Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 8 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 13)
- Language
- German
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ÖIE WAHRHEH üiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiii.....iiiuiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiM Seite 13 Generalnenner „jüdisch" gebracht. So ist es gekommen, daß selbst für die Rechtspflege, diese Domäne unbeirrbarer staatlicher Hoheitsäußerung, in Einzelfällen — wir wollen gewiß nicht verallgemeinern — die völkische Welle durch von ihr ausgehende irrationale Kräfte Gefahren zeitigt, auf die hinzuweisen wir gerade aus dem Gefühl der Hochachtung heraus, das wir für die deutsche Justiz und ihre Träger empfinden, für unsere ernste staatsbürgerliche Pflicht halten. Rabbiner Dr. Paul Lazarus, Wiesbaden, führte aus: Der Central-Verein tritt ein für die Sicherung der Grundlage der jüdisch-religiösen Uebung, wie z. B. in der Schächtfrage. Niemals wird der Centrai-Verein dulden, daß irgend ein Gewissenszwang ausgeübt wird. Zu seinen Aufgaben gehört es, die deutschen Juden seelisch aufzurütteln und sie zu mahnen, der ungeheuren Verantwortung bewußt zu sein, die er der jüdischen Gemeinschaft in dem deutschen Vaterlande gegenüber zu tragen hat. Chefredakteur Georg Bernhard, Berlin, sagte u a.: Wir deutschen Juden streben nicht nach äußerer Gleichheit, die zum Teil erzwungen ist. Wer an diesem leeren Schein genug hat. hat nichts gemein mit dem Geist eines Volkes, mit der Innerlichkeit seines Lebens. Bei den Kämpfen der nächsten Wochen oder Monate wird ein Ziel erreicht werden müssen, den Innenbau des deutschen republikanischen Hauses so einzurichten, daß alle in ihm möglichst behaglich wohnen können, und daß die schönsten Räume nicht wieder nur einer privilegierten Schicht zur Verfügung stehen. Nur da, wo Gerechtigkeit gegenüber allen herrscht, kann das Judentum gedeihen. Wird ein Stand bevorzugt, dann muß die Gesamtheit Schaden leiden. .Wir Juden sind zur Arbeit an der Gesamtheit verpflichtet. Für uns kommt nur eine Betätigung auf der Basis der Demokratie in Betracht: Auslese der Tüchtigsten, woher sie kommen und Gerechtigkeit gegenüber allen. Redner schließt mit der Aufforderung an die deutschen Juden, Bekennermut zu zeigen. (Fortsetzung folgt.) UkclxtMciumtmfiizDk Wahthnä! r [M=i ,Unlon deuisciiösterreiciiisciier Juden1 Mitgliedschaft Innere Stadt Entsprechend der uns statutarisch obliegenden Pflicht, alle Vorgänge im jüdischen Gemeindeleben sorgsam zu beobachten, wollen wir unsere Mitglieder und Freunde mit den wichtigen Aufgaben der Gemeindeverwaltung auf dem Gebiete des Kultus, Unterrichts, Fürsorgewesens usw. durch einen erfahrenen Kenner erschöpfend vertraut machen. EINLADUNG zu der am Donnerstag, den 8. März, %S Uhr abends, im Festsaale des Bezirksrates für den I. Bezirk, I., Wipplingerstraße 8 (Altes Rathaus) stattfindenden VEREINS VERSAMMLUNG Tagesordnung: 1. Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim: (Mitglied des Vertreterkollegiums und Finanzreferent der Wiener Kultusgemeinde): „Das Budget der Wiener Kultusgemeinde für das Jahr 1928." 2. Diskussion. » Von Mitgliedern eingeführte Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen. L_ „Union deutschösterreichischer Juden" Der Präsident: Dr. Jakob Ornstein Mitgliedschaft I. der „Union" Der Obmann: Dr. Oskar Hein. :!== I Ktuut und Literatur Universitätsvortrag. Am 8. d. M. sprach Herr Rabbiner Dr. K a m i n k a im Rahmen der im Hörsaal Nr. 34 der Universität abgehaltenen Vorträge über Rabbi Akiba als einem der geistigen Führer und Väter des Pabbinischen Judentums. Er lebte zirka 98—138 zur Zeit T r a j a n s und Hadrians. Die Verwandlung Jerusalems in eine heidnische Stadt als römische Kolonie hat erst den Aufstand unter Bar Kochba ausgelöst. Damals stand das geistige Judentum bloß der heidnischen Intelligenz gegenüber. Von diesen war das Christentum noch nicht aufgenommen worden; es war nur eine Sekte der ärmeren Bevölkerungskreise und hatte noch kein religiöses System. Rabbi Akiba wird im Talmud an mehr als 500 Stellen zitiert. Er hat das Bestreben seiner Genossen im Lehrberufe, das dahin ging, die früher geübte Rigorosität einzuschränken und fortschrittliche Reformen zu schaffen, mächtig unterstützt. Man ersieht das deutlich u. a. an der Reduktion der Gebote, wegen deren man in den Tod gehen muß auf die drei: Götzendienst, Unzucht und Mord, während früher z. B. Sabbat und die Speisegesetze ebenso hoch gewertet worden sind. R. Akiba hat eine Mischna-Sammlung veranlaßt. Es besteht Grund zur Annahme, daß seine Aussprüche zum großen Teil von den Evangelisten aufgenommen worden. Da er zahlreiche Reisen unternommen hat, erklärt sich leicht der Zusammenhang seiner Sentenzen und Lehrsätze mit den im Stoizismus, namentlich bei S e n e c a anzutreffenden Lehrmeimungen. So entspricht der Optimismus, daß die Leiden dem Menschen zum Vorteil gereichen, daß er trotz des Anblickes von beklagenswerten Dingen eine lächelnde Miene behielt, den Anschauungen eines Demokrit, des griechischen Philosophen. So auch seine Meinung über die Willensfreiheit. Die strenge und erhabene Seelengröße R. A k i b a s kam in den WorteH zum erhabensten Ausdruck, die er an seine Schüler richtete, während ihn die römischen Schergen mit grausamen Foltern zu Tode quälten: Sie mögen ihn nicht bedauern, er hätte sich stets gesehnt, in die Lage zu kommen, Gott mit seinem ganzen' Herzen, mit seiner Seele und seinem Leben dienen zu können. Die Bewunderung jenes profunden Wissens um die Rabbinische, gleichwie um die zeitgenössische griechischrömische Literatur, welches der Vortragende seinen Hörern mit diesem Lebensbild R. A k i b a s vermittelte, kam in reichem, lang anhaltendem Beifall derselben zum Ausdruck. Am Montag, den 15., begann Herr Dr. Kaminka im selben Universitätshörsaal die Reihe der Vorträge über Jesaja, die an jedem Montag, halb 7 Uhr abends, tortgesetzt werden, und denen, neben den Studierenden der israelitisch-theologischen Lehranstalt und Hochschülern aller Fakultäten, eine große Anzahl von Teilnehmern mit Interesse folgt. Med.-Rat Dr. H. Haase. I. Winter, Fünfzig Jahre eines Wiener Hauses. Wien 1927, W. BraumüHer. Zärtliche Liebe schildert hier in einer Sprache, die vielfach zu dichterischem Schwünge sich erhebt, die Schicksale eines Wiener Hauses, die mit der Geschichte der Stadt eines Freud und Schnitzler so eng verflochten sind, daß aus einer Familiengeschichte unversehens ein Stück Lokalhistorie geworden ist. Wie in einer ähnlichen Monographie von ihrer Freundin Exner die Wertheimsteins, die übrigens auch in den Rahmen dieses Buches fallen, werden uns hier die Liebens, Auspitz, Franz Brentano u. a. Mitglieder dieses Kreises von kundiger Hand fesselnd gezeichnet. Wehmut spricht aus diesen Blättern, die einen Schimmer des alten Glanzes unseres Wien wiederstrahlen. Dr. G. Vorlesungen am Wiener Bethamidrasch, II., Tempelgasse 3. Samstag, 25. Februar. 3 bis 4 Uhr: Lektor Dr. Rubin. Der Kultus bei den Israeliten. Sonntag, 26. Februar, 5 bis 6 Uhr: Lektor Rabbiner Dr. Gelb haus, Mechüta; 6 bis 7 Uhr: Lektor Dr. Rubin, Midrasch nach den Ouellen erläutert und interpretiert. Montag, 27. Februar, 6 bis 7 Uhr: Lektor Dr. Rubin, Religionsphilosophie; 7 bis 8 Uhr: Prof. Dr. Krauß, Liturgie (Seder Hatfilah). Dienstag. 28. Februar, 6 bis 7 Uhr: Prof. Dr. Krauß. Liturgie (Seder Hatfilah); 7 bis 8 Uhr: Lektor Rabbiner Dr. Gelbhaus, Esra. Mittwoch, 29. Februar. 6 bis 7 Uhr: Lektor Rabbiner Dr. Gelbhaus, Esra; 7 bis 8 Uhr: Lektor Dr. Rubin, Talmud. Donnerstag, 1. März, 6 bis 7 Uhr: Rektor Hof rat Doktor Schwarz, Mischna; 7 bis 8 Uhr:- Lektor Rabbiner Doktor- Gel b h a u s, Sentenzen des Rabb. Nathan.