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Die Wahrheit · 1928-03-23 · Heft 12 (23.3.1928) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 12 (23.3.1928)
Date
1928-03-23
Page
– (sequence 2)
Language
German
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jiiiiiiiHHiiiiiHiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin I3I£ WAHRHEII Wie entspricht aber dieser Gesinnung die Gesinnungslosigkeit, die in der empörenden Tatsache zum Ausdrucke kommt, daß in einer kürzlich stattgehabten Kultuswählerversammlung der „Vereinigung werktätiger Juden" in der Leopoldstadt als Haup treferent gerade ein aus dem Judentume längst ausgetretener sozialdemokratischer Nationalrat herangezogen wurde? Jawohl, diese Vereinigung, die mit aller Kraft darauf ausgeht, die Kultusgemeinde zu „erobern", wie es so schön heißt, hat sich nicht gescheut, sich zu diesem Zwecke eines Mannes zu bedienen, der das Judentum in diesen für seinen Bestand so kritischen Zeiten verlassen hat. Wir wollen mit Herrn Nationalrat Dr. Ellenb o g e Ii nicht darüber rechten, ob er dies als antireligiöser Sozialdemokrat wie so viele andere mehr oder minder prominente Angehörige dieser Partei aus „G e w i s s e n s g r ü n d e n" getan hat. Wir wollen auch nicht untersuchen, ob nicht Gründe der politischen Karriere dafür maßgebend waren, da es ja hinlänglich bekannt ist, daß^ in der sozialdemokratischen Partei bis auf einige wenige, die an den Fingern einer Hand abzuzählen sind, beinahe alle „jüdischen" Führer dem Judentum schon abtrünnig geworden sind. Aber in beiden Fällen ist es evident, daß man einmal das Judentum von sich gestoßen hat, und dann möge man gefälligst konsequent bleiben und es auch weiterhin ungeschoren lassen. Wir müssen es uns verbitten, daß Männer, die unserem Glauben den Rücken gekehrt, sich um das Wohl tfhserer Glaubensgemeinschaft, beziehungsweise^ seiner religiösen Vertretung, der KultusgemMide, kümmern wollen. Wie würde ein ähnliches"* Verhalten von christlicher Seite aufgenoirrffleli werden? Entschiedene Ablehnung wäröf<ff§T'einzig mögliche und auch richtige Antwort^^töns Juden aber erkühnt sich eine jüdische Ye^ffljgung, uns solch einen Renegaten vorzusetzen 1 uijjtfi9bijT . M . , , .. , n ri , „?.1922etzei&te sicn leider, daß die Herrschaften #i$t ^einmal schlecht spekuliert hatten. Die Ver- 3e**illetcii Die alten Gesetze. Von Josef Lazarus, Fiume. (Fortsetzung.) Im Staatsarchiv dieses Palastes fand er 20.000 Staatsciokumente (auf Tonplatten eingebrannt), in chittischer Sprache mit babylonischer Uebe<rsetzung! Nun war der Schleier gefallen, Abrahams Muttersprache verdolmetschte den chirtäschen Text: Schrift und Sprache der Chittfen, war kein Geheimnis mehr! Der Prager Gelehrte Friedrich Hrozny fand, daß die Sprache der Chättim keine semitische, sondern eine indogermanische, also eine .durch Einwanderung von Gänger- Völkern herübergebrachte, sei. Zu ihrer Erforschung vereinigten sich im Staatsarchiv zu Angora (Boghazköi) .der Assyrolog Zimmern mit dem Forscher indogermanischer Sprachen, F r i ed r i c h, und entzifferten 200 Paragraphen des chittischen Gesetzes. Wer aber waren diese C h i tt im, mit ihrer indogermanischen Sprache, inmitten von semitischen Völkern? anstaltuug war recht gut besucht, was uns weiter nicht wundern muß, denn das Auftreten eines Abtrünnigen in einer jüdischen Versammlung war immerhin eine Sensation und in unserer sensationslüsternen Zeit begegnet alles Extravagente großem Interesse. Man muß es natürlich bedauern, daß diese Extravaganz der „Vereinigung werktätiger Juden" auch noch Zulauf fand, die Leute sind vielleicht gar imstande, dieses Interesse als eine „werktätige" Unterstützung ihrer politischen Bestrebungen zu buchen. Doch nein, Herr Nationalrat Doktor E 11 e n b o g e n mußte ja in seiner Rede selbst zugeben, von einem Anhänger der Vereinigung einen Brief erhalten zu haben, in dem seine Mitwirkung als unpassend und schädlich für die Vereinigung selbst bezeichnet wurde. Der Herr Abgeordnete vermochte sich nicht anders aus der für ihn und die Vereinigung sicher unangenehmen Affäre zu ziehen, als indem er mit Ausflüchten, wie dem bekannten „Religion ist Privatsache", kam und nur auf die allgemeine politische Lage einzugehen erklärte, was ihm unter Genossen doch gestattet sein müßte usw. Mit Verlaub, Herr Abgeordneter, was haben all diese politischen Auslassungen mit der Kultusgemeinde zu tun? Wenn es in dem oben erwähnten Artikel der „Jüdischen Volkszeitung" heißt: „Es ist selbstverständlich, daß jeder Austritt eine Gleichgültigkeit gegen das Judentum voraussetzt, denn wer sich m i t i h m verbunden fühlt, der bleibt ihm treu", so stimmen wir dem vollinhaltlich bei, fragen aber, ob die in dem darauffolgenden, Satze geforderte „B ekämpfung dieser Gleichgültigkeit" wirklich auf die von der „Vereinigung werktätiger Juden" diesmal gezeigte Art bewerkstelligt werden kann. Wir und mit uns alle, die über diese Zumutung der Vereinigung empört sind, verneinen diese Möglichkeit und deshalb sei es den Herrschaften und dem „gleichgültigen" Herrn Doktor Ellenbogen ein für alle Male gesagt: Herr Nationalrat, wir danken für die Ehre! Oskar Hirschfeld. Wer war dieses vierte vorbiblische Volk, welches in zahlreichen, noch jetzt bestehenden Denkmälern, uns aus grauer Vorzeit die Hand entgegenstreckt? Ein großes Volk, dessen Städte über den ganzen Erdteil, vom Mittelländischen Meer bis zum Euphrat zerstreut waren. Ein lebenszähes Volk, welches von der vorbiblischen bis zur naohhomerischen Epoche diie Zeitläufe überdauerte, welches Zeitgenossen des Bibelvolkes und Stammväter der Hellenen war. Seine regste Mitwirkung am geschichtlichen Werden der Alten Welt ist im eigenen Staatsarchiv zu Angora, in demjenigen der Pharaonen in Tel-El-Amarna und in der Bibel verzeichnet. Von ihnen, heißt es in der Bibel, hat Abraham die Höhle von Machpela als Grabstätte für seine Frau gekauft Vor Verehrung für den Patriarchen, "wollten ihm die Chittim diese Grabstätte schenken, er aber wollte seine Frau nicht auf geschenktem Grand und Boden begraben (I. Buch Moses, Kap. 23). Dem Moses berichteten die nach Palästina gesandten Vorboten: „Der Chitti wohnt im Gebirge" (IV. Buch Moses, Kap. 13). David hatte einen Chitti als Heerführer. . Im Staatsarchiv der Pharaonen zu Tel-El-Amarna befindet sich unter Katalog-Nr. 41 ein Brief des Chittörkönigs S c h u b u 1 in an den Pharao Am en'ophis IV., in welchem er diesen seinen „Bruder" nennt, was die Ebenbürtigkeit' beider Herrscher bezeugt.

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