Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 8 (24.2.1928)
- Date
- 1928-02-24
- Page
- – (sequence 14)
- Language
- German
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Seite 14 Veit Woche zulDockc „Reichsposf'-Märchen. Die „Reidhspost" vom 10. d. M. brachte die Nachricht, die Gemeindevertretung und die Hausbesitzer Sauerbrunns hätten beschlossen, ihre Sommerwohnungen nur an „Arier" zu vermieten. Da dies den Tatsachen nicht entspricht und völlig erfunden ist wurde, wie wir erfahren, in einer am 12. d. M. stattgefundenen Versammlung der Sauerbrumaier Hausbesitzer beschlossen, die „Reüahspost" zu einer Berichtigung zu veranlassen. Nach unseren Informationen dürften die Verbreiter der unwahren „Reichspost"-Nachricht Wiener-Neustädter Hakenkreuzler sein, denen es unerwünscht ist, daß ein Großteil der Sommegäste Juden sind. Israelitischer Relixionslehrerverein „Esra". Die am 15. Februar 1928 tagende Versammlung des israelitischen Religionslehrervereines „Esra" erhebt einmütig Protest gegen die in einigen hiesigen Zeitungen gegen Herrn Schulinspektor Professor Dr. H. Redisch planmäßig geführten Angriffe. Die Lehrerschaft weist die in diesen Blättern erschienenen Berichte als entstellt und unwahr entschieden zurück. Benin. Am 12. Februar ist in Berlin Justizrat Dr. Bernhard Breslauer im Alter von 77 Jahren verstorben; Justizrat Bernhard Breslauer wurde 1851 in Posen geboren^ Schon in seiner Jugend wandte er sich öffentlichen jüdischen Fragen zu. Er war der erste, der Bestrebungen zur Erringung öffentlicher Rechte für jüdische Gemeinschaften in Deutschland anregte und einleitete. Mit seiner Hilfe wurde seinerzeit der Verband der deutschen Juden gegründet Er war Mitbegründer der Vereinigung für das liberale Judentum in Deutschland und deren Präsident vom Gründungsjahr 1908 bis 1917. In Würdigung seiner großen Verdienste hat ihn die Vereinigung zu ihrem Ehrenpräsidenten gewählt Justizrat Breslauer betätigte sich hervorragend in der sozialen und in der Wohlfahrtsarbeit. Von seinen Schriften sind zu erwähnen: „Recht und Rechtspflege im Judentum" in der Sammelschrift „Soziale Ethik im Judentum"; „Die jüdische Wohltätigkeit und Wohlfahrtspflege" im „Archiv für Volkswohlfahrt"; „Das jüdische Recht nach dem System des Bürgerlichen Gesetzbuches". Bei1 der Hauptversammlung des Central-Verednes deutscher Staatsbürger jüdischen Glaubens widmete der Vorsitzende Justizrat Dr. Brodnitz dem Verstorbenen einen tief empfundenen Nachruf, der von den Abgeordneten stehend angehört wurde. 60. Geburtstag. Vor kurzem beging Herr Rudolf Freiwirth, Mitinhaber des Cäf6 Arkaden, seinen sechzigsten Geburtstag. Herr Freiwirth, der als Ehrenmitglied und eines der ältesten Vorstandsmitglieder des Leopoldstädter Krankenunterstützungsvereines „Nächstenliebe" für jüdidische Wohltätigkeit Herz und Sinn hat, wurde aus diesem Anlasse Gegenstand herzlicher Glückwünsche seitens seiner Vorstandskollegen und seiner zahlreichen Freunde. Bei der im Klublokal des Cafe Arkaden stattgefundenen intimen Familienfeier hielt Herr Obmann A. Reich eine herzliche Ansprache, in der er die Verdienste des Jubilars um den Verein hervorhob und dessen Bescheidenheit und segensreiche Tätigkeit rühmte, und überreichte ihm im Namen des Vereines eine kunstvoll ausgeführte Adresse. Sodann sprachen die Herren Bojnitzer, Fuchs, Gutmann, Klein und Stern, die alle betonten, daß der Jubilar einer, von denen sei, die der Ehrung nicht nachjagen und darum von ihr aufgesucht werden. Tiefgerührt dankte Herr Rudolf Freiwirth für die ihm dargebrachten Ehrungen, besonders dankte er den Herren S. Bojnitzer und W. Stern, die ihm seit Jahrzehnten treue Freundschaft bewahrten und ihn in seinen humanitären Bestrebungen stets unterstützt haben. Großer Konzertabend in Neutra. Mittwoch, den 15. Februar, fand im vollbesetzten Theater zugunsten der jüdischen Fürsorge ein ..Althebräischer Musikabend" statt Aus einem Berichte der „Neutraer Zeitung" entnehmen wir folgendes: Als Solisten wirkten Herr Hermann Reich, Mitglied der Wiener Staatsoper, sowie die Herren ObeTkantoren F r ä n k e 1 und'S c h ä c hter aus Wien mit. Herr Reich verfügt über einen umfangreichen Baßbariton, den er meisterhaft beherrscht. Die gemeinsam mit Herrn Schächter zum Vortrag gebrachte Arie aus der „Jüdin" lohnte das Publikum durch reichen Beifall. Der anwesende.Bürgermeister, selbst Musiker und Komponist, gab seinem Entzücken dankbarst Ausdruck. Die vom Herrn Oberkantor Schächter, einem lyrisch-dramatischen Tenor ersten Ranges, vorgetragenen Opernarien und llturgi- DIE WAHRHEIT sehen Gesänge wirkten bezaubernd durch Farbe, Klang und Schlagkraft in allen Tonlagen auf die Zuhörer. Unvergeßlich werden uns die ausgezeichneten Vorträge des Herrn Öberkantor F r ä n k e I, die lustigen melodiösen Volkslieder — „Das Rätsel". „Der Spiegel", „Vater und Sohn", „Das Papierl" — bleiben. Wärme und innigjüdisches Gefühl des Sängers, der mit überaus klangvoller Stimme auch jüdisch-liturgische Gesänge zum Vortrage brachte, drangen unwiderstehlich aus jüdischem Herzen zu jüdischen Herzen. Der vorgetragene Priestersegen weihte das Theater zum Gotteshause. Vortrag. Die Vereinigung jüdischer Akademiker veranstaltet Sonntag, den 25. Februar, 8 Uhr abends, im Cafe Silier (Schwedenplatz), ein Vortragsabend, bei welchem Herr Dr. Leo Deutschländer über „Pessimismus und seine Ueberwindung" (Gedankengang des Buches Kohelet) sprechen wird. Chewra Kadischa I. Montag, den 27. d. M., halb 7 Uhr abends, findet im Gemeindetempel, I., Scitenstettengasse 2, eine Gedächtnisfeier für die im abgelaufenen Jahre verstorbenen Vereinsmitglieder statt. Kurfürsorge. Samstag, den 10. März 1928, um 8 Uhr abends, findet im Festsaale des Hotel G u t h, Wien IL, Hollandstraße 14, die XXI. ordentliche Generalversammlung des Vereines Kurfürsorge (Obmann Medizinalrat Dr. J. L. Brau n) statt. Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel in Wien, reg. Gen. m. b. IL Montag, den 27. Februar 1928. um halb 7 Uhr abends, findet in den eigenen Büroräumen (II., Praterstraße 9/5) die V. ordentliche Generalversammlung der Kreditkassa für Kleingewerbe und Kleinhandel statt Generalversammlung. Am 11. Februar fand unter dem Vorsitz der Präsidentin Frau Rosa T a g 1 i c h t die Generalversammlung des Israelitischen Frauenwohltätigkeitsvereines für die Bezirke XII. bis XV. unter Beteiligung von delegierten Damen anderer Bezirke statt. Die Vorsitzende erstattete einen ausführlichen Bericht über die Tätigkeit während des abgelaufenen Vereinsjahres und. konnte man aus dem zur Vorlesung gebrachten Kassenberichte die großen Bemühungen und Erfolge dieses fleißigen Vorstandes konstatieren. Der Verein verwendet alle ihm zufließenden Mittel zur Unterstützung alter hilfloser Frauen durch fallweise monatliche Aushilfen sowie Beteilung mit Lebensmitteln und Kleidungsstücken gelegentlich verschiedener Feiertage. In einer Ansprache würdigte Herr Rabbiner Dr. Taglicht die vortrefflichen Leistungen der Vorstandsdamen. Nach Dankesworten an alle Förderer und Gönner des Vereines "schloß die Vorsitzende die Generalversammlung. Die Frauensektion des Tempelvereines „Emunas Aves" (XIV., Storchengasse 21) veranstaltet Sonntag, den 26. Februar, um 4 Uhr nachmittags, im Palast Hotel, Wien VI., Mariahlferstraße 99, eine Fest-Akademie, mit erstklassigen musikalischen und humoristischen Vorträgen prominenter Künstler, verbunden mit einer Jause. An der Akademie wirken mit: Oskar Beregi, Rosl Berndt, Oberkantor Salomon Einhorn, Erich Hirschfeld, Else Kaufmann, Betty Lewin, Oberkantor Gerson Marguli es, Frieda Schulbaum, Mella Stark. Der Reingewinn fließt den humanitären Zwecken des Vereines zu. Entreekarte inklusive Jause drei Schilling. Der Humanitäre Verein „Greisenschutz" zur Bekleidung und Unterstützung armer israelitischer Greise und Greisinnen (XVI., Hubergasse 8) veranstaltet Mittwoch, den 7. März, 9 Uhr abends, in Gschwandtners Saallokalitäten (XVII., Hernalser Hauptstraße 41) sein 40jähriges Gründungsfest. Erstklassige Musikkapelle und Auftreten hervorragender Kunstkräfte. Eintrittskarten bei den Vorstandsmitgliedern erhältlich. Der Jüdische Turnverein „Makkabi XVII" (Hernais, Rötzergasse 9—11) veranstaltet Sonntag, den z6. Februar d. J., um 8 Uhr abends, im Olympia-Saal, I., Rotgasse 5, turnerische Vorführungen mit anschließendem Tanz und bittet um recht zahlreichen Besuch. Die in unserem Blatte in fortgesetzter Artikelserie veröffentlichte Arbeit von Medizinalrat Dr. Heinrich Haase: „Religion oder Illusion?" — eine Auseinandersetzung mit dem jüngsten Buche Professor S. Freuds: „Die Zukunft einer Illusion", ist soeben im Verlage von Moritz P e r 1 e s, Wien L, Seilergasse 4, erschienen und durch denselben, sowie durch die Wiener Buchhandlungen zu beziehen.