Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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DIB WAHRHEIT HiitiiiiiiiiiiiiiniiiiiitiitniiiiiiiiiiiiiiiHii^^ Seite 13 Vffit IBocke zu TDoche Professor Dr. David Simonson, der Nestor der nordischen Judenschaft. Am 17. März ist Prof. Simonson, Oberrabbiner von Kopenhagen, 75 Jahre alt geworden. Man kann wohl diesen, weit über Skandinavien hinaus berühmten Gelehrten, den jetzt bedeutendsten Juden dieser Länder nennen. Kein Wunder also, wenn die Gemeinde von Kopenhagen den 75. Geburtstag zum Anlaß besonderer Ehrungen nahm. Prof, Simonson ist im Jahre 1853 in Kopenhagen als Sohn des Bankiers Jakob Simonson geboren und hat sich mit der Tochter des Großkaufmanns H. J. Salomon, Cora, 1879 verheiratet Frühzeitig wendete er sich dem Studium des jüdischen Schrifttums und der orientalischen Sprachen zu. In Breslau absolvierte er das Rabbinerseminar und wurde bald darauf in Kopenhagen Rabbiner; anfänglich neben dem damaligen Oberrabbiner, aber schon drei Jahre später, 1892, bekleidete er selbst diese Würde. In dieser Stellung hatte er auch die Leitung der übrigen dänischen jüdischen Gemeinden zu kontrollieren. Gleichzeitig wurde er Obmann verschiedener Vereine, so z. B. des Vereins zur Herausgabe älterer hebräischer Literatur, des Vereins , zur Erhaltung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums usw. Auch verfaßte er viele wissenschaftliche Abhandlungen, welche scheinbar außerhalb seiner Berufssphäre lagen; u. a. über die Skulpturen und Inschriften von Palmyra, und steht noch gegenwärtig mit Männern der verschiedensten wissenschaftlichen Disziplinen in allen Ländern in Verbindung. Aber auch in der Allianz und ganz besonders in der Hilfskonferenz spielte er eine hervorragende Rolle und als echter „Bene-Brith" tritt er überall mutig auf, wo es gilt, echtes Judentum zu fördern und zu verteidigen. Wiewohl Simonson schon 1902 seine Rabbinatswürde zurücklegte, bedeutete das noch eine erhöhte Hingabe an seine karitative Wirksamkeit, welche ganz besonders im Weltkriege von dem neutralen Kopenhagen aus ihm die Möglichkeit bot, für viele Hunderttausende in den verschiedensten Ländern zum Segen zu werden. Diese humanitäre Tätigkeit, wie das Vorbildliche seiner ganzen Persönlichkeit hat lebhaften Widerhall in den jubelnden Ovationen gefunden, welche Simonson gelegentlich seines Besuches in „Erez Jisroel" von den dortigen Gemeinden dargebracht wurden, und so wünscht wohl das gesamte Judentum einem seiner Würdigsten noch weitere Freude und Anerkennung für sein Lebenswerk. Dr. H. Herz. Josef Grobs Schriftstellerjubiläum. Samstag, den 17. d. M., 8 Uhr abends, veranstalteten einige Freunde des beliebten jüdischen Schriftstellers Kantor Josef Grob anläßlich seines 25jährigen Schriftstellerjubiläums im Restaurant A. Barschak eine zwanglose Zusammenkunft, deren überaus guter Besuch von der außerordentlichen Beliebtheit des Jubilars Zeugnis gab. Als erster Redner begrüßte Prof. Menkes die zahlreich erschienenen Familienmitglieder und Freunde des Jubilars; hierauf brachte er eine Anzahl hochinteressanter Glückwunschschreiben zur Verlesung und teilte mit, daß infolge ihres Trauerjahres die Herren Rabbiner Dr. Max G r u n w a 1 d und Präsident des österreichischen Kantorenvereines Oberkantor I, L ö w i t nicht erscheinen kennten. Namens des Festkomitees hielt sodann Dr. Schmer- 1 e r eine überaus geistvolle Ansprache, in welcher er Josef Grob als guten Menschen, aufrechten Juden und vortrefflichen Schriftsteller feierte. Oberkantcr I. Müller überbrachte die Glückwünsche des österreichischen Kantorenvereines und charakterisierte in seiner Rede in ausgezeichneter Weise den Zusammenhang zwischen den beiden verschiedenartigen Berufen des Jubilars. Es sprachen noch der hebräische Schriftsteller Silberbusch, Chefredakteur Ludwig H i r s c h f e 1 d für die jüdische Wochenschrift „Die Wahrh e i t", zu deren beliebten Mitarbeitern Josef Grob seit Jahren zählt, sowie die Redakteure Kende und Sche.neTm a n n. Als letzter Redner ergriff der Obmann des Festkomitees Prof. Menkes nochmals das Wort und schilderte in vortrefflicher Weise das Schicksal eines jüdischen Schriftstellers. Nun erhob sich, stürmisch begrüßt, Josef Grob, um für die zahlreichen Sympathiekundgebungen' zu danken. Er dankte jedem einzelnen Redner und allen Gästen gemeinsam, deren Erscheinen er als einen Beweis wahrhafter Sympathie zu würdigen wisse, und sprach den Wunsch aus, daß bei seinem nächsten Jubiläum, wenn er die Häupter seiner Lieben zählen werde, kein teures Haupt fehlen möge. Er gab hierauf zur großen Freude der Anwesenden einige seiner gelungenen Humoresken zum besten. Oberkantor G. M a rg u 1 i e s brachte mit bewährter künstlerischer Vollendung ein jüdisches Volkslied zum Vortrage, das wahre Stürme von Begeisterung auslöste, ruhriftinft Frieilaitfer i Iiitsi Iii Uli ■ Irl II r WMIIMM Tal. 68-1^28 XI-, Zentralfried hol, neben dem 1. Tor, Tel.98-0-85 Israelitischer Tempel- und Schutverein Favoriten. In der am 4. März 1928 stattgefundenen Konstituierung des Vorstandes obigen Vereines wurden gewählt zum: Obmanne Herr Max B e r g e r, zum I. Obmannstellvertreter Herr Leopold Grünspan, zum II. Obmannstellvertreter Herr Leopold Drill, zum Schriftführer Herr Adolf S p i r a, zum Schriftführerstellvertreter Herr Gustav Fuchs, ■ zum Kassaverwahrer Herr Benjamin Scher, zum Kassaverwahrer- Stellvertreter Herr Simon Steiner und zu Schul- und Bethausverwalter die Herren Sigmund Eisenstädter, Michael Halpern, Johann Kafowi, Adolf Plaschkes, Michael Raab, Alfred Schweiger, Heinrich Weiss und Mor Weisz. Verein zur Ausspeisung armer israelirischer Schulkinder für den XVI. und XVII. Bezirk. Donnerstag, den 15. März, fand die diesjährige ordentliche Generalversammlung obgenannten Vereines statt. Der Präsident, Herr Direktor Benno Kahane, begrüßte die Anwesenden, insbesondere den Vertreter der israelitischen Kuiltusgemeinde, Herrn Medizinalrat Dr. Jakob Deutsch, das Ehrenmitglied Rabbiner Dr. I. M. Bach, den Obmann des BethausvorStandes Herrn Sigmund Weiler und die Vertreter der Wohltätigkeitsvereine. Nach warmen Gedenkworten für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder erstattete der verdienstvolle Kassier Herr Leopold Löwinger den Rechenschaftsbericht, welcher einstimmig zur Kenntnis genommen wurde. Dem Vorstande wurde dann, gemäß Antrag des Revisors Herrn Robert Beck das Absolutorium erteilt. Herr Kultusvorsteher Dr. Deutsch sprach der Vereiinsleitung im Namen des Präsidiums der KultusgemieLmdie für die mustergültige Führung den Dank und die besondere Anerkennung aus. Sr. Ehrwürden Herr Rabbiner Dr. Bach hielt an die Versammlung eine eindrucksvolle Ansprache, in der er die großen Leistungen des Vereines lobend erwähnte und auch wertvolle Anregungen gab, die Einkünfte des Vereines zu erhöhen. Hierauf erstattete der Obmann der Ausspeisungssektion Herr Emanuel D o n a t einen sehr sachlichen Bericht über die Tätigkeit des Vereines und bemerkte besonders, daß der Verein, dank der Opferwilligkeit der Mitglieder und Gönner, in der Lage war, täglich 100 Kinder und 20 erwerbsunfähige Erwachsene zu verköstigen. Der Redner dankte dem Vorstande und allen Mitgliedern für die tatkräftige Unterstützung und hob besonders die großen Verdienste der beiden Vorstandsdamen Charlotte W eg 1 er und Regina Ungvary hervor. Das durch seine langjährige Tätigkeit verdienstvolle Vorstandsmitglied Herr Alexander G o 1 d b 1 a 11 wurde unter allgemeinem Beifall zum Ehrenmitglied ernannt. Bei der nun vorgenommenen Wahl wurden die turnusmäßig ausscheidenden Vorstandsmitglieder per Akklamation wiedergewählt. Der humanitäre Verein ..Greisenschutz" (vormals „Hn nor') zur Bekleidung und Unterstützung armer israelitischer Greise und Greisinnen, Wien XVI., Hubergasse 8, feierte am 7. März 1928 sein 40jähriges Gründungsfest in Gschwandtners Sälen. In einem Schreiben aus der Kanzlei des Bundespräsidenten Dr. H a i n i s c h wurde dem Vereine hohe Anerkennung gezollt und weiteres Gedeihen gewünscht. Im gleichen Sinne war ein Schreiben des Präsidenten der Wiener Kultusgemeinde Prof. Dr. Pick und des Vizepräsidenten Doktor Ornstein gehalten. Der Vereinspräsident Herr Gottlieb Dt ab hielt die Eröffnungsrede und begrüßte unter anderen: Herrn Rabbiner Prof. Dr. J. M. Bach, Kultusvorsteher Med.- Rat Dr. Jakob Deutsch, Nationalrat Z e 1 e n k a, Bezirksvorsteher Heidi, die Gemeinderäte Schneider und W i m m e r und die Bezirksräte Dr. Alois H a u s e r und Steiner; ferner die Herren Leopold Sitzmann und Siegmund Weiler, die Vertreter der Kinderfreunde mit dem Obmanne Ober-Vet.-Rat Rosenzweig an der Spitze, die Vertreter des Ausspeisungsvereines, die unter Führung des Obmannstellvertreters Herrn Sam. Deutsch erschienen waren, und die anwesenden Gründer des Vereines. In gedankenreicher Rede schildert hierauf Rabbiner Dr. J. M. Bach den Werdegang des Vereines. Für Greise zu sorgen, ist reine Menschenliebe. Möge der „Greisenschutz", so schloß der Redner unter starkem Beifall,, seine