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Die Wahrheit · 1928-03-02 · Heft 9 (2.3.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 9 (2.3.1928)
Date
1928-03-02
Page
– (sequence 8)
Language
German
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HOTEL „N ATIONAL" m Restaurantm Wien II., Taborstraße 18 N?.le^so3 Zentrale Lage, 200Zimmer, fließen- Unter der bewährten Leitung des [bestbekannten Restaurateurs;deskaltes und warmes Wasser u. Zentral- S. Grüner. Vorzügl. Wiener, ungarische u. orieiiheizung. In allen Zimmern Telephon | talische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell, ■; Aber das schmerzlichste für eine germanisch-völkische -Seeleisi die Erwägung, daß sogar nach dem Friedenspreis der Nobel-Stiftung zwei Juden ihre Hand ausstrecken durften: Asser und Fried. Also auch die Regionen der höchsten religiösen und politischen Interessen der arischchristlichen Menschheit sind vor den Juden nicht mehr geschützt. Wohin soll es mit uns noch kommen, wenn das so weiter geht? Bedenken Sie, meine Freunde, daß auch noch eine Anasahl von Halb juden, deren Mütter oder Vorfahren Juden waren, den Nobelpreis erhalten haben, während wir doch "Wissen, daß ein Arier, in dessen Adern auch nur ein Tropfen semitischen Blutes fließt, unwürdig ist. z. B. Mitglied der deutschen Studentenschaft" zu sein. Und da hat Paul H e y s e, dessen Mutter Jüdin war, den Nobelpreis erhalten, sodann der Chemiker Otto v. Bayer, der dänische Physiker Bohr, deren Mütter gleichfalls Jüdinnen gewesen, der russische Physiologe Metschnikow, dessen Großvater ein Melamed in Pinsk war und hebräische Flugschriften verfaßte. Ist das nicht empörend? Es gibt ferner eine ganze Anzahl von Juden, denen d i e öffentliche Meinung Europas den Nobelpreis zuerkannte, der ihnen aber aus verschiedenen äußeren Gründen nicht verliehen wurde. So der vor kurzem verstorbene dänische Kritiker Brandes, der Pariser Philosophie- Professor Bergson, der Berliner Bakteriologe August v, Wassermann, der Wiener Psychoanalytiker Siegmund Freud, der verstorbene Physiologe Jacques Loeb. Dabei drängt sich die Betrachtung auf. daß unter den 13Ö bisherigen Nobelpreisträgern die Deutschen mit der Ziffer 30 den ersten Platz einnehmen; es kommt also auf zwei Millionen Deutscher ein Nobelpreisträger. Die meisten Völker •Europas sind in diesem erlauchten Kreis überhaupt nicht vertreten. Der einzige Preisträger mit einem ungarischen Namen, Baranyi. ist Jude und hat früher Ziegenburg geheißen. Von den zwei russischen ist der eine. Metschnikow, -jein Judenstämmling. Die Polen, eine Nation von 25 Millionen, haben nur 3 Preisträger, von denen zwei, die den Literaturpreis erhielten, diese Auszeichnung lediglich politischen Nebenumständen verdanken. Die Juden aber, die alles in allem kaum 12 bis 15 Millionen zählen, von welchen jedoch nur die in Mittel- und Westeuropa lebenden 3 bis 4 Millionen für den Nobelpreis in Betracht kommen — diese Juden erdreisten sich, ganze elf Nobelpreise in Beschlag zu nehmen und sie arischgermanischen Männern zu entziehen, denen sie von Rechts wegen zustehen! Ist das nicht der Gipfel unverschämter jüdischer Vordringlichkeit und Raffsucht? Ist das nicht der reine Hohn auf unsere arisch-germanische Weichmütigkeit und <äeduld?" ... (Hier tritt dem Redner der Schaum vor die Lippen und seine Stimme erstickt vor Wut.) Konkurs. Zahl 885. In der israelitischen Kultusgemeinde M ö d 1 i n g bei Wien ist die Stelle eines Kantors zu besetzen. Bewerber muß geprüfter Religionslehrer und Bal-Koreh sein. Reflektanten wollen ihre Offerte nebst Angabe ihrer Zuständigkeit, Alters, Familienstandes und bisheriges Wirken an den Vorstand einsenden. Zum Probevortrag werden nur Berufene zugelassen, die Reisespesen nur dem Akzeptierten vergütet - - Josef Fischer m. p., Kultuspräsident, Zynismus oder Offenheit? Zur Annahme des neuen ungarischen Numerusclausus-Gesetz es. Man weiß wahrhaftig nicht, ist es Zynimus oder Offenheit, die den ungarischen Unterrichtsminister Graf Klebeisberg veranlaßte, über die Frage des „Numerus clausus" so zu sprechen, wie er es jüngst gegenüber dem Vertreter der Jüdischen Telegraphenagentur getan hat. Seine Exzellenz sagte ungefähr: Wir wollen, bei niemandem unberechtigte Hoffnungen erwecken; ich erkläre daher offen und unverblümt. D a s ne u e Gesetz über den „Numerus clausus" wird in der Lage der jüdischen Studierenden keine günstige Aenderung herbeiführen. Diese Aeußerung im Rahmen eines Interviews, das für die Oeffentlichkeit bestimmt ist, läßt an Klarheit nichts zu wünschen übrig: Der „Numerus clausus" wirdmindestens in d'era bisherigen Umfang aufrechterhalten. Eine Besserung der Lage der jüdischen Studenten ist sonach nicht zu erwarten, eine Verschlechterung — für eine solche hat der Minister keine Grenze gesetzt; sie ist also durchaus nicht geradezu unmöglich. Der Minister hat es gesagt. Und es besteht nicht der geringste Zweifel, daß diesmal sein Wort gilt. Die Regierung hat ihre gesicherte Mehrheit im Rücken, und es fällt dieser Mehrheit gewiß nicht ein, ihre Regierung gerade über das Gesetz vom „Numerus clausus" stolpern zu lassen. Somit ist die Entscheidung über diese Frage schon gefallen und das Fortbestehen dieser Kulturschande des zwanzigsten Jahrhunderts auf Jahre hinaus „gesichert". Was alles ist nicht dieser Entscheidung vorausgegangen! Als die ungarische Regierung vor Jahren den „Numerus clausus" gesetzlich eingeführt hatte und sich die Legitimation zu dieser Maßnahme durch Inszenierung von Massenschlägereien an den ungarischen Hochschulen einholte, ging ein Sturm der Entrüstung durch die europäische Oeffentlichkeit. Intellektuelle aller Herren Länder nahmen sich der in ihren Rechten gekränkten jüdischen Staatsbürger Ungarns an. Ein Protest löste den anderen ab,, denn unmöglich konnte es die europäische Kulturwelt zugeben, daß die Schmach eines „Numerus clausus" ihr Schild beflecke. Anfangs reagierten die ungarischen Kreise auf diese Proteste überhaupt nicht. Aber als diese Frage sogar vor den Völkerbund gebracht wurde, niuBte

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