Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT iiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiM Seite 9 : Soeben erschienen: JOSEPH KAPLAN :! Im siebenten Himmel i ■ Einste ußd heitere Skizzen — mit einer Photographie des j S Verfassers. 205 Seiten, in Halbleinen gebunden Rvt. 3*50 : 5 Ein Buch ergreifender Tragik und sprühenden Humors j ■ In einer originellen Sprache zeigt uns der Verfasser u. a. den j I Chassid von der lustigsten Seite. — Vom wundertätigen Hof- ■ Schneider, der den siebenten Himmel erreicht; von Kapazk, der \ 5 vergessenen Stadt; von dem Armen, den das große Los zu Boden j S schmettert; von Kalmen, dem Schnorrergenie; von einer seltsamen ■ Reise durch Polen; vom Chassid, der in die Lage kommt, zwei 5 Stunden lang russischer General sein zu müssen — und von noch l S vielen anderen lustigen Dingen erzählt uns dieses erquickende : 5 Buch, dessen Typen uns unvergeßlich bleiben.; | Zu beziehen durch jede Buchhandlung oder direkt vom : \ Verlag M. W. Kaufmann, Leipzig C 1, Brühl 8 j auf. Aber für alle Zeiten ist sein Name mit den Schandtaten, die er in der schlesischen Hauptstadt, in Breslau, gegen die unglücklichen Juden geübt hat, befleckt. Als Geißel der Hebräer hat er sich hier einen schauerlichen Ruf gemacht. Ein Bauer aus einer kleinen schlesischen Ortschaft beschuldigte die Juden, sie hätten sich an den Hostien vergriffen, und so eine nichtswürdige Anschuldigung genügte, um am 2. Mai 1453 sämtliche Juden Breslaus ins Gefängnis zu werfen. Alle ihre Sachen nahm man ihnen weg und unter den grausamsten Folterqualen entlockte man ihnen Geständnisse von Taten, die sie nie begangen hatten. Aber es kam ja auch nicht darauf an, e*in ordnungsmäßiges Gerichtsverfahren durchzuführen, sondern lediglich war das Ziel: Vernichtung der Juden. Man berichtete an Schlesiens Herrn, an den jungen dreizehnjährigen König von Böhmen, was man angeblich ermittelt hatte. Er glaubte alles, wenn es überhaupt an sein Ohr drang und nicht seine Räte die Dinge für ihn erledigten. Und nun flammten in Schlesien die Scheiterhaufen auf. In Schweidnitz wurden 10 Juden und 4 Jüdinnen verbrannt, 41 in Breslau, die übrigen wurden ausgetrieben. Der Rest des beschlagnahmten Vermögens ging an den König Ladislaus, der den Breslauern daraufhin die Vergünstigung gewährte, daß auf ewige Zeiten kein Jude in ihrer Stadt wohnen durfte. Nun dies hat die Zukunft anders gewollt! Gerade in Breslau befindet sich heute eine der blühendsten jüdischen Gemeinden des Deutschen Reiches. Es ist zweifellos, daß Capistrano bei diesen Verfolgungen die Seele gewesen ist. Er hat den jungen böhmischen König in einer Weise bearbeitet, die dessen eigensten Interessen zuwiderlief. Der Breslauer Chronist berichtet sogar, daß Capistrano es war, der dem Scharfrichter Anweisung gegeben hat, wie er die Juden martern solle. Man kann es nicht fassen, daß die katholische Kirche diesen Mann heilig gesprochen hat. Aber auch Capistrano zeigte im letzten Abschnitt seines Lebens, daß man den Juden zwar verbrennt, ihn aber doch benützt, wenn man ihn braucht: Als er zum Kreuzzug gegen die Türken predigte, da duldete er in seinem Heere auch die so verhaßten Juden. Seitdem sind fast fünf Jahrhunderte ins Land gegangen, aber im Grunde hat sich an der Lage der Juden kaum etwas geändert. Man benützt sie und man tötet sie, wie es gerade paßt! Wo bleibt der Fortschritt der Menschheit? /Imtlicke TkLudanu^, cL:/rmeläisJ\enkuJtusg Ankündigung diverser Ausschreibungen von Lieferungen und Instandsetzungsarbeiten. Seitens der israelitischen Kultusgemeinde Wien gelangen im Laufe der nächsten Zeit die nachfolgenden baulichen Arbeiten zur Vergebung: II., Floßgassen, rituelles Bad, diverse Lieferungs- und Instandsetzungsarbeiten: a) Reservoirlieferung, bzw. Instandsetzung, b) Baumeisterarbeiten, c) Eisenkonstruktionen, d) Verfliesungsarbeiten; XI. Neuer Friedhof, Aufschließung des Geländes südlich der Neuen Zeremonienhalle: a) Straßenherstellung, Kanalisation und Entwässerungsanlage, b) Bewässerungsanlage (Installationen), c) Zimmermannsarbeiten; XVIII. Währinger Friedhof: Instandsetzung des Zeremoniengebäudes, Baumeister-, Tischler-, Schlosser-, Anstreicher-, Dachdecker- und Spenglerarbeiten. Jene Firmen, welche zur Offertstellung herangezogen werden wollen, werden eingeladen, dies bis längstens 2 2. März 1928 dem technischen Amte der israelitischen Kultusgemeinde Wien, I., Seitenstettengasse 2, IV. Stock, bei welchem auch während der gewöhnlichen Amtsstunden (Samstage ausgenommen) alle näheren Auskünfte erteilt werden, schriftlich bekanntzugeben. Die freie Auswahl unter den sich meldenden Firmen-zwecks Heranziehung zur Offertstellung für die einzelnen Arbeiten behält sich der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde ausdrücklich seinem alleinigen Ermessen vor. ,Union deufschösterrelchisclicr Jaden1 Mitgliedschaft Innere Stadt n EINLADUNG Die infolge Verhinderung des Referenten abgesagte III VEREINS VERSANNIMÜ I findet Donnerstag, den 22. März. Ys 8 Uhr abends im Ii Großen Saale des Cafe Silier (Souterrain) I. Schweden- Iii platz, statt. „ Tagesordnung: 1. Regierungsrat Dr. Hermann Oppenhelm: (Mitglied des Vertreterkollegiums und Finanzreferent der Wiener Kultusgemeinde): „Das Budget der Wiener Kultusgemeindefür das Jahr 1928." 2. Diskussion. Von Mitgliedern eingeführte Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen. „Union deutschösterreichischer Juden" Der Präsident: Dr. Jakob Ornstein Mitgliedschaft I. der „Union" Der Obmann: Dr. Oskar Hein.