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Die Wahrheit · 1928-03-16 · Heft 11 (16.3.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 11 (16.3.1928)
Date
1928-03-16
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT fMiiiiiiimimmiiiiiii.....niiimiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiin Seite 5 Verkauf von einem Ballen Leinen und ein paar Dutzend Knöpfen wird über wichtige jüdische Fragen verhandelt. Aber hier dienen die Diskussionen sehr praktischen Zwecken. Seine Kundschaft hat Sinn für Wohltätigkeit und Kouliche hat sie schon oft zu Spenden veranlaßt, z. B. für Freistellen, die armen jüdischen Kindern zugute kamen. Seinem Laden entstammten Plan und Ausführung einer jüdischen Freiküche für Unbemittelte. Bei ihm diskutierte man über Erziehungsfragen. Von hier aus wirken verschiedene Komitees, die die jüdische Jugend unentgeltlich mit hebräischen und jiddischen Büchern versorgen. Kouliche — sein Name bedeutet „Coolidge" ist sehr stolz auf seinen Sohn, der in einem Rabbiner-Seminar studiert. Kouliches Laden ist in der Tat der Inbegriff der praktischen Auswirkung des vielfarbigen, geräuschvollen, träumespinnenden Ghettos der großen französischen Metropole. Qlerren>. Man kann sich kaum schärfere Gegensätze ausdenken als jene, die zwischen unserem Kanzler Dr. Seipel und den Führern der österreichischen Sozialdemokratie bestehen. Um so interessanter ist es, daß Dr. Seipel in Wien und der berühmte sozialistische Deputierte Cesar Chabrun in Paris in den Betrachtungen, die sie zufällig an demselben Tage der Oeffentlichkeit mitteilten, sich begegneten. Chabrun, der als Professor jahrelang Kirchenrecht an der katholischen Fakultät zu Paris lehrte, verkündete in aller Kürze sein sozialistisches Programm auf Grundlage des Bibelwortes „Liebe deinen Nächsten wie dich selbst" und findet darin „tauglichere Grundlagen sozialistischer Entwicklung als in den Büchern von Karl Marx". Er weist darauf hin, daß die Gründung des „Weltbundes der internationalen Freundschaften", die sein Werk ist, nur dem Ziele dient, die Menschen der verschiedenen Staaten einander näher zu bringen, so daß sie nie mehr daran denken können, mit den Waffen einander entgegenzutreten. Herr Dr. Seipel, der, auch wenn er es nicht besonders betont, als Priester kein höheres Programm als das der Nächstenliebe aufstellen kann, hat in der vielleicht zur selben Stunde gehaltenen umfangreichen Rede an die katholischen Studenten in Wien den die ganze Welt umfassenden pazifistischen Gedanken u. a. in folgenden Worten Ausdruck gegeben: „Es gäbe überhaupt keine Mißverständnisse unter den christlichen Völkern, auch nicht den verschiedenen Rassen, wenn sie eben alle Christen wären, wenn sie eben nicht mit dem Mantel des Christentums Dinge decken wollten, die etwas anderes als Christentum sind." Dr. Seipel hat diese Mahnung an die Studenten gerichtet. Sie sollte aber auch von deren Vätern, den Führern und Stützen der christlichsozialen Partei beherzigt werden, von denen manche zu glauben scheinen, daß das Gebot der Nächstenliebe, das dem Alten Testamente entlehnt ist, den Bekennern des Alten Testamentes gegenüber nicht gilt. * * * ,Die deutschdemokratischen Studenten veröffentlichen die Erklärung, sie hätten von allem Anfang an die Aussichtslosigkeit erkannt, daß ihnen an der Universität eine Feier zur Ehrung der Märzgefallenen Vom Jahre 1848 bewilligt werden könnte. Es wäre in der Tat eine Absurdität, wenn man an kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die Kunerol=Erzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT :fiSlil!BI!llllll! der Universität, an der die Hakenkreuzler dominieren, freisinnigen Studenten gestatten würde, die Vorkämpfer für Gleichheit und Brüderlichkeit zu feiern, die für ihre Ideale das eigene Leben wagten. Die Totengräber der freiheitlichen Ideen wünschen, daß man die Freiheitsschwärmer vom Jahre 1848 auf dem Friedhofe und nicht an der Universität feiere. * * * Die W'äscherin Frau Brandl, die ihrem Unwillen, zu den Kosten von Hausreparaturen beizutragen, mit den etwas ungewaschenen Worten Ausdruck verlieh: „Wir werden doch dem Saujuden nicht die Bude aufrichten", muß nun überdies eine Geldstrafe von 30 Schilling erlegen. Die hätte sie sich ersparen oder lieber zu den Reparaturen verwenden können. Man soll wirklich auch einem jüdischen Hausherrn nicht zumuten, daß er Ehrenbeleidigungen als Ersatz für das so heiß ersehnte Zinserträgnis einstecke. Der Richter in Fünfhaus bemühte sich, der Wäscherin, die vor Gericht in dem Hausherrn schon gerne den „Jud" ohne Epitheton ornans erblicken wollte, in der Urteilsbegründung begreiflich zu machen, „daß man in Oesterreich noch nicht so weit ist, daß man Mitbürger israelitischer Konfession ungestraft mit dem im herabsetzendem Sinne gebrauchten Worte „Jud" belegen könne". Diese Begründung war so einfach und klar, wie, daß für Christ und Juden 2X2 4 ist, und wird selbst der vielleicht juristisch nicht gebildeten W'äscherin eingeleuchtet haben. * * * ..

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