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Die Wahrheit · 1928-03-09 · Heft 10 (9.3.1928) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 10 (9.3.1928)
Date
1928-03-09
Page
– (sequence 2)
Language
German
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Seite 2 iiiiiiiiiiii'iiii'»!»»»»'™ DIE WAHRHEIT trusts durch die Blätter ging, proklamierte eine vielgelesene römische Zeitung einen förmlichen Feldzug gegen die Juden, die mit diesem „jüdischen Kartell" Italien aufs Trockene setzen wollten. Nach den Attentaten auf Mussolini konnte man aus manchen Federn den Satz lesen, daß die jüdische Hochfinanz dabei zu den Hauptschuldigen zähle. Es hat sich allmählich das Faktum herausgebildet, daß das Judentum für manche Blätter eine beliebte Figur im Scheibenstand geworden ist, auf die politische Schützen, die sich zunächst im Kleinen üben wollen, ihre Flinte richten. Solche Allüren eines politischen Dilettantentums sind weit verbreitet, aber für die Objeke dieser Probierkunststücke wenig angenehm. Eine fatale Beigabe für die italienischen Juden ist dabei die Rolle, die ihre Stammesgenossen in der französischen Regierung nach faschistischer Denkungsart spielen. Mühsam zurückgestaute antipathische Gefühle gegen Frankreich finden ihre Entladung in dem Wettern gegen die „Demokratie des Sozialisten Leon Blum". Alles in allem vermissen die italienischen Juden neuerdings die Behaglichkeit, die sie unter dem Liberalismus genossen, wenn man auch kaum wagen wird, dies öffentlich zuzugeben. R. v. F. Rozsa und Paul Sändor. Wir erhalten vom Herrn Dr. Ludwig S z ab o 1 c s i, Chefredakteur des „Egyenlöseg", Budapest, folgende Zuschrift: Sehr geehrter Herr Redakteur! Gerade jetzt, wo die ungarische Judenschaft mit begeisterter Liebe und Dankbarkeit ihren Verteidiger und den Vorkämpfer für ihre Rechte, den Abgeordneten Paul Sändor feiert, erscheint in dem Wiener zionistischen Organ „N e u e W e 11" ein Angriff gegen ihn. Offen gestanden, es wäre nicht der Mühe wert, auf diese niedrigen, verlogenen Betrachtungen zu reagieren, von denen man im ersten &>uUloten Die alten Gesetze. Von Joseph Lazarus. Herrn Prof. Dr. Moses S c h o r r, Rabbiner in Warschau, verdanke ich den Stoff dieses Werkchens, Herrn Rabbiner Dr. Simon Rubin, Lektor am Beth- Hamidrasch in Wien, den biblischen Kommentar hierzu. Herrn Dr. B. W a c hstein, Bibliothekar der- Israelitischen Kultusgemeinde in Wien, die Durchsicht des Manuskriptes. Meinen besten Dank drücke ich hiermit diesen großen Gelehrten aus. Dem Andenken meines lieben Sohnes Felix gewidmet, geboren am 27. Oktober 1897, gestorben am 1. Dezember (16 Kislew) 1917. Wer das Alter des Psalmisten erreichte, der sah mit eigenen Augen einen Abschnitt der Weltgeschichte vorüberziehen. Er sah wie alte Reiche stürzen — und neue entstehen; er sah wie führende Mähner vorüberziehen — und nie wiederkehren: er sah aber auch, wie Ideen, in denen früher Genera- Augenblicke kaum sagen kann, in welcher rassenschützlerischen, antisemitischen Zeitung sie Platz hätten finden können. Iii dem Tone, den die „Neue Welt" anschlägt, schreiben ja heute über die führenden jüdischen Männer nicht einmal mehr die rassenschützlerischen Pogromhetzer. Wenn ich trotzdem, Sie, geehrter Herr Redakteur; bitte, meiner Antwort in Ihrem geschätzten Blatte Raum zu geben, so tue ich dies darum, weil ich Gewicht darauf lege, daß alle Kreise der deutschlesenden Judenheit sich klar darüber werden, daß das, was die Strickers über die allgemein geachtete Persönlichkeit Paul S ä n d o r s und seine politische Tätigkeit schreiben, vom ersten bis zum letzten Buchstaben nichts als niedrige Lügen enthält Die Wiener Zionisten wagen es, Paul Sändor zu beschuldigen, daß er die Interessen der ungarischen Judenheit durch seine politische Tätigkeit verraten habe. Ich will heute nicht davon sprechen, was Paul Sändor vor dem antisemitischen Kurs für die ungarische Judenheit bedeutete. Daß unter anderem er es war, der hunderte der verfolgten rumänischen Juden vor dem Untergange gerettet hat; daß er in seinem ehrlichen, warmfühlenden jüdischen Herzen anläßlich der russischen Pogrome unendlich viel Gutes für die Verfolgten und Verlassenen geleistet hat. Von all dem will ich heute nicht ausführlich sprechen. Da aber die Wiener Zionisten von der parlamentarischen Stellungnahme Paul Sändors in der Frage des Numerus clausus zu sprechen wagen, muß ich feststellen, daß im Jahre 1920, im Geburtsjahre des Numerus clausus, als die antisemitische Hetze ihren Gipfelpunkt erreicht hatte, Paul Sändor es war, der mit Todesverachtung, mit Preisgebung seines eigenen Lebens, in der Nationalversammlung für die Verteidigung der heiligsten Rechte^ der ungarischen Judenheit eintrat. Paul Sändor war es auch, der seit 1920 in zahllosen Fällen im Parlament wie auf jedem Forum des tionen herangewachsen, von den Nächsten . . . über Bord geworfen werden. So wuchs meine Generation im Glauben heran, daß das Gesetz M o s i s das älteste Gesetz der Menschheit sei. Da kam im Jahre 1902 aus Persien die Kunde, daß in S u s a ein Diorit-Block von französischen Gelehrten ausgegraben wurde, in welchem Hunderte von Paragraphen, in 44 Kolonnen gereiht, eingemeißelt waren. Die Inschrift besagt, daß ein babylonischer König, namens H a m u r a b i, dasselbe erlassen, welches so weit gelte, als die babylonische Zunge reicht, das ist für ganz Babylonien, Assyrien, Persien, Mesopotamien und Svrien: also vom Mittelländischen Meere bis zum Euphrat und Tigris. Hamurabi (den die Bibel A m r a p h e 1 nennt) war Zeitgenosse Abrahams, der 500 Jahre vor Moses lebte. Der persische Diorit-Block wurde durch diese Kunde zum' steinernen Zeugen eines V o r - Mosaischen Gesetzes. Die Berliner Feinde Israels wollten den Kaiser bewegen, dem Hamurabi ein Denkmal zu errichten, damit die Berliner es merken, daß sie ihre Kultur den Babyloniern und nicht den „Mosaischen" zu verdanken haben. Daß dies nicht sehr schmeichelhaft für die Berlinische Kultur gewesen wäre, wird sich aus Folgendem ergeben. Das im Diorit-Block eingemeißelte Gesetz war bloß die Hamurabische Reform eines älteren babylonischen Gesetzes. Abrahams Vater T e r a c h, ein Süd-Babylonier aus Ur-Kasdim, war offenbar mit den Grausamkeiten dieser Reform nicht einverstanden, wanderte mit seiner Familie aus — gegen Palästina zu — und lebte im Sinne des älteren babylonischen Gesetzes, welches Hausgesetz in der Familie des Patriarchen blieb, bis es Moses verwarf.

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