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Die Wahrheit · 1928-03-09 · Heft 10 (9.3.1928) · page 12

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
– (sequence 12)
Language
German
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Seite 12 OK WAHRtlEH sache der unwiderstehlichen Werbekrait, die das Judentum noch heute auf ein tief religiös eingestelltes Gemüt auszuüben imstande ist. Ein Ungefähr führt einen angehenden Abbe* an einem Jomkippur in die Synagoge zu Lyon und, ohne zunächst die Worte des Gebetes zu verstehen, wirkt der Genius loci auf ihn derart, daß mit diesem Moment eine Umstellung seines ganzen inneren Menschen einsetzt. Er macht sich mit der Sprache unserer Gebete vertraut, vertieft sich in das Original unserer Bibel, geht dann zu dem späteren jüdischen Schrifttum über und sein Umgang mit Vertretern jüdischen Geistes und Kultes, sein Einblick in das jüdische Familienleben, alles das löst seine innere Verbindung mit dem angestammten Glauben und gibt ihm den glühenden Wunsch ein, Jude zu werden. Einem ähnlichen Eindruck verdanken wir das wertvolle Buch „Das Heilige" von Otto, einem christlichen Professor an der Universität Marburg, der in Marokko gleichfalls an einem Versöhnungsfeste einem jüdischen Gottesdienste beiwohnte und dadurch die Anregung zu dem genannten, bereits in 13. Auflage vorliegenden Werke erhielt. Wie aber in Palliere diese Begegnung mit dem Judentume nicht nur zu einem Erlebnis, sondern zum Beginn eines neuen Lebens wurde, das schildert er selbst mit solch hinreißender Wärme und solch spannender Darstellungskraft, daß sein Buch selbst dem ganz Unbeteiligten eine fesselnde und überaus lehrreiche Lektüre bietet. Uns Juden aber hat sie mehr zu bedeuten. Sie lehrt uns, auf unser Eigenstes uns besinnen, darüber zu wachen und es denen erhaäten, die nach uns kommen. Dr. G. W. Jansen, „Die Kinder Israel". Braunschweig 1927, G. Westermann. „Ein furchtbares Buch." Damit legt man als jüdischer Leser diesen „Mose-Roman", wie der Untertitel lautet, aus der Hand. Spannend, wie wenige, von einer Kunst und Kraft, die Staunen erregen, wird dieser Band auf dem Bücherbrett der Rassenfanatiker einen Ehrenplatz einnehmen. Mose ist hier Bastard, Sohn des ägyptischen Wesirs (!) Amram und der Prinzessin Bithja. In Unkenntnis seiner Herkunft aufgewachsen, vom Könige zum Thronfolger bestimmt, wirft er, als ihm das Geheimnis sich lüftet, alles, was an diese Erde ihn fesselt, von sich, um ganz der Stimme seines Hebräerblutes sich zu verhalten und 1er Erlösung seines Volkes seine ungeteilte Kraft zu weihen. Seine Feuerseele schmilzt allen Widerstand. Gigantisch ragt sein Werk über alles Menschenmaß, hinreißend Feind wie Freund zur Bewunderung und Verehrung — der Macht des Blutes. Was dieses Buch so gefährlich macht, ist nicht so sehr die Willkür, mit der hier Geschichte duirch Dichtung verdrängt und verfälscht wird, sondern weit mehr die irreführende Schilderung der Hebräer dn Aegypten. Hier spricht ein echter Hakenkreuzritter. Kein Laster, das diesen bösen Semiten nicht anhaftete. Ist der Verfasser selbst irregeleitet, dann ist es ebenso zu beklagen, wie daß er solche Kraft so gegen Wahrheit und Gerechtigkeit mißbraucht. Dr. G. Kurt Münzer: „Jude ans Kreuz", Roman. R. Lö w 11 Verlag Wien und Leipzig. „Ein Buch für . . .? nicht allein für Juden, nicht allein für Judengegner; denn alle sind darin und alle haben ihr Recht und einer wird hier vom andern und für den andern lernen!" — so preist der Verlag das Buch an. Nun, der Judengegner dürfte das Buch ob seiner dick aufgetragenen Tendenz ablehnen und selbst der Glaubensgenosse, der in Zeiten der antteemitischen Hochflut keine großen Forderungen an Abwehrschriften glaubte stellen zu müssen, wird zu einer Ablehnung kommen. Schon rein äußerlich verletzt das Buch in seiner Aufmachung. Der Titel in schreiendem Rot auf dem äußeren Einbanddeckel täuscht eine antisemitische Schrift vor und verletzt den ahnungslosen Glaubensgenossen, reizt den Gegner auf. — Aber auch der, welcher das bisher Erschienene des Verfassers — etwa sein „Kinder der Stadt" — mit großem Genuß gelesen hat, wird von Schwächen der verschiedenen MUieuschilderungien, und darin sollte die Stärke des Buches liegen, enttäuscht. Rudolf Apt, Hannover. WonWochezu IDockc Die Juden in den Großstädten. Das Internationale statistische Institut im Haag hat soeben ein^Werk über die Statistik der Großstädte der Welt veröffentlicht. Daraus seien die Angaben, die das Institut über die Zahl der jüdischen Einwohner der Städte 'über 100.000 Einwohner macht, angeführt, obwohl einige dieser Zahlen nach alten Volkszählungen angegeben sind, andere offenbar auf ungenauen Ermittlungen beruhen. Die Zahlen sind in der Reihenfolge der Länder in dem (in französischer Sprache abgefaßten) Werk angegeben; in Klammern ist die Zahl der Gesamtbevölkerung der einzelnen Städte angeführt: Groß-Berlin 172.672 (4,024.165), Hamburg 19.794 (1,079.126), Kölm 12.158 (516.627), München 10.068 (680.704), Leipzig 12.594 (679.159), Dresden 3734 (548.308). Stuttgart 4548 (341.967). Chemnitz 2796 (331.656), Dortmund 3618 (295.026), Magdeburg 2361 (297.020), Bremen 1328 (294.966), Königsberg 4042 (279.428), Duisburg 2001 (274.732), Wien 201.513 (.865.780) (wie das Werk angibt, laut Volkszählung vom 7. März 1923), Sofia 17.038 (154.025), Kopenhagen 4637 (561.345), Danzig 4544 (203.164), Reval 1963 (122.419), Helsingfors 954 (160.921), Budapest 207.015 (960.995) (Zählung vom 24. Dezember 1925), Rom 6667 (542.123), Mailand 3317 (599.200), Turin 3087 (427.106), Genua 970 (272.221), Florenz 2569 (232.860), Riga 39.443 (337.669. Februar 1925), Oslo 852 (258.483), Amsterdam 68.760 (683. 166), Rotterdam 10.876 (516.271). Haag 9150 (354.987), Warschau 155.860 (452.079), Bukarest 43.682 (351.321), Moskau 15.993 (1,617.700). Der Jude von Katzelsdorf. In Katzelsdorf wohnte seit 45 Jahren der Krämer Mayer Adler als einziger Jude. Vor einer Woche ist er, 76 Jahre alt, gestorben. Adler war wegen seiner Rechtlichkeit und Anständigkeit im ganzen Orte sehr beliebt und geachtet. Bei seinem Leichenbegängnis kam dies ganz besonders zum Ausdruck. Fast die ganze Bevölkerung nahm an dem Leichenbegängnisse teil und der Oberrabbiner von Wiener-Neustadt, Heinrich Weiß, der dem Verstorbenen einen überaus ehrenden Nachruf hielt, benützte diese Gelegenheit, über den konfessionellen Frieden zu sprechen. Tempelverein „Aeschel Awrohoin", (IL, Pazmanitengasse Nr. 6). Sonntag, den 4. März fand im großen Sitzungssaale die diesjährige (52.) ordentliche Generalversammlung unter dem Vorsitze des Vereinsobmannes Herrn Oskar Schramek statt. In Vertretung der Wiener israelitischen Kultusgeaneinde erschien Vizepräsident Dr. J. O r n s t e i n, die Organisation der Wiener Tempelvereine vertrat Herr Präsident Börserat J. Glück. Obmann Oskar Schramek eröffnete um 10 Uhr vormittags die Generalversammlung und begrüßte die erschienenen Gäste und Mitglieder auf das herzlichste. Vor Eingang in die Tagesordnung widmete er dem verstorbenen verdienstvollen Oberrabbiner Prof. Dr. H. P. C h a j e s sowie den verstorbenen Vereinsmitgliedern einen tiefempfundenen Nachruf, welche Trauerkundgebung von der Versammlung stehend angehört wurde. Hierauf erstatten Schriftführer D. Diamant den Tätigkeitsbericht und Vizepräsident I. Schönherz den Rechenschaftsbericht über das abgelaufene Vereinsjahr, aus welchen hervorging, daß die allgemein schlechten Wirtschaftsverhältnisse sich leider auch beim Verein ausgewirkt haben und daß es nur der Opferfreudigkeit der Vereinsmitglieder zu danken ist, daß das Geschäftsjahr trotz des großen Budgets von zirka 1 Milliarde ein kaum nennenswertes Defizit ergab. Revisor Fritz Hermann gab nun die Erklärung ab, daß er im Vereine mit dem Revisor Rudolf L e i t n e r alle Bücher und Belege überprüft und in bester Ordnung befunden habe, und stellte den Antrag, dem Vorstande das Absolutorium zu erteilen. Vereinsmitglied Herr Heinz K o h n unterzog in ausführlicher Rede den Tätigkeitsbericht, ganz besonders aber den |m |*| g g LpJ^ Q |£ | |{ F ER NSPRECH-NUM MER 45-1-91 m^~^TZTC\ PPENHEIM WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 ^^^^^^^^^^^^^^^^^m Belebe Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen Atelier für Innendekoration, stets große Auswahl von Möbeln aller Stilarten In jeder Preislage.

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