Mannheim
Compact Memory

Die Wahrheit · 1928-02-24 · Heft 8 (24.2.1928) · page 7

Scan of the page
Image: UB Frankfurt, Visual Library (IIIF)
Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 8 (24.2.1928)
Date
1928-02-24
Page
– (sequence 7)
Language
German
Belongs to
journal issue
OCR quality
95% known words query
IRI
…/3062972-3064248-3064256--16079-3088809
Visual Library
page viewer of the UB Frankfurt

No entity mentions on this page.

OCR text

Öffi WAtiftHEU HtiHHlUlBUt!! «»« Seite 1 der höchwürdige Herr Aladar Konta dem Hohen Hause als einer der würdigsten Vertreter der vom Rassenhaß beseelten „Erwachenden" vor. Er schloß seine Rede mit der Versicherung, daß er im Kampfe für diese Mißgeburt des Antisemitismus von allen gesetzlichen, „aber auch ungesetzlichen Mitteln Gebrauch machen werde". Man sollte meinen, daß ein Mann, der schon von Berufswegen für die Religion der Liebe eintreten müßte, die Gemeinschaft mit den Rassenschützlern scheuen sollte, die mehr an Hiebe denken. Aber immerhin verdient es doch Anerkennung, daß dieser Hetzer noch immer so viel Rücksicht auf sein priesterliches Kleid nahm und offen bekannte, er bringe den staatlichen Gesetzen nicht mehr Ehrfurcht entgegen, als den Lehren des Evangeliums. * Ein Mitglied der demokratischen Partei, das offenbar in Kürze eine klare und erschöpf ende Analyse des Numerus clausus geben wollte, meinte: „Dieses Gesetz ist ein anatomisches Wunder des Hasses und der Dummheit." Das Wort des Dichters: „Das Wunder ist des Glaubens liebstes Kind" müßte im Sinne dieses Abgeordneten für Ungarn ein wenig erweitert folgendermaßen lauten: „Das anatomische Wunder des Hasses und der Dummheit ist des antisemitischen Glaubens liebstes Kind." £ SjC * Herr Julius Petrovac, einer der radikalsten antisemitischen Hetzer, führte in seiner Rede über den Numerus clausus zum Beweise, daß die Juden eine besondere Rasse bilden, an, daß man sie schon an Aeußerlichkeiten, „an den Handbewegungen und der krummen Nase erkenne". Man kann neugierig sein, was hierzu die zahlreichen unverfälschten Abkömmlinge arischer und christlicher Familien sagen werden, die wegen ihres Verdacht erweckenden Aussehens in der Blütezeit des weißen Terrors auf der Straße von Erwachenden mißhandelt wurden? Unter diesen Opfern der Rassentheorie befanden sich bekanntlich nicht nur ungarische Aristokraten — darunter ein Graf Theodor Andrassy und ein vielgenanntes altadeliges Mitglied der Staatsanwaltschaft —, sondern selbst gediegene antisemitische Führer, die das Glück hatten, durch ihre Reden auch solche zu entflammen, die nicht so glücklich waren, die Redner auch persönlich zu kennen. * * * Ein anderer Redner ließ es sich nicht entgehen, im Rahmen seiner Rede über den Numerus clausus das gesamte Judentum mit dem Sündenkonto des Baron Ludwig Hatvanyi zu belasten. Er sagte von diesem: „Gott gab ihm Namen, Geld, Rang, Beziehungen, aber sein unruhiges — jüdisches Blut gab keine Ruh." Gerade das „jüdische" Blut muß schuld sein, daß Hatvanyi sich dem Grafen Michael Karolyi anschloß? War auch dieser durch das unruhige Jüdische" Blut zu seiner politischen Stellungnahme getrieben worden? In Ungarn gab es einmal einen Justizminister, der so viel „ruhiges" Blut hatte, diesen Grafen Michael Karolyi als reif für das Irrenhaus zu 'erklären, lange bevor er in den Besitz der Macht gelangt war. Und dieser Justizminister war der Jude Vazsonyi, der Mann, der mit unerschütterlicher Treue an dem Glauben seiner Väter hing. * * * Die ungarischen Abgeordneten, die, auf der Höhe der Bildung und der geistigen Freiheit stehend, gerade unter nachdrücklicher Betonung ihrer unbezweifelten christlichen Abstammung und Erziehung den Numerus clausus als ein Schandwerk und die Politik des Kabinetts Bethlen als eine zweideutige, doppelzüngige brandmarkten, haben in dieser Debatte die Ehre ihrer Nation gerettet. Graf B e t h 1 e n tut so, als wäre er abgehärtet gegen die schärfsten Angriffe; aber er ist grausam gezüchtigt durch die Verteidigung, mit der ihm ein als geistige Null anerkanntes Mitglied seiner Partei zu Hilfe kam. Der Mann sagte: „Es ist wahr, daß der Numerus clausus mit den Gedankengängen eines Kossuth und eines ö t v ö s unvereinbar ist, aber es fragt sich, ob die Gedankengänge Kossuths und Ö t v ö s die richtigen waren." Für das Kabinett Bethlen gelten also die Gedankengänge der H e j j a s und M e h e 1 y i besser als die der Kossuth und ö t v ö s. Das sind die richtigen Worte, mit denen man in normalen Zeiten in Ungarn eine Regierung hingerichtet hätte. Ego. Falsche Informationen. Zu dem in Nr. 5 unseres Blattes vom 3. d. M. unter diesem Titel erschienenen Artikel des Herrn Adolf Rendi, Graz, erhalten wir folgende Zuschrift des Herrn Karl Schwarz, Graz: Ich ersuche um Aufnahme nachfolgender Berichtigung des Artikels „Falsche Informationen" und nehme an, daß Sie meinem Ersuchen auch ohne Bezug auf § 23 entsprechen werden. In dem Artikel des Herrn Adolf Rendi, Graz, beschuldigt mich derselbe „unrichtiger Informationen" und ich bitte daher zur Steuer der Wahrheit nachstellende Richtigstellungen in gleicher Weise zur Kenntnis Ihrer Leser zu bringen. Es ist unwahr^daß die jetzige Gememdevorstehung das Erfordernis von S 71.000 auf S 92.000 erhöht hat Wahr ist vielmehr, daß der jetzige Vorstand 1926 gewählt wurde und daß das Erfordernis 1925 S 78.000. 1926 S 82.500 und 1927 S 92.00 betragen hat, was Herrn Rendi ganz genau bekannt ist, weil er in die amtlichen Erfordernisziffern in derselben Woche Einsicht genommen hat, in welcher er diesen Artikel schrieb. Es ist unwahr, daß ich die Steuerstufen 72—160 vom Jahre 1914, den Steuerstufen 160—600 vom Jahre 1927 gegenübergestellt habe. Wahr ist vielmehr, daß ich die Steuerstufen 72—260 vom Jahre 1914 jenen vom Jahre 1927 gegenüber gestellt habe und daß in diesen Steuerkategorien 1914 158 Steuerträger durchschnittlich K 145.— und 1927 in den Kategorien 160—600 1924 Steuerträger durchschnittlich S 304.— gezahlt haben, sich somit in diesen Steuerstufen die die Steuerleistung auf (Jen 21.000fachen Betrag gegenüber 1914 stellt. Die herangezogenen Steuerkategorien vom Jahre 1914 und 1927 sind jedoch ungefähr identisch, wie aus einer einfachen Multiplikation hervorgeht. Auch dies ist dem Herrn Rendi bekannt, da ich ihm Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Eltfeme naOabielluntt Zentrale: Wien II., GlOCkeilflaSSe 24 Tel. 48-4-79 as= FOr Kultusbcamte und Verein«!unktfon*r• Legitimation «y, Nachlas JAC. MAVER

Text as recognised by OCR (ABBYY FineReader), without corrections. Entity mentions: TagMe (2021); their positions were matched to this text again.