Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
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Dffi WAHRHEIT jH^nfrimnnra^ zumal in Tel Aviv, einer Stadt, die dicht bei Jaffa entstand, und schon etwa 30.000 jüdischer Einwohner zählt Wie die Dinge sich heute gestaltet haben, ersehen wir aus der einstimmigen Annahme folgender Entschließung durch den 15. Zionistenkongreß in Basel 1927: „Der Kongreß stellt fest, daß durch die gefährliche Erscheinung der Bodenspekulation, die sich in den Jahren der großen Einwanderung in erschreckendem Maße in Palästina ausgebreitet hat, schwerster Schaden für unser ganzes Aufbauwerk verursacht worden ist: sinnlose Hochtreibung der Bodenpreise, Verschwendung jüdischen Kapitals, Ausbeutung der Mittel und Energien der einwandernden Massen, Ruin vieler Familie n." In solcher Lage gewinnt ein Werk besondere Bedeutung: Dr. Granovsky in Jerusalem, „Probleme der Bodenpolitik in Palästina" (Berlin, Jüdischer Verlag). Sein Vorwort erklärt: „Mit dem Fortschritt des Aufbaues des Landes kommt allen zionistischen Kreisen immer deutlicher die wichtige, ja ausschlaggebende Rolle zum Bewußtsein, die die die B o d e n f r a g e in dem Prozeß der Wiederaufrichtung des jüdischen Palästinas zu spielen berufen ist. Es wird immer klarer, daß mit der richtigen Lösung der Bodenfrage das Gebäude des jüdischen Nationalheimes, das so unendliche Mühe und so schwere Opfer verlangt, steht und fällt." Eine Quelle des Bodenmißbrauchs sieht der Verfasser in dem privaten Bodenkauf' durch einzelne Juden. In dem einen Jahre 1925 haben Juden über 150.000 Dunam Boden erworben (l Dunam 919 qm). Wie will man spekulativen Mißbrauch mit diesem Privatbesitz verhindern? Der Verfasser fordert ein Vorkaufsrecht für den Keren Kajemeth (d. i. die nationale Bodenbank der zionistischen Organisation). Er soll bei jedem Wechsel des Besitzes, aber auch ohne einen solchen Wechsel nach Ablauf einer bestimmten Frist jeden privaten Boden erwerben können, und zwar zu einem Schätzungswert, den eine dreigliedrige Kommission bestimmen soll. Natürlich können die Juden, eine Minderheit im Lande, ein solches Vorkaufsrecht nicht durch staatliche Verfügung erzwingen, aber trotzdem ist der Verfasser guten Mutes: „Es steht außer jedem Zweifel, daß der vorgeschlagene Modus auf viele Widerstände stoßen wird. Es liegt in der Psychologie des Juden, im Vorkaufsrecht des Keren Kajemeth eine eventuelle Beschränkung seines Eigentumsrechtes zu sehen. Sache der zionistischen Erziehung ist es daher, die jüdische Oeffentlichkeit mit der Idee des Keren Kajemeth und des nationalen Bcdenbesitztums so vertraut zu machen, daß jeder Jude zur Anerkennung der großen nationalen und sozialen Vorzüge desselben gebracht wird. Bei geeigneter Beeinflussung der öffentlichen Meinung, verstärkt durch die Autorität des Zionistenkongresses, ist anzunehmen, daß die hier erwähnten Vorschläge in die Tat umgesetzt werden können." Ob der Verfasser wohl heute noch diesen Glauben hat? Ach, erinnern wir uns doch! Die große jüdische Kolonie Petach Tikwah wurde 1921 von Arabern überfallen. In der Abwehr haben jüdische Arbeiter entscheidend mitgewirkt, und am Grabe der Gefallenen haben die jüdischen Plantagenbesitzer ein feierliches Gelöbnis abgelegt, von nun an nur jüdische Arbeiter auf diesem jüdischen Boden zu beschäftigen. 1927 war die Arbeitslosigkeit unter den Juden besonders groß. Trotzdem arbeiteten bei der Pflückarbeit z. B. noch am 10. Jänner 1928 nur 20 Juden neben 570 arabischen Arbeitern — „sie sind eben billiger und anspruchsloser als die organisierten jüdischen Arbeiter". Die jüdischen Arbeiter erinnerten stürmisch an jenes Gelöbnis von 1921, es kam zu Unruhen — jetzt muß ein englisches Gericht jüdische Arbeiter zu Gefängnisstrafen verurteilen, weil sie arabische Arbeiter „bedroht" hätten. Hier zeigte sich eben, wie es sich übrigens in allen Ländern in gleicher Weise zeigt, daß großer Grundbesitz stets die Arbeiter sucht, die am wenigsten Lohn beanspruchen — unabhängig von allen nationalen Rücksichten. Die öffentliche Meinung, von der Herr Dr. Granovsky so viel erwartet, war einstimmig auf Seite der jüdischen Arbeiter. Selbst in dem Gerichtsurteil kam das klar zum Ausdruck und doch — gerade in derselben Zeit beschlossen die Hauptinhaber der großen jüdischen Kolonie B e n j a m i n a, die in ihren Satzungen sich verpflichtet hatte, nur jüdische Arbeiter zu beschäftigen, diesen Paragraphen zu streichen. Ach nein, Herr Doktor Granovsky, „Erziehung", „öffentliche Meinung" usw. vermögen wirklich sehr wenig in Einzelfällen. Darauf kommt es an: die staatsbürgerliche Erziehung und die öffentliche Meinung so zu beeinilussen, daß ein bodenrecht geseharren wird, das für alle jeden Mißbrauch unmöglich macht. Der Boden eines Volkes darf nicht unter ein Recht gestellt werden, das ihn lediglich als Rentenquelle schützt, sondern unter ein Recht, das seinen Gebrauch als Werk- und Wohnstätte befördert — so wie es für Deutschland die deutsche Bodenreform erstrebt. Wie schwierig die Lage der Zionisten ist, zeigt die Behandlung unserer Bodenreformsteuern. Dr. Granovsky schließt seine Ausführungen darüber so: „Wir bemerken, daß sie unseres Erachtens nur für Punkte mit geschlossener jüdischer Bevölkerung, wo die gesamte Verwaltung sich in j ü d ischen Händen befindet, in Betracht kommen kann. Sonst würde die Einführung der Bodenbesteue- E s r a als Religionslehrer mitgab, den Tempel zu Jerusalem wieder aufbauen ließ, dann Darius I. den Tenipelbau gegen das Mischvolk der Samaritaner verteidigte, die als assyrische Kolonisten ihren assyrischen Götzen huldigten, dabei aber auch um die Huld des „lokalen" Gottes Israels buhlten (im Jahre — 521), und so weiter bis zum Neu- Persischen Reich der Sassaniden-Dynastie, unter deren Regierung Rabbi AbbaAreka (im Jahre — 219) die berühmte Akademie von S u r a mit 1200 Schülern gründete, und Samuel der Amoräer die Akademie zu N e h a r d ä a, und so ging in Israel — fern von der Heimat — ein neues Licht auf, und durch Israel über die ganze Welt: das milde Licht des Talmud, aus dem alle Religionen schöpften. Und so erfüllte sich die Prophezeiung des Jeremias, die Läuterung Israels durch die Verbannung: „Ihr — dem Schwerte Entronnene, gedenket aus der Ferne des Ewigen, und Jerusalem steige auf in eueren Herzen" (Jeremias, Kap, 51, Vers 50). Dies ist das Geheimnis des ewigen Judentums: ewig die Volker an das Alte Gesetz zu erinnern, als Grundlage ihrer Religionen, als Grundlage ihrer sozialen Einrichtungen; — denn ewig sind ihre kulturellen Rückfälle,---wie wir gleich sehen werden. Um diese Aufgabe ewig zu erfüllen, heißt es: „Wohl werde ich dich züchtigen, und dir nichts straflos hingehen lassen, aber — wenn ich Vernichtung übe an all' den Völkern, wohin ich dich verstoßen habe — an dir übe ich keine Vernichtung" (Jeremias, Kap. 46, Vers 28). Eine ewige Ermahnung — verlangt einen ewigen Verkünder. Die Zugehörigkeit zum Judentum — birgt sittliche Verpflichtungen in sich. Wie aber das unsittliche Babel, das pulsierende Herz der ganzen vorbiblischen Welt war, wie lebensinnig verwoben mit allen anderen Völkern erfährt man aus der Prophezeiung Jeremias: „Vor dem Rufe — bezwungen ist Babel — erbebt die Erde, und Wehklagen, wird unter den Völkern gehört" (Jeremias, Kap. 50, Vers 46). Dieser Einblick in die Kulturgeschichte jener Zeit macht es uns begreiflich, daß Babel zu Zeiten des Jeremias der ganzen Welt seine Sprache aufdrängte, daß alle internationalen Staatsverträge jener Zeit mit babylonischer Uebersetzung geschrieben waren, so wie sie es jetzt in französischer sind. Diesem Umstände verdanken wir die Entzifferung der ägyptischen und der syrischen Hieroglyphen, nämlich: ihrer babylonischen Uebersetzung, war doch die babylonische Sprache, in ihrer süd-babyionischen, „Targum" genannten Mundart, die Sprache Abrahams, des Süd-Babyloniers. Die; Entzifferung vorbiblischer Dokumente begann im ausgegrabenen Staatsarchiv der Pharaonen, zu T e 1 - E 1- A m a r n a, welches Pharao Amenoptiis IV. gründete, als er die alte Pharaonen-Residenz von Theben mit ihren unzähligen Götzen verließ, deren Namen von allen Denkmälern wegmeißeln ließ, sich bloß einem Götzen, dem Sonnengott zuwandte, und seine Residenz in Tel-El-Amarna aufschlug. Im Staatsarchiv dieser Residenz war es, daß man die doppelsprachigen Urkunden fand, ägyptisch mit babylonischer Uebersetzung, welche uns das Geheimnis der ägyptischen Hieroglyphen enträtselten. Aehnlichc Zufälle mußten eintreffen, bis die syrischen Hieroglyphen entziffert weiden ko;ni:jn. Im Jahre 1906 war es, daß Hugo W i n k 1 e r bei A ng o r a (im Dorfe Bcghazköi) den Königspalast der C h i 11 i m, des vierten großen vorbiblischen Volkes ausgrub. (Fortsetzung folgt.)