Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 13 (30.3.1928)
- Date
- 1928-03-30
- Page
- – (sequence 4)
- Language
- German
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Seite 4 ililliiiii"Hiiiiiiiiiiiii!iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM KlaKclicd wurde von Chajiin GinzberR 1825 übersetzt. Eine sehr schöne Uebersetzung des Prometheus lieferte I. L. L a n d a u, Krakau, 1895; der Erlkönig wurde meisterhaft 'von Leben söhn dem Jüngerem, Wilna, noch in den Vierzigerjahren des vorigen Jahrhundert« übersetzt; neuerdings übertrug -der hochbegabte Lyriker Saul Czernichowski „Ueber allen Gap fein ist Ruh" ins Hebräische, aber die Uebersetzung -ist mittelmäßig. Alles in allem sehr wenig. Kein Wunder. „Goetheredf" waren ja von jeher nur die wenigsten. Zu düesen wenigsten gehörte der Oberrabbiner von Zolkiew dn Galizien, Hirsch Chajoth, eine der ersten talmudischen Koryphäen des 19. Jahrhunderts; von dem man erzählt, daß er an einem Sabbatmorgen im Jahre 1832 tiefbetrübt in die Synagoge kam und mit dem Anfang des Gottesdienstes ungebührlich zögerte, da man ja nur in fröhlicher und gehobener Stimmung beten darf. Als man ihn befragte, was die Ursache seines Kummers wäre, antwortete er seufzend, er habe soeben einen Brief erhalten, der ihm berichte, Goethe sei gestorben. „Ach, Rabbi Goethe ist gestorben!" ging es alsbald von Mund zu Mund in der Versammlung, ,.Rabbi Goethe ist gestorben!" Und man sprach die beim Vernehmen einer Trauerkunde vorgeschriebene Benediktion. Wenn ihr Oberhaupt um Goethe trauerte, muß es mindestens Rabbi Goethe sein. Doch war er, wie gesagt, in Wirklichkeit nur der Rabbi der allerwenigsten. Schiller dagegen wird das ganze jüdische Volk als einen seiner Erzieher zur Kultur, als einen seiner größten Wohltäter stets mit dankbarer Verehrung nennen. Der neue Numerus clausus in Ungarn. Beide Häuser des ungarischen Parlaments haben den „gemilderten" Numerus clausus angenommen, der nunmehr vom nächsten Schuljahr an für die Aufnahme von Hörern an den ungarischen Hochschulen maßgebend sein wird. Die Selektion erfolgt nicht mehr nach „Rassen und Nationalitäten", wie das alte Gesetz in verlogener und feiger Art das Wort „Juden" umschreibt, sondern nach der Berufszugehörigkeit des Vaters. Dabei werden die Söhne der öffentlichen Angestellten und der Bauern bevorzugt, und es muß auch dafür gesorgt werden, daß die einzelnen Komitate ihre entsprechende „Vertretung" an den Hochschulen erhalten. Ministerpräsident Graf Bethl e n hat die Antisemiten im Voraus beruhigt, daß dieses Gesetz die Lage der'Juden nicht bessern werde. Er hätte ruhig sagen können, daß es den Juden in Zukunft noch s c h 1 e c h t e r g e h e n werde, vor allem deshalb, weil früher klar im Gesetz stand, daß 6 Prozent der Hörer Juden sein sollen, während für die Zukunft die Festsetzung der Zahl der Juden ganz der Willkür der Hochschulbehörden anheimgestellt ist. Das neue Gesetz ist womöglich noch hinterhältiger als das alte. Jedes Wort dieses Gesetzes und der Begründung, die ihm schriftlich im Motivenbe- .richt und mündlich in der Parlamentsdebatte gegeben wurde, ist Lüge, im Paragraph 1 wird als Grundgedanke des Gesetzes ausgesprochen, daß d i e Zahl der Hörer der verschiedenen ungarischen Hochschulen der Möglichkeit ihrer gründlichen Ausbildung angepaßt werden müsse. Wie hoch diese Zahl zu sein hat, bestimmt der Minister im Einvernehmen mit den Hochschulbehörden. Diese Zahl ist seit dem Inslebentreten des Numerus clausus unverändert 19.160. Sie entspricht, wie bemerkt, zunächst der „Möglichkeit einer gründlichen Ausbildung", doch gleichzeitig auch der Anforderung eines weiteren Paragraphen des Gesetzes, wonach die Erziehung akademisch gebildeter Menschen sich imRahmen des tatsächlichen Bedürfnisses des Landes an „Intelligenzlern" zu halten habe. Nur in einem Jahr hat.die Zahl der sich zum Hochschulstudium meldenden jungen Leute das bewilligte Kontingent überstiegen, und zwar im Jahre 1922/23, wo 19.872 Plätze beansprucht wurden. Damals hatten sich nämlich noch sehr viel solche Studenten zur Fortsetzung der Studien gemeldet, die durch den Krieg zu ihrer Unterbrechung gezwungen worden waren. Ihre Zahl und damit die Gesamtzahl der Anmeldungen sank von Jahr zu Jahr und betrug im Jahre 1925/26 — das letzte, dessen Statistik vorliegt — nur mehr 13.535, blieb also um 5625 unter dem bewilligte« Kontingent! Das heißt, man hätte alle sich meldenden jungen Leute aufnehmen können und die Kapazität der Hochschulen und der Bedarf Ungarns an Akademikern wäre noch lange nicht erreicht gewesen, ja, man hätte Maßnahmen treffen müssen, damit sich noch Hochschüler melden, hätte Freiplätze schaffen oder gar Prämien ausschreiben müssen, damit keine Unterproduktion an Intelligenzlern einreiße. Statt dessen hat man fast tausend junge Leute, natürlich Juden, abgewiesen! Aehnlich oder noch schlimmer sehen die Statistiken der anderen Jahre aus. Unterrichtsminister Graf Kuno Klebelsberg hat in einigen Dutzenden von Zeitungsartikeln dargelegt, der wohlverstandene Nationalismus — er hat dafür das Wort Neonationalismus geprägt — sei in der Erhöhung des Kulturniveaus Ungarns zu suchen. Er befolgt diesen Grundsatz aber nur insoweit, als er immerfort neue Lehrinstitute schafft, doch hält er davon die Juden fern und läßt die Institute lieber halb leer stehen. Er tut dies, wie er sagt, contre coeur, aber er müsse die „Voreingenommenheit der öffentlichen Meinung honoriere n", die nun einmal gegendieLernfreiheitder Juden sei. Das ist auch nicht wahr. Gegen die Lernfreiheit der Juden sind nur die Gentrys, die seit der Verkleinerung Ungarns in den FERNS PRECH-NUM MER R 45-1-91 MÖBELFABRIK SIGM. WIEN, 2. 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