Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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Ölfi WAHRHEIT llilililililiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiMiiiiiiiim §ejte j { tVctktheiimvcin/acfc Der Arierparagraph im Oesterreichischen Skiverein. Der Oesterr ei einsehe S k i v e r e i n hielt vor kurzem seine Generalversammlung ab. Durch die Ränke dies bisherigen Präsidenten Dr. Klein- Doppler wurden im Laufe des letzten Jahres eine Menge von Hakenkreuzjungen als „Akademische S e k t i o n" in den Verein eingeschmuggelt, und mit diesen Herschaften gelang es dem Klein- Doppler, wie wir seinerzeit gemeldet haben, auch den Arierparagraphen im Verein durchzudrücken. Die große Zahl d;er alten Mitglieder hatte natürlich nicht die Absicht, die Politik der Windjacken jungen mitzumachen, und stellte in der Generalversammlung den Antrag, den Beschluß zu widerrufen. Dieser Antrag wurde nach längerer Debatte, mit den Stimmen der Hakenkreuzler, a tage 1 e h n t, hingegen b e s c h 1 o s s >s n, aus dem AI 1gemeinen Skiverband auszutreten und sich dem arischen Oesterreichischen Skiverband anzuschließen. Hoffentlich nehmen sich diie Hakenkreuzler auch den famosen Klein- Doppler mit. Die Generalversammlung fand im Vortragssaal der Politischen Gesellschaft statt Es ist auffallend, daß der Präsident der Politischen Gesellschaft, der ehemalige Ministerpräsident Dr. Max.Wladimir von Beck, der auch dem Ehrenausschuß des österreichischen Pro¬ Palästina-Komitees augehört, den Saal für einen antisemitischen Zweck hergab. Gemeinsame Interessen! Der Präsident des American Jewish Committee', Louis M a r s h a 11, wurde von dem Sekretär des „Hebrew Democratic Club" gebeten, seine Ansicht darüber zu äußern, ob er die Anwendung des Wortes „Hebrew" in Verbindung mit einer politischen Organisation für richtig erachte. Herr Marshall hat in einem ausführlichen Brief an den Sekretär des betreffenden Klubs seine Stellungnahme niedergelegt, von der wir einige Auszüge in UebeTsetzung veröffentlichen. „. . . . Nach meiner Ansicht ist nichts widerwärtiger als diese Praxis. Sie ist u n würdig, unamerikanisch, unjüdisch. In dem Lande, in dem eine Trennung von Kirche und Staat besteht, in dem Gewissensfreiheit durch Staats¬ und Bundesverfassung gewährleistet ist, in dem jeder Bürger unbefragt seinen religiösen Glauben ausüben kann, in dem alle ein Volk sind, einen politischen Klub als hebräisch, jüdisch, deutsch, irisch oder italienisch zu bezeichnen, zeugt von schlechtem Geschmack ... Ich billige politische Klubs, ob sie republikanisch, demokratisch oder parteilos sind, vorausgesetzt, daß sie sich mit ernstem politischen Studium befassen. Aber wenn solch ein Klub entweder „Hebrew Democratiic Club" oder „Hebrew RepubMcan Club" genannt wird, dann wird sofort der Eindruck entstehen, daß die in dem Klub vereinigten Menschen durch irgendwelche dunklen Gründe zur Errichtung dieses Klubs vdrartlaßt wurden und nicht durch hohe Ziele, die zur Gründung einer solchen Organisation führen sollten, Nichtjuden werden sofort Verdacht gegen eine solche Organisation schöpfen und die Achtung vor ihren Mitgliedern verlieren . . . Wir Juden haben ganz besonders die Pflicht, in öffentlichen Angelegenheiten eine würdige Haltung einzunehmen — nicht unseren Namen herabzusetzen, nicht zuzulassen, daß er durch den Schmutz der Politik gezogen wird... Warum sollten wir Juden irgendwelchen Anlaß geben zu dem Schluß, daß wir Privatinteressen verfolgen, daß unsere Politik einen egoistischen Beigeschmack habe, und warum sollten wir, die wir in der Vergangenheit so viel unter unserem Glauben zu leiden hatten, auch nur den Verdacht aufkommen lassen, als ob wir Politik unter der Flagge des Separatismus treiben würden. Wir bekämpfen den Ku Klux Klan, wir bekämpfen den A. P. A. und die Unwissenden, aber wir ahmen sie nach, wenn wir uns selbst „Hebrew Democrats" und „Hebrew Republicans" und „Hebrew" so und „Hebrew" so bezeichnen. Ich bin verschiedentlich von prominenten Persönlichkeiten, die im politischen Leben stehen, gefragt worden, was man tun körnte, um die „hebräischen Stimmen" zu vermehren. Ich habe ihnen stets erklärt, daß es keine „hebräischen" Stimmen gibt, daß wir amerikanische Staatsbürger sind, und daß wir die-Grunds ätze de reinen oder anderen Partei annehmen, die nach unserer Ansicht am besten für das Wohl des Landes eintritt . . . Ich spreche vielleicht leidenschaftlicher, als es nötig ist aber ich betrachte dies als eine Sache von grundsätzlicher Bedeutung. Ich werde hierzu gedrängt durch Ihren Briefkopf, auf dem ich lese „Hebräischer Demokratischer Klub von X. zum Nutzen der hebräischen Bürger von X." Kann etwas mehr zu verwerfen sein als solch ein Ausdruck? Was unterscheidet das Interesse der hebräischen Bürger von X. von dem Intereisse aller jüdischen, katholischen oder protestanttischen Bürger \on X . . Eine Friedenserklärung des Berliner Gemeinde Vorstandes. Der Vorstand der Berliner Jüdischen Gemeinde veröffentlicht auf Grund eines einstimmig gefaßten Beschlusses folgenden Aufruf: „Im Dezember vorigen Jahres hat der neue Gemeindevorstand sein Amt angetreten. Wohl nie zuvor >st dies unter gleich schwierigen Bedingungen geschehen. Schon durch das lange Ausbleiben der Bestätigung der Repräsentantenwahlen mußten die Verwaltungsaufgaben leiden: die darauf folgenden Erörterungen in der Oeffentlichkeit haben die Erregung in der Gemeinde noch nicht zur Ruhe kommen lassen. Zu alledem kommt die schwere, wirtschaftliche Not. die auch für unsere Gemeinde den Gegenstand ernster Sorge bilden muß. Der Gemeindevorstand hat den festen Willen, möglichst schnell die Verwaltung wieder in normale Bahnen zu leiten, durch ruhige, sachliche, dem Ganzen dienende Arbeit, die jeder religiösen Richtung in der Gemeinde ihr Recht läßt, den Notwendigkeiten der Stunde gerecht zu werden und die Gemeinde aus dem Kampfe der Parteileidenschaften heraus wieder zur Ruhe und zum Frieden zu bringen. Deshalb wendet sich der Gemeindevorstand an alle Mitglieder der Gemeinde mit dem dringenden Appell, beizutragen zur endlichen Befriedigung der Gemeinde und zur Schaffung einer Atmosphäre, in dar allein gedeihliche Arbeit geleistet werden kann. Es gilt, in einer Zeit, in der der deutsche Jude-schwere Kämpfe zu bestehen hat, nicht die eigene Kraft durch inneren Zwist und unsachliche Angriffe zu untergraben. Die Einheit der Gemeinde muß unter allen Umständen erhalten werden." Die herbe Kritik, die die Maßnahmen des-Berliner Gemeindevorstandes, bzw. der iii ihm herrschenden zionistischen Blockmehrheit in der üeffentlichkeiit erfahren mußten, hat nunmehr den vorstehend veröffentlichten Aufruf veranlaßt. Hoffentlich werden den Wo rt e n auch entsprechende Taten folgen, denn darüber dürfte Die bestell PIAZZOfH und GRIESS Dr"Ü 'JTVßBB ' ind die aus der renommierten Mazzoth-Bäckerei g H. STRUM | S 2- Bezirk, Rotensterngasse 11 5 J Telephon 70-6-75 ■ ■ Unter Aufsicht des ehrwürdigen Rabbinats ■ ■ der Israelitischen Kultusgemeinde Wien mit * 2 neuen, eigenen patentierten Maschinen er- ■ ■ zeugt, entsprechen Strom-Mazzoth allen ■ ■ hygienischen und rituellen Anforderungen. Jj 5 Verlangen Sie daher überall nur die ■ ■ feinen, dünnen, guten Stram-Mazzoth ■ ■ und Griefl " »■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■mS