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Die Wahrheit · 1928-03-23 · Heft 12 (23.3.1928) · page 3

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 3)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iii'iiiiiiuiiiiiiiHiiniiiiiuiiiJiiuuiiuiiiiiimiiiiiiiiimiuiiiiii UIIUUUUllUIUmillllltlllllUlUUlM^ Seite 3 Schiller in hebräischem Gewände. Von Binjamin Sege 1. Das hatte er sich wohl kaum je träumen lassen, daß seine Lieder in der uralten Sprache des Judenvolkes erschallen würden. Wenn König David käme und die Sänger der Psalmen, wenn die Propheten Israels kämen, sie brauchten nicht erst Deutsch zu lernen, um den Dichter des Liedes an die Freude zu verstehen, denn das Herrlichste von dem, was er geschaffen, es würde ihnen in hebräischen Klängen entgegentönen. Wer einmal die Geschichte der modernen hebräischen Literatur, etwa seit der Mitte des 18. Jahrhunderts, schreiben wird, die in Deutschland ihren Anfang nimmt und sich in Polen fortsetzt, der wird den Uebersetzungen, besonders •denen aus dem -Deutschen, ein besonderes Kapitel widmen müssen, freilich weniger aus literarhistorischen als aus volkspsychologischen Gründen. Die Uebersetzungen, namentlich deutscher Dichterwerke, entsprangen nämlich nicht dem Bedürfnis, die Leser mit diesen Werken bekanntzumachen, denn das literarisch interessierte jüdische Publikum in ganz Osteuropa verstand fast durchweg Deutsch, las eifrig deutsche Bücher und brauchte nicht erst die guten Dienste der Uebersetzer abzuwarten, um sich die hervorragendsten Schöpfungen der deutschen Dichter anzueignen. - Die Uebersetzer hätten sich also die Mühe sparen können. Wenn sie dennoch soviel Geist, Formkunst und Fleiß auf diese immerhin wenig dankbare Arbeit verwandten, so geschah dies lediglich aus dem seelischen Drange heraus, das, was man vom Werk eines deutschen Dichters besonders liebte und bewunderte, in den Lauten der eigenen geliebten, der heiligen Sprache nochmals erklingen zu hören. Es war etwas ganz anderes, wenn man ein Gedicht in deutscher, und wenn man es in hebräischer Sprache hörte. Im ersteren Falle mochte man es noch so herrlich, wundervoll, ideal, unerreicht, ja „heilig" finden — es war doch immer etwas Fremdes. Richtiges geistiges Eigentum, ein Stück des eigenen Ich wurde es erst, wenn man es in hebräischer Sprache besaß. Uebersetzte man also •sin Gedicht ins Hebräische, so nahm man davon recht eigentlich Besitz, man bemächtigte sich seiner, es wurde dadurch sozusagen geweiht, es wurde „unser". Die Uebersetzer waren hier also keineswegs Vermittler fremder Gedanken, sie entsprachen vielmehr einem Bedürfnis nach geistigem Luxus, freilich einem Luxus von jener Art, auf die Voltaires Wort: „Le superflu — chose la plus necessaire" vorzüglich paßt. Schon im Jahre 1836 schrieb der nachher so berühmt gewordene Leipziger Professor Franz Delitzsch in seinem noch heute lesenswerten Buche: „Geschichte der jüdischen Poesie vom Abschluß der Heiligen Schriften bis auf die neueste Zeit" folgende merkwürdigen Worte: „Schiller wurde ihr (der heiligen Spruche nämlich) Ideal. Schiller, der noch heute der Lieblingsschriftsteller der jüdischen Ladendienerinnen in Oesterreich ist, dessen Don Carlos sie, wie nach ererbtem Geschmack, für ihr liebstes Drama erklären, weil er so sehr erhaben ist." Aus diesen Worten des pietistisch angehauchten, im übrigen feinsinnigen und kenntnisreichen Theologen klingt die Ironie und der Vorwurf nur zu deutlich heraus. Hätte er aber eine genauere Vorstellung von der ganzen Ausdehnung des Uebe'!s, sein Tadel wäre viel schärfer ausgefallen, und er könnte ihn heute noch mit demselben Nachdruck wiederholen. Seitdem die Kenntnis des Hochdeutschen sich unter Jen Juden Polens und Litauens, hauptsächlich dank der Mendelssohnschen Bibelübersetzung, ausbreitete, hielt auch Schiller unter ihnen seinen Einzug. Er eroberte sich hier den Boden nur sehr langsam, behauptet aber bis heute das |-'elcl. Seit den zwanziger Jahren des vorigen Jahrhunderts war er Jer Liebling des Ghettos. Schiller las man hier nicht: man studierte, man „lernte" ihn, man konnte ihn auswendig, man vertiefte sich in ihn, man „forschte in ihm", w ie man in den heiligen Schriften forschte, und man Ins auch in ihn tausenderlei Dinge hinein und aus ihm heraus. gi:n>; wie es mir den heiligen Schriften geschah. Schiller kannten Junge und Alte. Männer und Frauen; Jünglinge und Jungfrauen erbauten, begeisterten, berauschten, erzogen sich an ihm. Schiller war ihre heimliche Liebe, wenn sie hinter den mächtigen Talmudfolianten im Bethammidrasch saßen oder wenn sie hinter Jer Kaufmannslade standen: er war ihr Freund und Tröster, wenn sie nachher draußen im Leben von feindlichen Gewalten bedrängt wurden. Er ward „unser Schiller". Endlich mußten sie anfangen, ihn zu Übersetzer. Kein deutscher Dichter, geschweige denn ein ausländischer, wurde so viel und so oft ins Hebräische übersetzt wie Schiller. Es ließe sich bequem aus den vorhandenen, überwiegend in Zeitschriften verstreuten Uebersetzungen eine hebräische Ausgabe nahezu aller bedeutenden Gedichte Schillers, besonders der zweiten und der dritten Periode, wie auch aller seiner Dramen, bis auf drei, endlich mancher seiner prosaischen Schriften veranstalten. Einzelne sind zwei- und dreimal übersetzt worden. Beinahe alle sind sie als wohlgelungen zu bezeichnen, aber es gibt darunter manche echte Perle der Uebersetzungskunst. Die nachfolgende Uebersicht ist vorwiegend nach dem Gedächtnis und gelegentlichen Notizen gemacht und beruht also nicht auf systematischen Untersuchungen: sie kann daher durchaus nicht den Anspruch erheben, erschöpfend zu sein. Das erste Gedicht von Schiller, welches ins Hebräische übersetzt wurde, dürfte wohl „An die Freude"' sein: der Den letzten Nachkommen Hamurabis, den Babylonierkönig S a m s u d i t a n, haben die Chittim vom Throne gestürzt (i. J. — 1926) und sich seiner nördlichen Provinz A k k a d bemächtigt Wegen Syrien führte Pharao Tutmosis mit den Chittim Krieg, der erst zu Zeiten seines Nachfolgers Ramses II. beendet war. Die Chittim blieben Sieger und behielten S v r i e n. Der diesbezüglich Friedensvertrag, abgeschlossen zwischen Ramses II. und Chetasar, König der Chittim befindet sich ebenfalls im Staatsarchiv zu Tel- "El-Amarna. Es ist dies der älteste, bis auf unsere Tage erhaltene internationale Friedensvertrag. Um das Jahr — 1490 bezeugt Josua in seinem Buche: „Daß der Chitti mitten in Israel wohnt" (Josua. Kap. 3, Vers 10; Kap. 9, Vers 1 und Kap. 11, Vers 3). Um das lahr — 1125 zieht der Assyrerkönig Tiglat P i 1 e s e r 1. gegen die Chittim. um sich den Weg zum Mittelländischen Meere zu bahnen. Um das Jahr — 1000 legt König Salomo den Chittim einen Arbeitstribut auf (Könige, Buch I. Kap. 9, Vers 20—21). Zu Zeiten J o r a m s, Königs von Israel, belagerte der syrische König von D a m a s c u s (i. J. — 850) die Stadt Schomrom (Samaria) im Lande Israel, zog jedoch ab, als er vernahm, daß die Chittim dem Volke Israel zu Hilfe eilen. Ein im Staatsarchiv zu Tel- El-Amarna befindliches Dokument ist vom ägyptischen Statthalter in Jerusalem (U r u s u 1 a j i m in ' ägyptischer Sprachweise), Namens A bdichepa, einem Chitti, verfaßt. - Somit mußten die Chittim sehr tüchtige und sehr verläßliche Leute gewesen sein, da wir sie in bevorzugten Stellungen im Staatsdienste ihrer Nachbarvölker finden. Salmanassar, König von Assyrien, der i. .1. — 721' dem Reiche Israel ein Ende machte, führte die Bevölkerung des eroberten Gebietes nach Assyrien ab, ohne die mitten in Israel wohnenden Chittim zu belästigen. Sein Nachfolger Sargon aber (— 722 bis -- 705) machte der chittischen Selbständigkeit ein Ende und verwandelte das chit tische Gebiet in eine assyrische Provinz. Von nun ab regierte Assyrien über das ganze l.ändergfcbiet Israels. Der Prophet Jedaia nennt die assyrische Herrschaft „die Geißel Gottes": er erwähnt die chittischen Städte: K a d e s c h am Orontes und K a r k e m i s c Ii am E u p h r at. So war die Geschichte der Chitti m mit der ihrer Nachbarvölker in Leid und Freud verwoben, bis ein aus Europa kommender Völkerzug, der ganz Kleinasien. Syrien und Palästina überschwemmte, die Chittim über den E u p h r a t hinausdrängte. Der von den Chittim freigewordene Piatz wurde in Palästina von den Philistern, in Kleinasien von den Armäniern besetzt. Nach Zeugenschaften der B i b e 1. des Pharaonen- Archivs zu Tel-El-Amarna und des chittischen Staatsarchivs zu A n g o r a (Boghazköi) steht das alte Volk der Chittim vor unseren Augen als ein großes Volk vorbiblischer Gesittung da. (Fortsetzung folgt.)

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