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Die Wahrheit · 1928-03-23 · Heft 12 (23.3.1928) · page 6

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 6)
Language
German
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Seite ö i!iiiiii!inii!iii!iüiiii!iiiiiliiii!ii!ii!ü Dj£ wAHRHEU lerische Herrschaft an der Wiener Universität allmählich das Ansehen untergräbt, das diese Hochschule einst in so reichem Maße besaß. Wer hätte es noch vor einem Jahrzehnt für denkbar gehalten, daß ein Schriftsteller von Namen und Rang in einem Blatte wie das „Berliner T ageblatt", das sicherlich über den Verdacht des Uebelwollens gegen Oesterreich erhaben ist, eine Betrachtung über die Wiener Universität veröffentlichen kann, die sicherlich auch die kleinste deutsche Universität als eine schmähliche Erniedrigung zurückweisen würde. Da wird von Professoren gesprochen, „die es weniger ihrem Wissen als ihrer „Gesinnung" zu danken haben, daß sie es sind". Viel rühmlicher klingt es auch nicht, wenn man liest: „Die paar Gelehrte dieser einst berühmten Universität suchte ich in ihren Vorlesungen auf. Sie lesen für sich selber, denn ihr Auditorium besteht aus zwei bis drei jungen Leuten, die weither kamen, weiter her als aus Innsbruck oder Bregenz". Als eine Spezialität dieser Universität wird die „christliche Nationalökonomie", die an ihr gelehrt wird, hervorgehoben, eine Spezialität, „die sich überall im Lande des Bundes sehen lassen kann, wenn auch sonst nirgends". Diese Mischung von Mitleid und Hohn wird in einem Blatte aufgetischt, das sonst bei jeder Gelegenheit seinen warmen Sympathien für Oesterreich Ausdruck gibt. So spricht man von der Universität, zu der einst wißbegierige Jünglinge in Scharen strömten, um den Lehren von Professoren zu lauschen, deren Ruhm die Welt erfüllte. * * * Der ungarische Ministerpräsident hat anläßlich der Beratung über die Numerus-clausus-Vorlage eine hohe Genugtuung erfahren. Einer seiner entschiedensten politischen Gegner, der reformierte Bischof Desider Balthasar hat einem Träger des Namens Bethlen öffentlich seine Huldigung dargebracht. Der beredte Bischof führte nämlich in seiner vernichtenden Kritik dieser Regierungsvorlage aus, daß er diese als eine Verhöhnung von Humanität und Recht brandmarken wolle, damit die Welt wisse, daß noch Männer in Ungarn sind, die in Fragen des traditionellen Liberalismus keinen Schacher kennen, die dem Beispiele jener Großen folgen, unter denen Namen wie Kossuth, Deak. Gabriel, Bethlen usw. usw. leuchten. Man kann sich denken, wie geschmeichelt sich Graf Stephan Bethlen durch die verehrungsvolle Aufzählung dieser Namensliste fühlte. * * * Der Kampf um den neuen Numerus clausus, der dem alten wie ein faules Ei dem anderen ähnlich sieht, ist nun zu Ende. Die Regierung ist aus ihm beschämt, verhöhnt, von zahllosen, schlecht parierten Hieben niedergeschlagen, moralisch beschmutzt, aber numerisch siegreich hervorgegangen. Der Unterrichtsminister Klebelsberg, an dessen Namen dieser gelbe antisemitische Fleck kleben bleiben wird, kann nun wieder den Mund voll mit wohlklingenden Phrasen von Kultur und. Fortschritt nehmen. Er hat auch bereits angekündigt, daß er nunmehr mit aller Energie Modeauswüchsen in den Lehranstalten entgegentreten werde. Vorläufig will er den Schülerinnen das Tragen von Uniformen — Matrosenkleider — als Norm vorschreiben. Vielleicht kommt er auch später einmal dazu, Vorschriften gegen die an den ungarischen Universitäten Mode gewordene Mißhandlung jüdischer Studenten zu erlassen. Aber das Wichtigste kommt zuerst: Matrosenkleider für die Mittelschulbesucherinnen. ____ Ego. Verschollene und Vergessene. Siegmund Taussig. Aus dem in Vorbereitung befindlichen Buche „Verschollene und Vergessene. Nach den Quellen bearbeitet von Dr. M. H." Von Zeit zu Zeit taucht das Projekt des Rhein— Main—Donauschiffahrtsweges, einer Verbindung der Nordsee mit dem Schwarzen Meere, auf. Dieser Plan ist Jahrhunderte alt, doch nur einmal war er fast an seiner Verwirklichung. Als ein Torso, sollte er im Vereine mit anderen Entwürfen zu den großen Wasserstraßen (Donau—Moldaukanal, Donau— Oderkanal und dessen Verbindung mit der Oberen Elbe) an der Neige des vorigen Jahrhunderts ausgeführt werden. Im Mittelpunkte des ungeheuren Bauprogrammes stand die Anlage von Hafen- und Uferbauten in Wien, welches die Hauptumschlagstelle des ganzen Wasserwerkes werden sollte. Die Pläne zu diesen Arbeiten wurden durch einen einfachen Ingenieur Siegmund Taussig entworfen. Eine internationale Enquete, zu deren Mitgliedern Männer wie Giardon, Lindley und andere hervorragende Fachleute gehörten, überprüfte die Vorarbeiten, und ungeteiltes Lob lohnte den genialen Schöpfer der Pläne, der sofort mit der Durchführung derselben betraut wurde. Die drei Kurien (Staat. Land und Stadt Wien) bewilligten die erforderlichen Mittel, und die Ausführung der Arbeiten nahm ihren Anfang. Zunächst galt es, den Donaukanal mit seinem höchst variablen Wasserstand in einen zu allen Jahreszeiten benützbaren Schiffahrtskanal umzuwandeln. So entstand das mächtige Wehr bei Nußdorf, welches gleichzeitig die Rolle des historisch berühmten Engerthschen Sperrschiffes als Eisschutz wie auch als Niveau-Regulator zu übernehmen hatte. Etwas stromabwärts wurde die schiffbare Verbindung mit dem Donaukanale durch eine Kammerschleuse hergestellt. Eine zweite Kammerschleuse entstand unterhalb der Wiener Augartenbrücke. Der Bau von Kaimauern wurde begonnen, der Wienfluß reguliert und seine Mündung dem Kanalprojekt angepaßt. Durch die Hauptsammeikanäle wurde der Hauptkanal von Abwässern befreit. Unermüdlich propagierte der JAC. MAVER Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Ef2£<em« l*laQableilunä Zentrale: Wien II., GIOCkefigaSSQ 24 Tel. 48-4-79 Für Kullusbeamte und VerelnsffunkllonSre gegen Legitimation 10% NachiaB 1

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