Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 9 (2.3.1928)
- Date
- 1928-03-02
- Page
- – (sequence 12)
- Language
- German
- Belongs to
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ä«iie 12 tMüittuniüiii^ DIE WAHRflEU rieh Mann. Fulda, Einstein, Hauptmann usw." Zu diesen gegönnten Ohrfeigen des völkischeil Blattes kämen nun öXe .yftiKucnen aes jucuscnnationaien, nur dali diese eigentlich nur rückwirkende sind. Reinster Teufelsspuk! Finden wir da in einem deutschen Blatt einen längeren Artikel mit der Ueberschrüt „Ein Wort über Rumänien." Natürlich lesen wir ihn. Wir lesen ihn sogar mit pesonderem Interesse. Denn es ist von der J udenf rage in Rumänien die Rede. Aber je methr wir in der Lektüre des Artikels fortgeschritten sind, desto mehr wächst unser Befremden. Es ist davon die Rede, daß man „dem vielgeplagten Rumänien großes Unglück zufügt und für die jüdische Sache nur ,noch größeres Unheil stiftet, wenn man über die antisemitischen Vorfälle schimpft" Die Studenten werden als „halbreife Stürmer" (?!) hingestellt, die „von der ungarischen Kultur beleckt", Läden plündert und Wohnungen demoliert, ohne jedoch — hört das Verdienst! —ohne jedoch irgendeinen pekuniären Nutzen daraus zu ziehen. Man kann sich nun gar leicht vorstellen, zu welchen Folgerungen der Autor kommt Es sei unmöglich, meint er, „den rumänischen Exzessen von einem Tag auf den anderen Halt zu gebieten." Sollen wir noch weitere Zitate servieren? Wozu? Es hieße in der eigenen Wunde wühlen; denn der Autor, der fern vom Schuß, noch weiter prügeln lassen zu müssen meint, er ist — Jude. Und das Blatt, das diesem unsinnigen Gewäsch eines Söldlings seine Spalten öffnet, es ist — jüdisch. Den Namen des Autors zu nennen, ist nicht wichtig. Wohl aber der Name des Blattes: Es ist das „Leipziger Jüdische Familienblat t", das in seiner Nummer vom 3. Februar 1. J. den zitierten Artikel auf der ersten Seite bringt Es ist ein jüdisch nationales Blatt. - Reinster Teufelsspuk! Ein fachmännisches Urteil Eine Wiener Tageszeitung, die jüngst einige der unmöglichsten Phantasien des Ehepaares Ludendorffs wiedergab, bemerkt dazu: Es ist nicht ironisch gemeint, wenn man diese und ähnliche Sätze alsAeußerungen einer geistigen Erkrankung bewertet. Ludendorffs Gehirn und Nerven waren durch vier Jahre einer .fast übermenschlichen Anspannung ausgesetzt, auf welche die seelische Erschütterung durch den Zusammenbruch folgte. Nun scheint er zu allem noch unter dem Einfluß einer krankhaft fanatischen Frau von sehr mäßiger Intelligenz und Urteilskraft geraten zu sein. Der Fall könnte ausschließlich die Nervenärzte interessieren, wenn nicht der Name Ludendorff in manchen Kreisen Deutschlands noch immer eine gewisse Autorität besäße. Dieses Urteil ist um so bemerkenswerter, als es die „Reichspost" fällte, die ja für geistige Erkrankungen kompetent sein muß.__ . Soeben in zweiter verbesserter Auflage erschienen! Pracht-Haggadah schel Pessach mit Riesenlettern. Uebersetzt und erläutert von Dr. Philipp Schlesinger und Josef G ü n s. Zu dem früheren reichhaltigen Inhalt sind noch mehrere Zugaben (Vorschriften für die Vorbereitungen des Pessachfestes) hinzugekommen. Mit vielen farbigen Doppelbildern. Preis in effektvollem Einband.........S 10.— Ausgabe B auf Buttenpapier .... » . ..... 14.— Durch samtliche Buchhandlungen zu beziehen und vom Verlag Jos. Schlesinger, Wien I., Seitenstettengasse 5. kuml und Literatur Der Verein für jüdische Geschichte und Literatur hat am 13. d.[M. seinen Mitgliedern und Gästen einen der genußreichsten Abende zu bieten vermocht. Uriel Birnbaum, der bekannte Maler-Dichter, brachte eine Auswahl teils bereits veröffentlichter, teils noch nicht veröffentlichter Dichtungen zum Vortrag. Er gab gleichzeitig eine interessante Schilderung seines poetischen Werdeganges, sowie der von ihm bevorzugten Versformen, welche außer im Sonett in einer von ihm ntmgefundenen Weise bestehen. Die bekannte Sammlung: „In Gottes Krieg" (Verlag von R. Löwit, Wien) hat eine dankenswerte Bereicherung erfahren. Die leider noch der Veröffentlichung harrenden „Biblischen Sonette" und „Gebete in Sonetten" zeigen die wirkliche Einzigartigkeit eines Dichters, der in unseren Tagen seiner Lyrik einen tiefreligiösen Untergrund verleiht, der die unerschöpfliche Heldengestalt Mosis. die so viele wahre Künstler begeistert hat, gleich anderen biblischen Hauptfiguren in formvollendete poetische Verklärung kleidet Der vom Dichter vorgetragene Prolog seines Schauspiels „Schachpartie", ein in Form, Sprache und Gedankeninhalt blendendes Feuerwerk, läßt aufs tiefste bedauern, daß eine solche, turmhoch über die meisten modernen Theaterstücke ragende Leistung noch unveröffentlicht und unaufgeführt geblieben ist. Wir möchten an unsere Mäzene, an unsere Verleger und andere maßgebende Persönlichkeiten den Appell richten: Uriel Birnbaum ist zum Dichter geboren, er hat die Anerkennung seines Könnens mit dem „Bauernfeld-Preis" errungen, man lasse seine dem Judentum und der gesamten Menschheit zur Erhebung dienenden Werke nicht in seinem Schreibtisch vergraben bleiben, man hebe bei Zeiten die großen Geistesschätze, zu denen sich auch illustrative künstlerische Höchstleistungen gesellen, und lasse den Meister durch wirklich verdiente Anerkennung leben! — In der auf den Vortrag folgenden Generalversammlung des Vereinsvorstandes wurde unter allgemeiner Anerkennung der großen Verdienste um die Vereinsleitung der verehrte Professor Dr. S. K r a u ß neuerdings einstimmig zum Obmann gewählt. Med.-Rat Dr. H. Haase. Hermann Cohens ..Schriften zur Philosophie und Zeitgeschichte". Unter diesem Titel erscheint soeben eine zweibändige Sammlung aus dem Schatze Cohenschen Denkens. Herausgeber sind, im Auftrage der Hermann Cohen-Stiftung der Akademie für die Wissenschaft des Judentums, Prof. Albert G ö r 1 a n d und Prof. Ernst C a s s i r e r. Die „Schriften" bilden eine schöne gemeinverständliche Ergänzung zu den schweren Büchern Cohenscher Systematik. Die vier Teile: Systematisches, Politisches und Zeitgeschichtliches, Persönliches, Rezensionen, enthalten neben manchem bereits verstreut Gedrucktem auch viel Ungedrucktes und Verschollenes. So die längst vergriffene und viel gesuchte Abhandlung: „Das Prinzip der Infinitesimal- Methode und seine Geschiehte". Der Akademie- Verlag, Berlin W. 35, Lützowstraße 16, hat das zweibändige Werk gediegen ausgestattet. Vorlesungen am Wiener Bethamidrasch (II., Tempelgasse 3). Samstag, den 3. März, 4—5 Uhr: Lektor Rabbiner Dr. Rubin, Rolle Esther; Sonntag, den 4. März, 5—6 Uhr: Lektor Rabbiner Dr. Gelbhaus, Mechilta; 6—7 Uhr: Lektor Rabbiner Dr. Rubin, Midrasch, nach den Quellen erläutert und interpretiert; Donnerstag, den 8. März, 6—7 Uhr: HofFat Prof. Rektor Dr. Schwarz, Mischna: 7—8 Uhr: Lektor Rabbiner Dr. Gelbhaus, Sentenzen des Rabbi Nathan. IflYjfifif» 5"°Q Quadratmeter, als Spiel- oder Tumwiese an jüdische Vereine zu vermieten. Auskünfte: Sonntag 2-5 Uhr, XIII.,Biraghig. 5 FE RNSPRECH-NUMMER 45-1-91 MOBELFABRMC SIGM. WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASSE NR. 30 Belebe Auswahl solid gearbeiteter Möbel tu billigsten Preisen Atelier tBr Innendekoration; stets große Auswahl von MSbeln aller Stilarten In Jeder Preislage. —_______ PPENHEIM