Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 10 (9.3.1928)
- Date
- 1928-03-09
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
- Belongs to
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Öffi WAHRHEIT jiftiii^^ 5^ f j klären. „Recht gern," erwiderte der Gelehrte. „Ich bin also der Verfechter einer neuen Theorie von der Relativität. Wird sie sich als richtig bewähren, werde ich bei den Deutschen ein Deutscher sein, bei den Franzosen ein Jude. Sollte sie sich indes als unrichtig erweisen, dann bin ich bei den Franzosen ein Deutscher, bei den Deutschen ein J u d e." Wieviel ist der „Internatilhale Jude" wert? Im „Börsenblatt für den deutschen Buchhandel" verkündet Theodor Fritsch, der „Altmeister" des Ritualmordes, daß er; berechtigt sei, seine Ausgabe des Fordschen Buches „Ü^er internationale Jude" weiter zu verkaufen. Die Vorgeschichte ist folgende: Fritsch ist. wie wir einmal ausführlich schilderten, ein Freund des mühelosen Verdienstes, und er hat Henry Fords, des Bekehrten, der bekanntlich sein Buch vernichten läßt, Verlegenheit ausnützen wollen. Er hat von ihm 40.000 Mark für den Verzicht auf das Vertriebsrecht verlangt. Der Vorschlag Fritsch' war befristet, und die Frist scheint ergebnislos abgelaufen zu sein,' denn Fritsch erklärt jetzt in der erwähnten Annonce, daß er, gestützt auf die urheberrechtlichen Gutachten prominenter deutscher Juristen berechtigt sei, seine Ausgaben des Fordschen Buches weiter zu vertreiben; er biete also dem geehrten Publikum die ungemein bedeutungsvollen Betrachtungen Henry Fords weiterhin zum Kauf an. — Es bleibt abzuwarten, wie Ford auf diesen Schachzug (man kann auch sagen: Erpressungsversuch) des ehrenwerten Herrn Fritsch reagieren wird . . . Professor Einstein geht nicht nach Jerusalem. Mehrere ausländische Zeitungen und zuletzt „Chicago- Tribüne" brachten die Meldung, daß Prof. Albert Einstein, der vor einiger Zeit in Holland geweilt hat, um seinein Freunde, dem vor kurzem verstorbenen weitberühmten Physiker Prof. Lorentz, einen Nachruf zu halten, nicht mehr nach Berlin zurückkehrt, sondern sich von Holland direkt nach Jerusalem begibt, um eine Lehrtätigkeit an der hebräischen Universität aufzunehmen. Wie der Jüdischen Telegraphen-Agentur aus der nächsten Umgebung von Prof. Einstein, der übrigens wieder in Berlin weilt, mitgeteilt wird, war keine Rede davon, daß Prof. Einstein an die Universität nach Jerusalem gehen soll; im übrigen bestünden Meinungsverschiedenheiten zwischen Prof. Einstein und dem Universitätskomi t e e. Verleumder auf der Flucht. Im Herbste vorigen Jahres machten die Kolporteure einer Zeitung, die sich „V o 1 k s k a m p f" nannte, die Straßen und Plätze Wiens unsicher. Es war dies ein Blatt, welches mit den niedrigsten Mitteln arbeitete und hoffte, durch die Sensation der Lüge das zu ersetzen, was ihm an Geist mangelte. Am 21. September vorigen Jahres erschienen in großer Aufmachung zwei Aufsätze. Die Angegriffenen rückten aber dem Blatte an den Leib und verlangten, daß der verantwortliche Schriftleiter Fritz S a r a u e r vor dem Geschworenengerichte die Wahrheit seiner Angaben beweise. Aber weder Fritz Sarauer, noch der Herausgeber und Verleger Josef Müller hatten den Mut, für ihre Anschuldigungen einzutreten. Fritz Sarauer verkroch sich hinter die Vernachlässigung pflichtgemäßer Obsorge und behauptete, von dem Erscheinen der beiden Artikel keine Kenntnis zu haben. Auch Josef Müller hatte nicht den Mut, für die herausgegebenen Verleumdungen einzutreten. Dr. Knapitsch erhob sohin in Vertretung der Angegriffenen die Anklage wegen Vernachlässigung pflichtgemäßer Obsorge. Er brachte die Klage jedoch derart ein. daß dem „Volkskampf" die Möglichkeit gegeben war, vor dem Strafbezirksgerichte in einem billigen Verfahren den Wahrheitsbeweis anzutreten. Aber auch diese Aufforderung an die Verleumder nützte nichts. Sie zogen es lieber vor, auszukneifen. Fritz Sarauer wurde wegen Vernachlässigung der pflichtgemäßen Obsorge verurteilt, durch das Gericht der Verfall des Druckwerkes „Der Volkskampf" ausgesprochen und der Herausgeber Müller zur Veröffentlichung des Urteils und Tragung aller Prozeßkosten verurteilt. Wieder einmal sind zwei Verleumder gerichtet, die sich durch ihr Verhalten außerhalb des Kreises anständiger Menschen gestellt haben. — Um Irrtümern vorzubeugen, sei vermerkt, daß dieser geharnischte Gerichtsaalbericht mit einigen Streichungen der nationalsozialistischen „Deutschen Arbeiter- Presse" entnommen ist. die sich über die Verleumdungen des inzwischen selig in Wotan entschlafenen „Volkskampf" wohl nur deshalb aufregt, weil die Angegriffenen — ihre Herron Gattermayer und Schulz waren. fiunrt und Literatur Vortrag. An Stelle des für den 27., Februar vom Verein für jüdjsche Geschichte "und Literatur angekündigten Vortrages über „Die Judenfrage auf dem Berliner Kongreß 1878", der infolge Nichterscheinens des Herrn Dr. N. M. Gelber entfiel, fand eine vom Vorsitzenden, Herrn Rabbiner Dr. Rosenmann, eingeleitete ebenso interessante wie wertvolle Diskussion übeT die in letzter Zeit erfolgten Ausgrabungen im Orient statt, welche die Historizität der in der Bibel überlieferten Begebenheiten bestätigen. Dr. Rosenmann besprach eingehend den Fund der Papyri von A s s u a h n, welche über die Zeit Esras Aufschluß geben, dann den von U r, der den Beweis von der Existenz von Schulen in ältester Zeit erbringt, und den so viel umstrittenen Codex Hammurabi, dem „Amrofel" der Bibel. Dr. I m a 1 i s besprach die Brief© von Tel-Amerna, welche die politische Stellung Palästinas zwischen dem Perserreich und Aegypten beleuchten und das Verhältnis der Hebräer zu den Hetiten. Die höchst anregende Aüssprache, an der sich unter anderen auch der Referent beteiligt hat. zeigte den Verein auf der Höhe der Aufgabe, die er sich gestellt hat. Med.-Rat Dr. H. Haase. Universitätsvorträge des Maimonides - Institutes über hebräische Literatur und Geschichte des Judentums, im Hörsaal 34 der phil. Fakultät vom Dozenten am Institut, Herrn Dr. A. Kaminka: Montag, den 12. Februar 1928, abends 6K» Uhr, über Jesaja (Widerlegung der Deuterojesaja-Hypothese); Mittwoch, den 14. Februar. 6K» Uhr, über Josephus rlavius Schrift gegen Apion. Im Institut, Zirkusgasse 33: Dienstag, Rabbiner M. Horowitz: 6 Uhr „Chowoth halewawoth": 7 Uhr: Midrasch. Donnerstag. 6 Uhr: Dr. A. Kaminka: „Die hebräischen Genisa-Fragmente von Ben Sira"; 7 Uhr: More Nebuchim. Samstag, 4 Uhr: Dr. N. Goldstein, Midrasch: * Uhr: Talmudisches Erbrecht. Vorlesung Uriel Birnbaum. Sonntag, den 18. März, genau 7 Uhr abends, im großen Saale des Ingenieur- und Architektenvereines, I., Eschenbachgasse 9, Vorlesung Uriel B i r n b a u m: „Aus eigenen Werke n". Vorverkaufskarten Konzertkasse Gutmann. Vorlesungen am Wiener Beth-Hamidrasch (II., TeinpeU gasse 3). Samstag, den 10. März, 4 bis 5 Uhr. Lektor Rabbiner Rubin: Kultus bei den Israeliten; Sonntag, den 11., 5 bis 6 Uhr, Dr. Lektor Rabbiner Gelb haus (Mechilta): 6.bis 7 Uhr, Dr. Lektor Rabbiner Rubin: Midrasch, nach den Quellen erläutert und interpretiert; Montag, 6 bis 7 Uhr, Rabbiner Dr. Lektor Rubin: Reliquienphilosophie: 7 bis 8 Uhr, Prof. Dr. Kraus: Liturgie; Dienstag, 6 bis 7 Uhr. Professor Dr. Kraus: Liturgie (Seder Hatfilah); 7 bis 8 Uhr, Dr. Lektor Pabbiner Gelb haus 'Esr*): Mittwoch. 6 bis 7 Uhr. Pv. Rabbiner Gelb haus (Esra); 7 bis 8 Uhr, Dr. Lektor Rabbiner Rubin: Talmud. Spezifikation (Schimuj) talmudischer und römischer Rechte: Donnerstag, 6 bis 7 Ubr, Hofmt Dr. Professor Rektor Schwarz: Mischna; 7 bis 8 Uhr. Dr. Lektor Rabbiner Gelbhaus: Sentenzen des Rabbi Nathan. Die Adalbert Stifter-Gesellschaft in Wien hat durch ihren Vorsitzenden, Herrn Dr. Josef Bindtner. an Herrn Rabbiner Dr. V. K u r r e i n in Linz, den Verfasser des in Nummer 5 und 6 der „Wahrheit" aus Anlaß des 60. Todestages Stifters veröffentlichten Feuilletons „Abdias". nachstehendes Schreiben gerichtet: „Hochverehrter Herr! Empfangen Sie den verbindlichsten Dank für die so liebenswürdige Spende Ihres schönen Aufsatzes über Adalbert Stifters „Abdias", womit Sie die Stifter-Literatur und unsere Sammlung um einen wertvollen Beitrag bereichert haben. Mit besonderem Interesse habe ich Ihre feinfühlige, völlig neue und zutreffende Auffassung des „Abdias" gelesen und nur bedauert, daß ich sie in meiner eben im Erscheinen begriffenen neuen Biographie des Dichters nicht mehr verwerten konnte. Mich Ihnen in vorzüglicher Hochachtung dankbarst empfehlend, zeichnet ergebenst Dr. Josef Bindtner, Vorsitzender." Ahne Palliere. Das unbekannte Heiligtum. Berlin W. 9. 1927. Der Heine-Bund. — Diese in ihrer Art einzige Bekenntnisschrift darf das jüdische Buch der Saison genannt werden, wenn man damit nicht sagen will, daß es nur ephemäre Bedeutung habe. Wie wenigen ist dieser eigentümlichen literarischen Erscheinung vielmehr unabsehbare Dauer vorauszusagen, jedenfalls zu wünschen. Das Persönliche und alles Accidentielle darin verschwindet, alles Biographische und Historische tritt zurück hinter der alles überwältigenden Tai-