Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
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DIE WAHRHEU iiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiM^ >cit?? nisse gezwungen, später einmal Exhumierungen vorgenommen werden müssen, darf die Zahl der zu Exhumierenden nicht noch bewußt und gewollt vermehrt werden. (Vergleiche Nöda Bihuda zu Jore Dea I, Nr. 89.) 3. In dem sub. 2. vorgesehenen Falle soll \sich die Gemeinde P. vertraglich das Recht sichern, vor, der etwaigen Verwendung des Friedhofes durch die Stadtgemeinde die noch vorhandenen Knochen- und Aschenreste exhumieren zu dürfen. Da die Stadtgemeinde P. laut Zuschrift des Synagogenvorstandes sich erbötig machte, den Friedhof noch 40 bis 50 Jahre lang in dem. bisherigen Zustande zu belassen, sollen vorerst keine Exluimierimgen vorgenommen werden. Dies wird vielmehr erst dann zu geschehen haben, wenn die Stadtgemem'le sich anschicken wird, den Friedhof ihren' bautechnischen oder sonstigen Zwecken dienstbar zu machen. (Vergleiche auch hierüber Nöda Bihuda ibid.) Nur wenn es sich — was Gott verhüten möge — zeigen sollte, daß der Friedhof im Besitze der Stadtgemeinde nicht genügend bewacht und vor Entweihung und Schändung nicht genügend geschützt erscheim, müßten die Exhumierungen sofort in Angriff genommen werden. (Vergleiche .lore Dea, 363.) Das jüdische Problem in der heutigen französischen Literatur. Wie in vielen europäischen Ländern, so ist auch in Frankreich das Jüdische seit dem Kriege unleugbar Mode geworden. Die Hauptgründe dafür sind die. teilweise Verbreitung zionistischer Ideen, das Erwachen der Völker, die Entwicklung des Traditionalismus, wie er in Maurice Barres „La T e r r e et 1 e M o r t s" Symbol geworden ist Es entstand sogar eine jüdische Revue, die allerdings trotz des hohen Ranges von Mitarbeitern wie Einstein, Z a n g w i 11, Freud, B u b e r, W a 1 d o Frank und einer ganzen Gruppe junger Franzosen nur ein kurzes Leben gehabt hat. Diese Mode trat besonders im Roman zutage. Die Uebersetzung der Werke Israel Z a n g w i 11 s, ein Novellenbuch. Georges Clemenceaus: „Au Pied du Sinai" (1920) und J. R. Blochs „Levy" (1912), die Geschichte einer jüdischen Familie in der französischen Provinz, bereiteten das große Publikum gewissermaßen vor. Die großen Werke aber über das Problem, welche das Judentum in der heutigen Welt bietet, sollten erst nach dem Kriege erscheinen. Teils ist es Marktware ohne jeden künstlerischen Ehrgeiz, lediglich bestimmt, dam herrschenden Geschmack des Publikums zu schmeichein, wie etwa die weit verbreiteten Romane „Les Pollaks" und „Mon Rabbi n chez les R i che s", von ein und demselben Schriftsteller stammend, der aber, um seine Mache zu verbergen, bald unter dem Pseudonjon Pierre Samuel, bald unter Jakob/Levy schreibt. Auf der anderen Seite jedoch stehen Werke von Künstlern und Schriftstellern, welche sich in sich selbst versenkt haben, um einen Weg zu finden und ihre Mitmenschen zu erleuchten. „Du Ghetto ä rUniversite" (1923) ist.das Werk einer wenig bekannten Frauenrechtlerin, Ida See, welche das Problem der Verwurzelung der Ausgewanderten, der nach dem Okzident Verpflanzten, behandelt und die Gefahren des Partikularismus zeigt, der einen Stamm bis zu einem Grade schwächen kann, daß er zuweilen sogar in Wahnsinn verfällt. Der - junge protestantische Schriftsteller, Jacques de Lacr6telle, veröffentlichte im Jahre 1923 seinen berühmten Roman „Silber mann" und erhielt dafür den vielbegehrten Literaturpreis „La Vie Heurcus e". der jedes Jahr von einer Jury von Schriftstellern verteilt wird. Jacques u e, L a c r e t e 11 e, ein Schüler G i d e s, ist einer der begabtesten der neuen Generation, und sein Roman ist zugleich ein psychologisches und historisches Dokument. Er ist ein Gemälde der jüdischen Freundschaft von einem Nichtjuden, die Geschichte der ewigen Verbannung derer, die sich nicht assimilieren können, die Ausdeutung des Ressentiments der Verstorbenen. Das jüdische Problem schien so lebendig zu sein, daß der Romanschriftsteller, welcher sich am geschicktesten der Mode zu bedienen versteht,' der Meister des Abenteuerromans, P|erre Benoit, nicht zögerte, im Jahre 1924 „Le Puits de Jacob" zu schreiben. Dieser Roman sucht das zionisti- ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■c Laut Attest Sr. Ehrwürden des Herrn Oberrabbiners SIMON SCHREIBER aus Erlau S VerliiOHcta Koscher ■ ■ in Friedensqualität erzeugt von ■ [ HEINRICH FRANCK SÖHNE j S A. G. S ■ Kaffeemittelfabrik, Linz a. d. D. ■ ■ bei federn § ■ Kauf m u n n e g ■ zuhaben? £ ^■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■■HMUMaB sehe Problem dem großen Publikum nahezubringen. Er ist das Abenteuer einer intellektuellen Frau und Kurtisane, welche den Orient verläßt, um in Paris zu leben, dem Rufe ihres Blutes folgend aber nach Palästina zurückkehrt. Der Roman zeichnet einige Typen, stellt das Problem, ohne es jedoch zu lösen. Im Jahre 1925 endlich schrieb ein junger Dichter, Bernard Lecache, einen sozialen Roman voll malerischen Lebens, „J a k o b", in dem wir den Aufstieg einer russischen Auswandererfamilie in Paris miterleben. Es ist die Geschichte eines jüdischen Strebers, der, um hochzukommen, seinen Glauben verleugnen muß und dem sein Vater schließlich verzeiht! Sogar in der Dichtung hat sich der Einfluß der jüdischen Mode fühlbar gemacht. ,.L a Dause devant l'A r c h e" von Henri Frank, einem der begabtesten Dichter des Vorkriegsfrankreich, der 1912, mit erst 23 Jahren, starb, zählt zu den reichsten Werken, die uns das letzte Jahrhundert hinterlassen hat. Schon er brachte den messianLschen Traum wieder in Mode, den ein junger Franzose des 19. Jahrhunderts noch einmal erlebt. Er war Jude, wie Barres Lothringer war, aber sein Ideal erweiterte sich und ließ sich nicht von einer politischen Floskel gefangennehmen. Seine Dichtungen drücken die Sehnsucht eines Menschen aus, der Gott erreichen will, der aber die Größe der Goetheschen Philosophie des „Stirb und Werde" versteht und, von jeder Illusion befreit sich damit begnügt, wie die Glut in hoffnungslosem Feuer zu verzehren. Dem epischen Lyrismus eines Frank steht die satirische Dichtung Andr6 Spires gegenüber, der in Werken wie „La Cite Presente" (1903) oder „Le See r et" (1919^ voll Bitterkeit das jüdische Ideal mit der zeitgenössischen Kultur vergleicht. Andre Spire kann seine ewige Unruhe nicht verbergen. Wenn er sich von der Natur und der reinen Kunst abwendet, so tut er es, um unter den Menschen und im Volke die Berechtigung zu leben zu suchen. Edmond Fleg, geboren im Jahre 1874, ist im Begriffe, den größten Platz unter den jüdischen .Literaten Frankreichs einzunehmen. In ,JE c o u t e Israel" (1913) und „L e M u r des P1 e u r s" (1919) hat er die Bibel paraphrasiert und die Behauptung aufgestellt, daß der jüdische Geist nichts anderes ist als der Instinkt der Freiheit, der