Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 12 (23.3.1928)
- Date
- 1928-03-23
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 ' 'liimiHiiiUM^.......iiiiiiiiiiiiiüiii? oi£ W AH RHEI1 Zahl der jüdischen Führer dieser Partei überschätzt haben, manche als Juden bezeichneten, die es nie waren, z. B. Eldersch, Frau Adelheid Popp, oder dem Judentum schon lange den Rücken gekehrt haben, und auch manche ihrer hervorragendsten Führer christlicher Herkunft nicht genannt haben; warum erwähnten Sie nicht z. B. den tatkräftigen Bürgermeister von Wien, Seitz, warum nannten Sie nicht den ehemaligen Staatskanzler Renner, den Vizepräsidenten des Stadtschulrates von Wien, Olöckel, u. a. m., oder sind dies auch Männer, die nicht selbst denken und selbst tätig sind und sich gefügig der Kontrolle dritter Personen unterwerfen? Schließlich, verehrter Herr Landeshauptmann, Sie werfen uns vor, daß uns „ein instinktives Gefühl internationaler Zusammengehörigkeit beseelt". Diese Phrase ist bisher nur in antisemitischem Munde viel mißbraucht worden. Ihnen aber müssen wir antworten, daß uns diese „internationale Zusammengehörigkeit" dann beherrscht, wenn Juden ungerecht behandelt werden, weil sie eben . Juden sind, wie z. B. im Falle D r e y f u s. Eine solche „internationale Zusammengehörigkeit" verbindet uns aber auch mit allen gerecht und edel denkenden Christen, und lassen Sie uns hoffen, auch mit Ihnen, und gerade die erlesensten Geister christlicher Konfession, wie Zola, Waldeck-Rousseau, Clemenceau, Picquard u. a. sind opfervoll für Dreyfus4 Unschuld eingestanden. Und als der Jude B e i 1 i s und der Jude H i 1« n e r unter einer Beschuldigung vor Gericht gezerrt wurden, die die erleuchtetsten Päpste und die Hervorragendsten nicht nur unter den Juden als eine niederträchtige Verleumdung und Erfindung böswilliger Menschen gebrandmarkt hatten, da mußte selbstverständlich der „internationalen Zusammengehörigkeit" des Antisemitismus, somit der gemeinen Lüge die „internationale Zusammengehörigkeit" der Wahrheit entgegentreten, die, Gott sei Dank, nicht nur jüdisch ist. Und als die Pogrome, deren Schilderung im Schwarzbar d-P r o z e s s e das Blut gerinnen machte, jung und alt, Mann und Weib erbarmungslos an das Schlachtmesser des durch antisemitische Roheit vertierten Mobs lieferten, sollten da wir Juden schweigen, nur deshalb, weil unser aller Klagen als -Beweis unserer „internationalen Zusammengehörigkeit" gedeutet werden könnten? Die französischen Geschworenen, unter denen sich wohl kein Jude befand und die unter dem Eindrucke der grauenvollen Schilderungen den Mörder des schuldigen Heerführers freisprachen, wollen wir zu ihrer Ehre einreihen in die „internationale Zusammengehörigkeit" aller Gerechten. Ich mußte Ihnen, geehrter Herr Landeshauptmann, all dies hier öffentlich sagen, weil es nicht anging, daß Aeußerungen eines Mannes in Ihrer Stellung, die so viel Unrichtigkeiten enthalten, ohne eine Richtigstellung geblieben wären. Ich will hoffen, daß Sie von dieser Erwiderung entsprechend Kenntnis nehmen werden, und verbleibe in besonderer Hochachtung Dr. Jakob O r n s t e i n, Präsident der „Union deutsch- Österreichischer Juden". Der Bund jüdischer Frontsoldaten der ehemaligen österreichisch-ungarischen Armee zu Leipzig im Verbände der „Union deu t s c h ö s t e r r eich i s c he r. J.u.d en" in Wien hielt am 12. d. M. eine selir stark besuchte Mitgliederversammlung ab,; bei der der erste Vorsitzende Herr Hugo F e c h n e r folgenden interessantem T äti g k ei t sberieht erstattete: „Versammlungen haben' wir in diesem Jahre nicht abgehalten, teils weil keine dringende Notwendigkeit vorlag, teils um unsere Mitglieder für aktive Zwecke freizuhalten; trotzdem war der Vorstand mit den in Betracht kommenden Stellen ständig in Kontakt, über alle Vorkommnisse genau unterrichtet und beteiligte sich teils durch Mitglieder, teils durch Vorstandsdelegierte bei allen Veranstaltungen und erforderlichen Aktionen. Meinem Antrag auf Vereinigung des Bundes mit dem Landesverbände Sachsen-Thüringen de s R ei c h s b u n d ie s j ü d ischer Frontsoldaten, mit welchem sich auch die Bunde-sleitung des „R. j. F." in Berlin befaßte, wurde erfreulicherweise stattgegeben; wir bilden jetzt eine Arbeitsgemeinschaft der Art, daß unsere Delegierten und umgekehrt gleichberechtigte, stimmfähige Mitglieder im Landesverbände geworden sind. Mit diem Reichsbanner .Schwarz- Rot-Gold stehen wir im besten Einvernehmen, unterstützen uns gegenseitig wo notwendig und haben auch an der Verfassungsfeier offiziell teilgenommen. Ebenso sind wir Mitglied des Volksbundes deutscher Kriegsgräberfür sorge, bei dessen Gedenkfeier am 20. November v. J. in der Nikolaikirche unser Bund durch Delegierte offiziell vertreten war. Das gleiche kameradschaftliche Verhältnis besteht mit der Interessengemeinschaft Leipziger K. a m e r a d s c h a f t s v e r e i n i g u n g e n. Auf einen weiteren Antrag meinerseits, welchem vom Vorstand beigepflichtet wurde, habe ich mit der Union deutschester reich ischer Juden in Wien Varhandlungen betreffend korporativen Eintrittes eingeleitet, welche erfreulicherweise auch zur Einigung und Aufnahme führten, so daß der Bund heute Mitglied der „Union" einerseits ist, anderseits als Ortsgruppe der „Union" in Deutschland figuriert. Wir haben dadurch auch die so notwendige Anlehnung an unser Heimatland gefunden, um so mehr, als die Tendenz der „Union" die gleiche wie die des Zentralvereines in Berlin ist. Die Gedenk fei er für unsere Gefallenen haben wir am 16. November v. .1. gemeinsam mit dem „R. ä. F." in der Gemeindesynagoge abgehalten, welche einen sehr erhebenden Eindruck! hinterließ, anderseits wieder Zeugnis unseres guten Einvernehmens mit der israelitischen Religion «gemeinde ablegte. Bei den jetzt stattgefundenen Gemeinde verordnete n- Wahlen hat die Gemeindia uns das Hausrecht in allen Gemeindelökalen übertragen und wurde der Schutz- und Ordnungsdienst von dein Mitgliedern beider Frontbünde versehen. In gleicher Weise sind andere jüdische Organisationen an uns wiederholt um Saal- und anderen Schutz herangetreten, welchen wir immer ohne Unterschied der Parteirichtung gewährt haben. Weiters habe ich einen Werbeartikel '(siehe „Wahrheit" Nr. 50, 1927) erscheinen lassen, welcher die Gründung von Ortsgruppen im deutschen Reich bezweckt und worauf bereits Anmeldungen erfolgt sind." ^MnMHMMHM^M^BH^HHaMI^M^WMM^H^MHL „UNION DEUTSCHÖSTERREICHISCHER JUDEN" Ortsgruppe Floridsdorf. FCinlacl uo<r zu der am Montag, den 26. März 1928. präzise &8 Uhr abends, im Hotel „Goldener Engel", XXI., Am Spitz 3, stattfindenden j Ortsgruppen Versammlung Tagesordnung: Aktuelles aus der Wiener Kultusgemeinde. Referate erstattet vom Vizepräsidenten der Kultusgemeinde Dr. Jakob Ornstein und Kultusvorsteher Emil Engel. Anschließend Diskussion. Von Mitgliedern eingeführte Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen. „Union deutschösterreichischer Juden": Präsident J. Ornstein. Ortsgruppe Floridsdorf der „Union": Obmann Dr. Julius G r ü n w a 1 d.