherte den Eltern durch seine ärztliche Tätigkeit ein auskömmliches Dasein. Das Doktorat hatte er infolge des Krieges nicht gemacht. So praktizierte er, wie es in Rußland häufig ist, als Feldscher. Im Felde hatte er viel auf medizinischem Gebiete gelernt und einige erfolgreiche Kuren verschafften ihm bald einen guten Ruf und darüber hinaus auch eine einträgliche Klientel. Die Eltern dieses trefflichen Sohnes sahen einem ruhigen Lebensabend entgegen, während Sabine wieder ihre unterbrochenen Studien aufnehmen konnte. Der hohe Gerichtshof, die Herren Geschworenen sind aus den Zeitungen über die Vorgänge in jenen Gebieten sicherlich in Kenntnis gesetzt; der Strom der Ereignisse rauscht vernichtend über die unglücklichen Einwohner hinweg. Rote und weiße Truppen, welche letztere nicht ohne Legitimation unserer republikanischen Regierung auftraten, bringen Mord und Qual über gepeinigte Menschen, deren Martyrium zu dem Unbegreiflichsten gehört; das die Geschichte kennt. Worochow wechselte, gleich anderen Städtchen, wiederholt den Besitzer. Die jeweiligen Machthaber übten jede Brutalität an den Einwohnern, preßten ihnen ihre Habe ab und machten ihnen das Leben zur Hölle. Gestatten Sie nun, daß ich zum Falle Schaswin zurückkehre. Er lebte schon über ein Jahr in seinem Heimatstädtchen und war bei den Gewalttaten der roten und weißen Armee bis dahin glimpflich davongekommen. Bis zum 3. März 1919! Diesem Datum wolle der hohe Gerichtshof seine besondere Beachtung schenken. Denn dieser Tag ist der Anlaß zur Ermordung des Pjotr Trubetzkis. Die Herren Geschworenen mögen erfahren, wer mit dem Gelde französischer Steuerzahler ausgerüstet wird. Sie werden als Menschen, Gatten, Väter und Söhne über die Greuel schaudern, deren leidvoller Zeuge jener blutjunge Mensch war, der heute als Angeklagter vor Ihnen steht. Hören Sie die Einzelheiten. Am 3.' März 1919 rückte nach kurzem Gefecht ein Trupp der weißen, sogenannten Petljura-Armee mit Pjotr Trubetzki als Kommandant in Worochow ein. Seine erste Tat bestand darin, daß er die Synagoge, wohin die Juden während der Stralienkämme geflüchtet waren, umzingeln und in den Brand stecken ließ. Die aus dem Feuer Flüchtenden wurden aufgespießt. Trubetzkis Vergnügen wurde jedoch durch einen herabfallenden, brennenden Span gestört, der ihm eine empfindliche Brandwunde am linken Arm beibrachte. Man schrie nach einem Arzt und ein Bauer geleitete Trubetzki mit seinem Stab zu Schaswins Haus. Der junge Feldscher trat dem Bandenführer gefaßt entgegen und tat alles Notwendige, um dessen Schmerz zu lindern. Sabine half ihm dabei. Von der Synagoge her ertönte schrecklich das Geheul der Brennenden. Der greise Ephraim Schaswin stand in seinen Gebetmantel gehüllt und bewegte flehend die Lippen. Seine alte Frau saß zitternd vor seinen Füßen und hielt die Hände vor das Gesicht. Als Trubetzki einen Verband mit kühlender, Salbe erhalten hatte, ließ ihn plötzlich etwas wild auffahren und fluchen. Er hatte im Augenblicke durch das Beten des alten Schaswin erfahren, daß er Juden vor sich hatte. Drohend und düster sah er seine Helfer an. „Du bist Jude?", fragte er. Schia Schaswin nickte stumm. „Weil Du mir geholfen hast", fuhr Trubetzki fort, „bleibst Du leben. Geh'!" Schaswin nahm Vater und Mutter an die Hand, Sabine hielt sich ängstlich an seinem Rock fest, und sie gingen ungefähr bis zur Türe. Da knallten mehrere Schüsse und die beiden alten Leute sanken totgetroffen zu Boden. Die Bestie Trubetzki wies grinsend hinaus: „Nur Du bist frei, Jude. Diese Schweine gehören in die Hölle. Das Mädchen bleibt bei mir." Schaswin warf sich mit einem Tigersprung auf den Mörder und würgte ihn an der Gurgel. Er wurde aber von den Offizieren zurückgerissen, zu Boden geschlagen und im Umsehen gefesselt. Trubetzki gab ihm noch einen Fußtritt. Dann warf er sich auf das angstvoll schreiende Mädchen und befriedigte an ihm unter dem teuflischen Gelächter seiner umstehenden Kumpane, seine tierischen Gelüste. Als Schaswin aus seiner Ohnmacht erwachte, lag er neben den blutüberströmten Leichen seiner Ehern und auf dem Bette krümmte sich in Fieberdelirien das grauenhaft mißhandelte Mädchen. Die Bande aber war abgezogen, nachdem sie das Städtchen in einen Friedhof verwandelt hatte. (Schluß folgt.) |;MIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIIM 1 "irr Privatkost! I bei ungarischer Familie, vorzüglich zubereitet, auch rür | I die Osterf eiertage, für einige Personen zu haben i bei Steuer, IV., Karlsgasse 13, Tür 2.

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