Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 11 (16.3.1928)
- Date
- 1928-03-16
- Page
- – (sequence 2)
- Language
- German
- Belongs to
- journal issue
- OCR quality
- 95% known words query
- IRI
…/3062972-3064248-3064259--16125-3088858- Visual Library
- page viewer of the UB Frankfurt
Mentioned entities
OCR text
Seite 2 ilHIlItlllC^tllllltlEIltlilllfillllClUtttlllllilllllllLlIlLtlllllltilllllllfltllllllUiltlllltlltlfllltllllllllillllllllllitlllll lUiiiiuiuiuiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiiuiiiiiiiiuiiniiiiiiiitiiiiiii piß WAHRHEIT ger, folgt ihm; noch der neueste Genesiskommentar, die 1924 erschienene zweite Auflage des „Prockschschen", übersetzt: brüten. Auch dem achtzehnten Jahrhundert war diese Interpretation geläufig. In dem äußerst knappen Taschenlexikon des Neubegründers der judaistischen Studien, des älteren Buxtorf, wird das Wort wiedergegeben durch „sich vogelartig hin und her bewegen: brüten". Und in der deutschen Uebersetzung des englischen Bibelwerks, auf die den Knaben Goethe sein hebräischer Lehrer zur Beschwichtigung seiner „hergebrachten Fragen und Zweifel" verwies, fand er wenigstens den eindeutigen Hinweis, daß das Wort sich auf die „Handlung eines Vogels" beziehe. Woher er zu seiner Entscheidung für „brüten" gekommen ist, weiß ich nicht. Aus Herders genialer Erklärung des Schöpfungskapitels in der „Aeltesten Urkunde des Menschengeschlechts" konnte er, da Herder immer „schweben" sagt und lieber noch, wie später Mendelssohn, „weben", sie nicht entnehmen. Während er wohl von Herder das Sausen des Gottesgeistes über den Wogen hat. Denn Herder kann sich nicht genug tun im Ausmalen des Gemäldes, wie „Geist des Himmels, Hauch Gottes, sich von droben her senkt, die Fluten durchwühlt, emporwebt; wo er wandelt, webt himmlische Gegenwart: und alles ist Schauer!", der „wehenden Luft Gottes", des „webenden Sturms" dieser „Nachtszene", dieser Beschreibung „der brausendsten Schauer des Nachtwinds", „wo auch der Ausdruck mit Nacht und Wogen kämpft" — und ist doch weit entfernt von der nüchternen Torheit alter und neuer Kommentatoren, diesen brausendsten Gottessturm nun für einen „bloßen heftigen Wind" erklären zu wollen. Und Goethe hat dann, in kühner Intuition den Sinn der Stelle erfassend, wo die Kräftespannung jenes Augenblicks der Urschöpfung Unvereinbares noch in eines ballt, den Braus und das Brüten zusammengeschlossen in den sausen- .den Geist, der über den Wogen brütet. Probleme der Bodenpolitik in Palästina*) In unserer großen Zeitenwende verdienen zwei sozialpolitische Versuche großer Art ernste Anteilnahme. Den einen Versuch in ungeheurem Ausmaß stellt Rußland dar, den zweiten bedeutet der Versuch eines Teiles der Judenheit, des Zionismus: „für das jüdische Volk eine öffentlich-rechtlich gesicherte Heimstätte in Palästina zu schaffen". In der neuesten Auflage meiner ..Geschichte der Nationalökonomie" (86. Tausend) habe ich im 2. Band — wohl zuerst in einem solchen Werk — die Entstehung und den Weg des Zionismus geschildert, und im 2. Band meiner Lebenserinnerungen, in meiner „Zeitenwende" habe ich die vielfachen persönlichen und sachlichen Berührungen mit den Zionisten dargestellt bis hin zu der Begegnung mit Chaim Weizmann, dem anerkannten Zionistenführer. Er zeigte im kleineren Kreise eine Karte und wies mit offenbarer Genugtuung auf die Stellen hin, die bereits von der zionistischen Organisation käuflich erworben worden seien. Ich entgegnete, daß ein solcher Weg schwerlich zum Ziele führe, da in dem kleinen Lande (Palästina ist etwa halb so groß wie die Mark Brandenburg) jeder jüdische Ankauf den Mon^polcharakter und den Monopolwert der übrigen Landesteile erhöhe. Weizmann antwortete, daß er selbstverständlich Bodenreformer sei, wie jeder es sein müsse, der ein Volkstum aufbauen wolle: aber da die Juden in Palästina noch nicht die Gesetzgebung beeinflussen könnten, keinen anderen Weg als den des freien Ankaufs von Boden hätten (s. „Zeitenwende" S. 414 bis 420). In der Tat, die berühmte Balfour-Deklaration, durch welche während des Weltkrieges England für den FalP seines Sieges dem Zionismus seine Hilfe zusagte, bedeutet im Grunde nichts anderes, als, um einen beliebten englischen Ausdruck zu gebrauchen, eine Chance für den Zionismus in Palästina. Eine wirklich tatkräftige jüdische Kolonisation kann England, das sich vom Völkerbund das Mandat über Palästina übertragen ließ, nicht treiben, weil es die Araber, die Mehrzahl seiner Bewohner nicht verletzen darf — bedeuten die Araber doch im britischen Weltreich: Aegypten, Arabien, Irak und einen Hauptteil Indiens. Grundsätzlich hat sich der Zionismus bei seiner Aufbauarbeit für die Bodenreform erklärt. Er beruft sich auf uralte Vorschriften des mosaischen Gesetzes (3. Mos. 25) und zugleich auf die Erfahrung, welche Juden in allen sogenannten Kulturländern vor sich sehen. In der Praxis aber hat sich in Palästina eine Bodenspekulation gefährlichster Art entwickelt, *) Aus dem „Jahrbuch der Bodenreform". Vierteliahrshefte von A. Damaschke. Bund deutscher Bodenreformer, Berlin, Februar 1927. Gekürzt wiedergegeben. Seuilletvii Die alten Gesetze. Von Josef Lazarus, Fiume. (Fortsetzung.) Denn das war die Aufgabe der Propheten, wie sie hervorgegangen aus den drei Prophetenschulen Samuels, Politiker der Gotteslehre zu sein, Führer des Volkes, die ihr politisches Horoskop nach den Gesetzen der ewigen Wahrheit einstellen, und nicht nach den ephemeren Bedürfnissen der nächsten Wahlen, Politiker der strengen Wahrheit und nicht des Kompromisses, Politiker der ganzen von Gott geschaffenen Menschheit und nicht bloß der eigenen Partei, Gottespolitiker, die sogar die Vertreibung des eigenen Volkes von Heiligen Boden herbeisehnten, als es nach babylonischer Unsitte gottlos geworden ist; wohl wissend, daß bloß das Heimweh in weiter Ferne, bloß der Druck durch fremde Völker, es wieder zurückführen wird zu Gott und Glauben. Um sich diesem Läuterungsprozeß nicht zu entziehen, sagte dieser Weltpolitiker: „Wer sich nicht beugen wird dem Joche des Königs von Babel (welches ich über euch verhänge), an dem werde ich es ahnden" (Jeremias, Kap. 27, Vers 8). „Wer aber beugen wird seinen Hals in das Joch, den werde ich lassen auf seinem Boden, daß er ihn bearbeite und darauf wohne" (ieremias, Kap. 27, Vers 11). Und damit das gottlos gewordene Volk lerne, sich dem Beschlüsse rückhaltlos zu fügen, heißt es weiter: „So spricht der Ewige zu all' den Weggeführten von'Jeroschulajim nach Babel: Bauet dort Häuser — und bewohnet sie: pflanzet Gärten — und esset ihre Frucht; nehmet Frauen — und mehret euch dort; suchet das Wohl der Stadt, wohin ich euch weggeführt habe — denn ihr Wohl ist euer Wohl" (Jesaia, Kap. 29, Vers 7). Aber auch die strafende Rute soll bestraft werden, wegen verübter Grausamkeiten und Drangsalierungen. „Das Volk, welches deine Nachkommen bedrückt", sagte Gott zu Abraham, „werde ich bedrücken" (I. B. M., Kap. 15, Vers 14). „Ich werde es ahnden an den Königen von Babel, wie ich es geahndet habe, an den Königen von Aschur" (Jeremias, Kap. 50, Vers 18). „Und ich werde vergelten Babel und den Kasdim alles Böse, das sie an Zion verübt haben" (Jeremias, Kap. 51, Vers 24). Von Babels Prunksucht und Unzucht und seinen grausamen Gesetzen sagt Jeremias (Jeremias, Kap. 51, Vers 9 und folgende): „Ein goldener Becher ist Babel in Gottes Hand, von seinem Wein berauschen sich die Völker,---- doch bis zum Himmel steigt sein Strafgericht---gekommen ist sein Ende---Trümmer für ewig, Wohnung für Schakale" und im Vers 48 "desselben Kapitels: „Vom Norden kommen über dich die Verwüster" — und vom Norden kamen sie, die Perser, die Bezwinger Babels, unter deren humanen Regierung Cyprus der Perserkönig, dem Volke Israel die alte Heimat wieder schenkte, ihnen den Propheten