Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT jiiiiiiiiiiiiiiiiiuiHiiiiiiiiiiiiiiM^ Seite 13 V&n *W&ekezu IDoche Budapester Kultuswahlen. Die unter Führung der Herren Paul Sandor, Dr. S. Glücksthal und Dr. Marcel Hajdu neugegründete konservative Partei hat bei den Sonntag, den '26. Februar, stattgefundenen Repräsentantenwahlen gegenüber der seit vier Jahrzehnten am Ruder befindlichen Partei einen überwältigenden Sieg davongetragen. Die G. Gustav Ehrlich- Gruppe wurde einfach weggefegt. Der Sieg der neuen Partei, der sich auch die Reichsratsabgeordneten Dr. Ernö Brody und Dr. Bela Fabian sowie die Herren Dr. Wilhelm Grauer, Baron Adolf K o h n e r, Andor N a g y, Dr. Emil Zahler. Magnatenhausmitglied Jenö Vi da,. Dr. Marcel B a r a c s, Josef V e s z i angeschlossen haben, bedeutet einen Systemwechsel in der Führung der Pester israelitischen Religionsgemeinde. Präsident dürfte der bekannte Budapester Philanthrop Hofrat Aladar K a s z a b werden. Wir werden über diese hochinteressante Wahl noch berichten. _Dr. Max Grunwald. Josef Grob. Zum 25jährigen Schriftstellerjubiläum. Es ist ein eigen Ding um diejenigen Werke der Dichtung, die, wenn auch nur in einem Körnchen, biographische Bekenntnisse darstellen. Der besondere Duft des Selbsterlebten umwittert sie. Steine, in denen vor Jahrtausende Tiere, von plötzlichem Erdeinbruch verschüttet, fossil geworden sind, verraten den animalischen Beisatz noch heute durch öligen Geruch. So kann auch, was der Dichter uns bietet, und mag derselbe Gegenstand schon von unzähligen anderen vor ihm dargestellt worden sein, doch nie den Beisatz verleugnen, der aus seiner persönlichen Erfahrung stammt, ganz abgesehen von der Besonderheit, die jedes Kunstwerk je nach der Individualität des Künstlers aufweist, durch dessen Seele es gegangen ist. Josef Gr ob's Schriften braucht man nur, be-: liebig auf welcher Seite, aufzuschlagen, und man ^ird sogleich von dem Zauber echter Kunst gebannt. Hier ist eine Künstlerindividualität, hier ist zugleich.' ein Spiegel seines eigenen Lebens. Seines Lebens unter einem Volke, das in ihm, in seiner Seele, in seinem Blute lebt. Es konnte nicht anders sein, als daß auch G r oin wie jeder, der dieses Leben im Ghetto schildert, es als Humorist sieht und malt. Mit einem lachenden und einem weinenden Auge, so hat Mendele, so hat Scholem Alechem, nicht anders auch der ästhetisierende Perez geschrieben. Selbst die Ironie verliert ihre Schärfe, wo das Herz durchschlägt, die Liebe zum Volke spricht. Was Grob uns besonders beachten läßt, ist die Wahl seiner Gegenstände aus dem Ghettoleben mitten in der Großstadt, in den Elendsbezirken Wiens, aus dem Jammer des Flüchtlingsschicksals. Diese Kapitel werden als historische Dokumente zu werten sein, wenn einst glücklichere Tage kommen sollten, aus denen man in geruhiger Stimmung Rückschau halten kann auf das, was der Krieg und sein Schreckensgefolge über uns gebracht hat. Wir freuen uns, Josef Grob als einen der Unseren würdigen zu können und wünschen uns am Tage seiner Jubelfeier mit herzlichem Danke für das, was er uns biher an Gaben seiner Muse geschenkt, in steigendem Maße noch weiter von ihm mit Kindern seiner Kunst erfreut zu werden. Dr. Max Grunwald. Der Bund jüdischer Eltern im 2. Wiener Gemeindebezirke veranstaltet Sonntag, den 4. März 1928, 3 Uhr nachmittags, im Festsaale des Hotel Continental, II., Taborstraße 2, unter Leitung des Religionslehrers Markus Pick ein Purlm-Fest mit einem überaus reichhaltigen Programm, aus dem das Pu r imspi e 1 von Frieda Meh 1 er „Die Megi 11 ah" und eine szenische Darstellung von Religionslehrer Wilhelm Toch, „Die Rolle Esther*, hervorzuheben ist. Vereine „Ferienheim" und „Oesterreichisches Seebospiz in Grado" (Präsidentin Sofie Grünfeld). Der Verein „Ferienheim" entsendet ab 15. Mai in sein eigenes Heim Vöslau, Mühlhof, erholungsbedürftige israelitische vorschulpflichtige Kinder von 4—7 Jahren und ab 1. Juli schulpflichtige Kinder im Alter von 8—13 Jahren gegen abgestufte Beitragsleistung der Eltern. Das „O e s t e r r e i c h r s c h e S e e h o s p i z" nimmt zur Tuberkulose neigende Kinder zur Entsendung in das Seebad Grado (Italien) ebenfalls gegen abgestufte Beitragsleistung der Eltern auf. Anmeldungen an Wochentagen außer Samstag von 10—12 Uhr vormittags (Telephon 11-1-63) im Vereinsbüro, IX., Türkenstraße 17. L. D. Königsbergsche Stiftung — Lele Bond!-Heim. Wien II., Böcklinstraße 59. In dem bezeichneten Mädchenerziehungsinstitut finden acht mittellose jüdische Mädchen aus Mittelstandskreisen im Alter von 10 bis 12 Jahren unentgeltliche Aufnahme; bevorzugt werden musikalisch begabte Mädchen. Gesuche, belegt mit Geburtsschein, Impfzeugnis. Gesundheitszeugnis und mit den Nachweisen über gute Unterrichtserfolge (Schulzeugnisse) sind bis lS. März 1928 in der Amtsdirektion der Kultusgemeinde, I., Settenstettengasse Nr. 4, III. Stock, zu überreichen. 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