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Die Wahrheit · 1928-03-23 · Heft 12 (23.3.1928) · page 7

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 7)
Language
German
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DIE WAttKHEM ::llllllll!llili!!llllilllllllllllilllllllllil!H^ Seite 7 geistvolle Ingenieur auf. Kongressen die nationalökonomische Wertung des Transportes von Wassergütern auf dem Wasserwege. Seine Hauptsorge lag aber darin, daß die Ersparnisse bei der Talfahrt durch die erheblichen Mehrkosten der Bergfahrt auf Flüssen mit starkem Gefälle aufgehoben werden könnten. „Die volle Ertragfähigkeit der Binnenschiffahrt wird erst dann erreicht werden, wenn es gelingt, das Gefälle der Flüsse zur Erzeugung jener Kräfte auszunützen, welche erforderlich sind, um die Widerstände der Bergfahrt zu überwinden." Um dieses Ideal zu erreichen, sollte die Erzeugung von elektrischem Strom bei den Staustufen und die Zuführung desselben zu den Schiffen mittels Leitungen längs der Fahrrinne erfolgen, ähnlich wie dies heute bei den Automobilen mit elektrischer Oberleitung geschieht. Plötzlich versiegten die Mittel zum Weiterbau, die Gelder wurden, insbesondere die des Staates, anderwärts dringend benötigt, die Vorarbeiten zum Donaukanal eingestellt. Schon vorher hatte man Taussig wohl nicht ohne politischen Hintergrund seiner Tätigkeit bei der Donauregulierungskommission enthoben und als Hafenbaudirektor in Wien kaltgestellt. Mit dem Gefühle, daß sein Lebenswerk unvollendet bleiben würde, trat der unermüdliche Arbeiter, der geniale Wassertechniker, der herzensgute Mensch in seinen inneren Ruhestand, um wenige Jahre darauf als gebrochener Mann in geistiger Umnachtung vom Tode (in Baden bei Wien, 22. Dezember 1910) erlöst zu werden. Geboren 11. März 1.840 in Trebitsch (Mähren), als der Sohn des bedürftigen Handelsmannes Abraham Taussig und seiner Gattin Lea, Schwester des bekannten 1848er Kämpfers und Präses des Oktober-Studenten-Komitees, Med. Dr. Moritz Habrovsky (promoviert Jänner 1849), absolvierte Siegmund Taussig die dortige jüdische Privat- und Hauptschule, sodann die Realschule in Brünn, das Polytechnikum in Wien und Brünn, um 1856 in den niederösterreichischen Statthaltereidienst, 1869 in jenen der Donaurcgulierungskommission zu treten und in harter Beamtenlaufbahn von Stufe zu Stufe langsam vorzuschreiten. Gegen seine Kollegen sehr liebenswürdig, ungemein streng im Dienste, hat unter seiner Leitung eine Reihe der befähigsten Ingenieure gearbeitet. Taussig besaß eben eine immense Arbeitskraft, er befolgte leider das Prinzip, alles seibst durchzuarbeiten, und hat sich dabei sicherlich überarbeitet. Taussig war auch lange Jahre eifriges Vorstandsmitglied der Wiener Israelitischen Kultusgemeinde, der Israelitischen Allianz und vieler humanitärer Vereine. Nicht nur dem Mimen flicht die Nachwelt keine Kränze. Hofrat Dr. Michael Holzmann, Oberbibl. d. Univ.-Bibl. i. R. HIIIOSTERREICHS GROSSTE PHOTOFIRMA |||] PHOTO WEITZMANN Laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners SIMON SCHREIBER aus Erlau Verla Olicb Koscher in Friedensqualität erzeugt von HEINRICH FRANCK SÖHNE A. G. Kaffeemittelfabrik, Linz a. d. D. bei jede m auf nrn a m n zu haben? fSibi WIEN II., PRATERSTR. 9 II., TABORSTR. 36 UN D~ ZAHLREICHE FILIALEN IUI Schia Schaswin, ein Vor^ gänger Schwarzbards. In unsagbarer Erschütterung vernahm der Teil der menschlichen Gesellschaft, der noch au Sittlichkeit und Religion orientiert ist, in den Tagen des Sehwarzbard-Prozesses zu Paris Kunde von der endlosen Reihe der Scheußlichkeiten, die der am 25. Mai 192b von Sehalom Sehwarzbard crychcsseue frühere Gouverneur der Ukraine, Petljuru, während der Zeit der Kämpfe der roten und weißen Truppen in Rußland heraufbeschworen hat. Wem stockte nicht das Herz in Gram und grimmer. Verzweiflung, als er die Summe der Greueltaten sich vor Augen halten mußte, die unbarmherzig und ungehindert noch in einem Zeitalter geschehen konnten, das sich anmaßend-anspruchsvoll das christliche zu nennen pflegt? Wen wäre nicht glühende Scham angekommen, so etwas wie ein Mensch zu sein, da es möglich war, daß Wesen, die auch den Namen und die Würde eines Menschen für sich fordern, hunderttausende von Unglücklichen auf die unerhörteste Art hinschlachten konnten, ohne daß das Gewissen der ganzen sittlichen Welt flammenden Protest dawider erhob und den Untergang dieser Verfolgten, deren Schuldlosigkeit die einzige Schuld ihres Daseins war, zu verhindern vermochte? Und so war es denn wohl auch nichts wie der Ausdruck einer Scham größten Stiles, wenn der Pariser Assisen-Gerichtshof die Rache Schwarzbards an Petljura für all das Entsetzliche, das dieser in den Pogrom-Tagen von 1919 an den Juden der Ukraine verschuldete, straflos ausgehen ließ. Gewiß, Mord bleibt in alle Ewigkeit Mord und darum eine Wertwidrigkeit, die eine schon irgendwie verschuldete nicht dadurch aufhebt, daß man "ihr eine neue hinzufügt. Aber wer hätte nicht uneingeschränktes Verständnis für die Leiden eines Menschen, der dazu verdammt war, mit eigenen Augen die Ermordung seiner Eltern und die von tausenden seiner Volksgenossen mitansehen zu müssen: wer könnte von sich mit vollkommener Sicherheit sagen, er würde inmitten der Wirrnis solchen Elends stets so ruhigen Geistes bleiben, daß er nie handelte wie der Jude Schalom Sehwarzbard am 25. Mai 1926 handelte? Zweifellos: es war die in der Tiefe des Menschheitsgewissens doch noch geheim vorhandene Ueberzeugung sittlicher Solidarität, das Gefühl einer absoluten Mitverantwortlichkeit am Ablaufe jedes einzelnen geschichtlichen Ge-

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