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Die Wahrheit · 1928-03-16 · Heft 11 (16.3.1928) · page 11

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Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 11 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iiiniiiliiiiiiuiiiiiniiiiiiiiiiiM^ Seite 11 IBcäwkeUm twnTage Kein Purimscherz. Das soeben erschienene neue Gebetbuch der „Jüdischen Reform gemein de Berli n" enthält auf seiner letzten Seite in großen Buchstaben folgende Ankündigung: Am Sonntag finden Sie Erbauung im Gottesdienst der Jüdischen Reformgemeinde, Berlin, Johannesstraße 16. Darunter befindet sich ein Stadtplan, der die Untergrund-, Straßenbahn-, Autobus- und Stadtbahnverbindungen zur Johannesstraße 16 aufzeigt. Worüber sich niemand entrüsten wird: am Sonntag darf man f a h r e n! Von den polnischen Sejmwahlen. Bei den eben stattgehabten polnischen Sejmwahlen haben die Juden ganz katastrophal abgeschnitten. Sie, die bisher 36 Mandate im Sejm besessen hatten, verfügen nach dem neuen Wahlgang über höchstens 15, haben also mehr als die Hälfte ihres Besitzstandes verloren. Die Gründe für diese furchtbare Niederlage sind verschiedener Natur, vor allem ist die leidige Stimmenzersplitterung an dem Debakle schuld. Denn da nicht alle Juden die Qrünbaumsche Minderheitenpolitik guthießen, entstanden nach und nach sieben jüdische Listen, die. sich auf das heftigste befehdeten. Sogar die Zionisten waren untereinander gespalten, die einen gingen mit Jizchak Grünbaum, die andern mit Dr. Thon und schließlich errangen beide Parteien ganze 13 Mandate statt der bisherigen 26. Der überwältigende Sieg der Pilsudski-Liste ist nicht zuletzt den vielen jüdischen Stimmen zuzuschreiben, die, angewidert von dem maßlosen innerjüdischen Parteienkampf, für die Regierungsliste stimmten, auf der auch der bekannte agudistische Führer Elias Kirschbraun gewählt wurde. Die starke Niederlage der Polnischen Aufeemiten, der Nationaldemokraten, wäre noch ein Trost. Unser polnischer Berichterstatter kommt demnächst auf die Wahlen zurück. Ein tapferer Rabbiner. In der Stadt Fall River (Massachusets) ist der erst im September vorigen Jahres eingeweihte Tempel „B e t h E1" bei einer Riesenfeuersbrunst, die sechs Häuserblocks vernichtete, bis auf den Grund abgebrannt. Der Bau der Synagoge kostete 100.000 Dollar, das Gebäude war aber nur auf 35.000 Dollar versichert. Als der Tempel schon in hellen- Flammen stand, stürzte der Rabbiner der Gemeinde, Norton G o 1 d be r g, in den ganz in Rauch gehüllten Gebetraum und barg die.gefährdeten Thorarollen unter Gefahr des eigenen Lebens. Kurz nachdem der Rabbiner . und der ihm assistierende Tempeldiener, Samuel S1 ot o f f, mit den geretteten Thorarollen das Gebäude verließen, stürzte die Decke ein. Jules Vernes Abstammung. Die ganze literarisch interessierte europäische Welt beging in diesem Jahre den 100. Geburtstag des berühmten französischen utopischen Schriftstellers Jules Verne, der 1828 in Amiens geboren wurde.' Bei dieser Gelegenheit wurde in einigen französischen Blättern die alberne Legende wieder aufgewärmt, Verne sei jüdischer Abkunft, und zwar aus P1 o c k in Polen gebürtig. Sein ursprünglicher Name sei O 1 s c h e w i t z; er sei früh zum Christentum übergetreten und von da an ein Schützling des Großmeisters des Resurrektionistenordens in Rom. Dieses Ammenmärchen, das im Jahre 1905 in der Redaktion einer Lemberger polnischen Zeitung ausgeheckt wurde, wurde schon damals von dem französischen Publizisten Georges Montorgueil dementiert. Nichtsdestoweniger ist es jetzt in einer Warschauer Zeitung abermals als wahr unterstellt und vom Pariser „O e u v r e" übernommen worden, während sich im ..T emps" der erwähnte Montorgueil „erbittert" über diese „absurde Fabel" ausläßt, die nicht nur durch die Kraft der Dokumente, sondern vor allem durch die sich in Vernes Schriften auswirkenden „rassischen Kräfte" (vertus de la race) und das „solide Bereich einer gesunden und richtigen Phantasie" (la solide partee d'une imagination saine et iuste) als unwahr erweise. — Hierzu bemerkt das „Israelitische Familienblatt", Hamburg, daß eine solche mit dem Antisemitismus kokettierende Interpretation, die offenbar nur den Nachkommen des Vercingetorix eine gesunde Phantasie zubilligt, mit Recht den Unwillen der französischjüdischen Presse erregt, welche im übrigen durchaus nicht darauf ausgeht, Jules Verne für das Judentum zu beschlagnahmen, denn wenn er wirklich von jüdischer Abkunft wäre, so wäre er ja — ein R e n e g a t . . . Die Juden in Afghanistan. Die Weltreise des Königs A m a n u 11 a h von Afghanistan hat auch das Interesse für die in diesem mittelasiatischen Lande lebenden Juden geweckt. In Afghanistan leben rund 5000 Juden. Sie wohnten früher alle in H e i r a t h, jetzt findet man jüdische Gruppen in K h a ndar, Mimona, Mouzari-chevif. Anchei und in anderen kleineren Städten. In ihrem Aeußern sind die Juden Afghanistans von der übrigen Landesbevölkerung nicht zu unterscheiden, sie führen die gleiche Lebensweise, meist beschäftigen sie sich mit Handel. Man findet mehrere junge Juden, die ihre Ausbildung in Europa genossen haben. Der jetzige König unterhält die besten Beziehungen zu den Juden seines Landes. Die Juden Afghanistans stammen von jenen Marrancn ab, die vor etwa 90 Jahren Persien verlassen haben, um ihrem jüdischen Glauben weiter leben zu können. In Kabul leben noch 30 jüdische Familien, die von den alten einst vertriebenen Juden Afghanistans abstammen. Einige von ihnen sind sehr reich, man nennt sie die „alten K a b u 1 e r Familien". Das afghanische Volk selbst hält sich für einen Abkömmling des jüdischen Stammes Benjamin, die Afghanen nennen sich auch Benjameniten. Ein Schlächter wegen Tierquälerei angezeigt. Die Beziirkshauptmannschait B r e g e n z (Vorarlberg) hat dem Antrage des Tierschutzvereines für Vorarlberg, den jüdischen Lehrer, der im Bregenzer Schlachthause die Schlachtungen vornimmt, wegen Tierquälerei zu bestrafen und ihm das Schächten für die Zukunft zu verbieten, keine Folge gegeben. Die Landesregierung hat die seitens dieses Vereines gegen den Bescheid der Bezirkshauptmannschaft eingebrachte Berufung abgewiesen und dies wie folgt begründet: „W er ein Tier aus Bosheit roh mißhandelt, quält oder rücksichtslos anstrengt, begeht eine Verwaltungsübertretung. Diese gesetzmäßigen Merkmale der Tierquälerei treifien bei dem rituellen Schächten nicht zu. Das rituelle Schächten stellt sich sohin nicht als Tierquälerei im Sinne des Gesetzes.' We^bd^hciuwitenfurDk WaJukut! FERNSPRECH-NUM M E R is-i-'n MÖBELFABRIK SIGM. WIEN, 2. BEZ., PRA TERSTRASSE NR. 30 Beiehe Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preise* Atelier für lanendehoratlew stets große Auswahl von Möbeln aller Stllartea In Jeder Preislage. ——■ P P E N H E I

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