Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 6)
- Language
- German
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Seite 6 WAHRHEII gesprochen wurde, ist nicht aus dem Munde eines von modernen Rechtsjrrundsätzen beseelten Idealisten geflossen. Nein, dieses Verdienst wird ein späterer Historiker einem im Dienste dieser Justiz stehenden Polizeipräfekten zuerkennen müssen. Der Polizeipräfekt Putnicu hat einem Journalisten, der ihn über die Stelbsmorde befragte, die Gefangene wegen erlittener Mißhandlungen verübten, die Antwort gegeben: „Man hat von den Gefangenen nur zwei geschlagen, aber auch diese haben zugegeben, man habe sie nur so lange geschlagen, bis sie bußfertig ein Geständnis ablegten. Keinem der Gefangenen, der zu einem Geständnis bereit war, wurde ein Leid zugefügt." Man wird in Rumänien vielleicht zu der Meinung kommen, der Herr Polizeipräsident Putnicu habe durch diese „Rettung" der rumänischen Justiz ihr eigentlich eine tötliche Beleidigung zugefügt. Aber man weiß jetzt dort, was man zu tun hat, um ihn zu dem reumütigen Geständnis zu bringen, daß er gefehlt hat. * * Graf Paul Teleki, der als der eigentliche geistige Vater des Numerus clausus gilt, bewies in der jüngsten Sitzung des ungarischen Oberhauses einen Mut, der selbst seine erbittertsten Gegner entwaffnete. Als ein freisinniges Mitglied des hohen Hauses ein brandmarkendes Urteil über die exzedierenden antisemitischen Studenten fällte, erklärte Graf Teleki, man möge nicht die jungen, unreifen Studenten beschuldigen, sondern die reifen Hetzer, die sich im Hintergrunde halten. Allgemeine Verblüffung, allgemeines Schweigen! Und doch hätte jeder diesem Studentenverteidiger laut Recht geben müssen, allerdings mit der ergänzenden Hinzufügung, daß einer dieser notorischesten Hetzer niemand anderer als — Graf Paul Teleki war. Ego.* Judenverbrennung im Jahre 1680. Geschildert von einer Augenzeugin. Die französische Gräfin d'Aunoy, welche in der zweiten Hälfte des 17. Jahrhunderts als Palastdame der spanischen Königin am Hofe in Madrid lebte, schildert in ihren Memoiren (deutsch boi Thomas Fritscnen in Leipzig, 1703, unter dem Titel: „Spanische Siaalsgeschicft/te benebst einem anhang die nach absterben Königs Carlu des II. erfolgte große Revolution in Spanien betreffend") eine große Juden Verbrennung am 30. Juni 1680, welcher sie als Palastdame beiwohnen mußte. Sie schildert mitleidlos, ganz im üeiste der Zeit, hebt aber die Niedertracht der Inquisition und des Hofes, die für Geld auch zu verzeihen wissen, praktisch hervor. Die bedienten von der Inquisition, von denen nach gewohnheit die rrompeter und kaucker benebenst den fahnen vorher gierigen, ritten in ihrer Ordnung den 20. May vom Königlichen palast auff den großen marcktplatz. allwo sie öffentlich au&ruffen ließen, daß den 30. Junii alle diejenige, welche die Inquisition zum feuer und andern todesstraffen verurteilt, angethan werden sollten. Man wartete auff dieses JAG. MAYER erbärmliche Schauspiel mit eben so großen verlangen als wenn das allergrößte Freudenfest sollte begangen werden... Jedermann wohnete dem Auto de fe mit solcher Vergnügung bey, als ob das lustigste Schauspiel auffgtführet würde und hatte sich das frauenzimmer auffs prächtigste herausgeputzet. Auff dem großen marcktplaitz hatte man ein weitläuffiges gerüste auffgebauet und sähe man allda von frühe bis abend um 9 Uhr nichts als arme missetiiäter von beyderjey geschlechten, inmassen sie von aillen übrigen Inquisitionen nach Madrid wanan geschicket worden. Man laß ihr verbrechen und das wider sie gesprochene urteil überlaut ab. Unter den gefangenen wurden zwanzig Juden, sowohl mannals Weibspersonen, benebenst einem, so vom Christlichen zum Türkischen glauben abgefallen, lebendig verbrannt, fünfzig Jüden und Jüdinnen aber, welche Christen geworden, wurden zu einem langwierigen gefängniß verurthci'let und sollten sie indessen ein gelbes schultergewand mit einem rothen creutz tragen. Zehen andere, welche wegen gedoppelter ehe, zauberey und anderer schwerer laster angeklagt worden, wurden gegeißelt und auff die Galeren geschmiedet; und hatten diese letzteren große mutzen von gestreiftem papier auff den köpfen, auf welche ihr verbrechen geschrieben stand; um den halß trugen sie einen strick und in der hand eine fackeli Der ganze Hof sähe dieses mit an nemlich: die beiden Königinnen,' das vornehme frauenzimmer, die ausländischen Gesandten, die Großen von Spanien, benebenst einer großen menge gemeinen volkes. Der stuhl des Großinquisitors sähe einem richterlichen thron gleich und war weit über dem thron des Königs, auch um ein gut theil höher erhaben. Es* wurden auch die armen sünder so nahe bey dem König gemartert!, daß er ihr winseln und klagen gat eigentlich hören konnte; wie denn das gerüste an des Königs ercker anstieß; die Grandes von Spanienverrichteten dasjenige amt, so an anderen orten denen büttein und gerichtsknechten zukommet, weil sie die, so man verbrennen woläte, in guter Ordnung auff die gerichtsslätte an einem strick daher führeten. Die „familiäres" oder bedienten der Inquisition brachten die übrigen missethäter. Diie Mönchs, deren einige selbst nichts wußten, disputierten mit großer heffitigkeit und wollten die armen leute zur Catholisohen religion bekehren. Allein es fanden sich Jüden unter ihnen, welche in ihrem aberglauben große Wissenschaft hatten und jenen mit ihrer antwort genug zu schaffen machten. Unter anderen sähe man ein mädchen, so noch nicht 17 Jahre alt zu sein schiene, diese, weil sie auff der Königin Seilte stund, wendete sich gegen sie und bat um gnade; sie war aber von einer recht wunderbaren Schönheit: „Große Königin," sägte sie zu ihr, „sollte nicht Eure Königliohe gegenwart meinem jammer eine Veränderung bringen? bedencket doch meine jugend, und daß ich um einer religion gesogen?" Die Königin wendete ihre äugen vor. ihr weg und bezeugte gegen sie ein empfindliches mitleiden, durffte sich aber nicht unterstehen, um fristung ihres Lebens anzuhalten. Hierauf ging die messe an, als aber derjenige, so sie hielte, biß in die mitte gekommen, gtieng er von dem altar weg und setzte sich auff einen stuhl, welcher vor ihn zugerichtet. Der Großinquisitor stieg hingegen von dem als ein halber mond erbaueten gerüste, bekleidet mit einem meßgewand und die mutze auff dem kopff habend: und nachdem er sich gegen cten altar geneigt, gieng er gegen den ercker des Königs. Folgende stieg er auff das schavot, dahin ihn etliche bedienten der Inquisition begleiteten. Diese trugen das creutz und das evangelienbuch benebenst einem andern, wor innen der eyd der Könige in Spanien, welchen sie den catholischen glauben zu schützen, die ketzereien auszurotten und alles was die Inquisition vornimmt müt ihrer Königlichen gewalt zu befördern schwören geschrieben war. Der könig stand auff, entblösete das fraupt und legte jetztgedachten eyd ab, welcher ihm von einem geheimen Rafth vorgelesen wurde. Zur rechten stunde der Condestabie von Castilien, welcher das entblösete sohwerdt in die höhe hielte. S. Majestät blieben also stehien, bis der Inquisitor wieder an seinem gewöhnlichen Platz angelangt; worauff ein Secreterius von der Inquisition auff eine cantzel stieg und den PlaOabielluntl Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 48-4-79 Für Kultusbeamte und Vereinsfunktionäre gegen Legitimation 10% Nachlaß