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Die Wahrheit · 1928-03-09 · Heft 10 (9.3.1928) · page 5

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
– (sequence 5)
Language
German
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DIE WAHRHEIT MUiiuiiiHiumnimiuimiiiuuiuuituiMiiiiuiuuu^ ser Stelle diese Frage zu erörtern, aber das glaube ich doch sagen zu dürfen, daß die „Reichspost" ihren Standpunkt nicht klug vertritt, wenn sie die Frage aufwirft, ob der Verfassungsgerichtshof auch bei der Meinung verbleibe, daß „an einer Judenschule (das ist wohl die zarte Umschreibung für eine Schule mit jüdischer Schülermehrheit) der Religionsunterricht und die sittiich-religiöse Eziehung von einem Hakenkreuzler besorgt werden kann". Es scheint, daß die „Reichspost", weil sie selbst oft es ignoriert, daß die Hakenkreuzler grundsätzlich zur Mißachtung sowohl der jüdischen wie der christlichen Religion gelangen, auch dem Verfassungsgerichtshof diesen kleinen Irrtum zumutet. * * Der Zufall will es, daß just an dem Tage, an welchem die „Reichspost" in Wien den Unterschied zwischen dem Glaubensbekenntnis der Hakenkreuzler und dem katholischer oder protestantischer Lehrer übersieht, eine Gerichtsverhandlung in Berlin diesen Unterschied in sehr helle Beleuchtung rückte. Es handelte sich um den Fall des greisen Pfarrer Stucke, den ein unseliger Zufall in eine Hakenkreuzlerversammlung gebracht hatte, in der neben anderen Schriftstellern ganz besonders einer als „Jude" beschimpft wurde. Der Pfarrer war trotz seiner weißen Haare so unvorsichtig, einen der brüllenden Hakenkreuzler daran zu erinnern, daß er auch gerade nicht besonders germanisch aussehe. Schlagfertig widerlegte dies der Hakenkreuzler, indem er den Pfarrer gemeinsam mit gleichgesinnten Genossen so fürchterlich zurichtete, daß dieser ins Krankenhaus gebracht werden mußte. Wie viel Zeit die völlige Herstellung des Mißhandelten beanspruchte, war aus dem Gerichtssaalbericht nicht ersichtlich. Aber man erfährt wenigstens, daß zwei Hakenkreuzler, die am nachdrücklichsten ihre Lehren dem PMfrer eingebläut hatten, vom Richter sechs und vierWVochen zur ungestörten Revision ihrer Erziehungsmaximen zugesprochen erhielten. Uebrigens hätte die „Reichspost" wirklich nicht erst auf Berlin warten müssen, um die „sittlich-religiösen" Prinzipien der Hakenkreuzler näher kennen zu lernen. * * Die Gesetzesvorlage über den Numerus clausus ist auch bei der Detailberatung angenommen worden. Nun ist es nicht ausgeschlossen, daß gelegentlich auch das perzentuelle Verhältnis bei der Aufnahme jüdischer Studenten noch verschlechtert wird. Als Ersatz dafür mag ein Zugeständnis des Unterrichtsminister Graf Klebeisberg gewertet werden. Er war so hochherzig, nach der Erklärung Paul Sändors, es sei schmachvoll, daß an den ungarischen Hochschulen es oft fünfzehn nichtjüdischen Studenten beliebt, über einen jüdischen herzufallen, zu versichern, „daß dies natürlich jeder tief mißbillige". Man darf die Mißbilligung dieses perzentuellen Verhältnisses im Munde eines Klebeisberg nicht unterschätzen. Das ist ja derselbe Unterrichtsminister, der vor kurzem erst, als von den Ausschreitungen der studierenden Jugend die Rede war, pathetisch ausrief: „Ich liebe diese Jugend", aber damals nicht im Traume daran dachte, wenigstens seinen Abscheu vor jenen auszusprechen, die fünfzehn über einen herfallen. kann jeder Strenggläubige ohne Bedenken Kunerol verwenden. Die KunerokErzeugung steht bis zur Verpackung des gebrauchsfertigen Naturfettes unter strengster Aufsicht des Herrn Bezirksrabbiners S. Ehrenfeld zu Mattersburg. KUNEROL 100% REINES KOKOSNUSSFETT Bei der Horthy-Feier im ungarischen Parlament blieb das Haus halbleer. Auch die Gegner dieses iMannes sollten eines nicht vergessen. Zur Zeit, als die Welt entsetzt über die im „patriotischen Eifer" verübten Mordtaten war, konnten die prinzipiellen Bekämpfer der Todesstrafe es freudig als unbestreitbares Verdienst Horthys feststellen, daß die für die Mörder aufgestellten Galgen in Ungarn ganz leer blieben. * * Der einstige ungarische Landespolizeipräsident Nadossy, den die Francs-Affäre, die Frankreichs Interessen berührte, in das Zuchthaus brachte, wurde vor einigen Tagen, als ihn die Leute auf einem Jahrmarkt erkannten, mit frenetischem Jubel begrüßt. Oft schon hörte man, daß Politiker mit ihrem guten Geld falsche Huldigungen bezahlten. Daß aber einer für gefälschtes Geld echte Ovationen einheimst, ist wirklich neu. Ego. Bekenntnisse eines Schnorrers. Die Zentralstelle der jüdischen Wanderfürsorge für Baden und Pfalz, Mannheim, veröffentlicht — und zwar nach dem genauen Wortlaut des Originals — das schriftlich niedergelegte Bekenntnis eines jungen Mannes, der vor 4 Jahren dem Wanderbertel anheimfiel und sich seitdem unter verschiedenen Namen und mit gefälschten Papieren im westlichen Europa, besonders aber in Süddeutschland herumgetrieben hat. Dies Bekenntnis ist eine laute Anklage gegen alle diejenigen, welche sich durch die unbedachte Art, wie sie

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