Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 11)
- Language
- German
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DIE WAHRHEIT HlllMiiHiiniM^ Seit« 11 Wir haben unsere Berliner Schwesterorganisation, den „Centraiverein deutscher S t a a t s b ü r g e r j ü ä i s c h e n Glaubens" gebeten, uns mitzuteilen, was an diesem uns sofort ganz absurd erscheinenden Zitat wahr sei. Der „Centraiverein" ließ uns eine Antwort der bekannten Schriftstellerin Anselma Heine zu den Behauptungen des Blattes zukommen, der wir folgendes entnehmen: „Das Zitat ist durch eine, perfide Zusammenstellung zweier, durchaus nicht zusammengehöriger Aussprüche derart tendenziös in seinem Sinne verändert worden, daß es nunmehr dem Schreiber des Blattes dazu dienen konnte, die Juden auf das unflätigste zu beschimpfen. Die Fälschung ist um so abscheulicher, als sie lauter wirklich von mir gebrauchte Sätze bringt. Freilich sind sie in Wahrheit durch etwa zwei Druckspalten getrennt in meiniem Aufsatz. Die Wirkung der unehrlichen Zusammensetzung ist ähnlich, wie wenn man „Mein Eid" in „Meineid" verwandelt. Wenn* man genauer zusieht, entdeckt man, daß der Schreiber den ersten völlig aus seinem Zusammenhange gerissenen Satz nur deshalb heranzieht, um der Worte „seine Rass e" habhaft zu werden, deren er benötigt, um der ganzen Judenschaft als unsittliche Erbanlage zuzuschreiben, was im Aufsatz selbst als die völlig individuelle Erkrankung einer einzelnen Persönlichkeit bezeichnet wurde. Ich protestiere.nachdrücklich gegen diese Fälschung. Was nun den zweiten Satz des Zitats betrifft, so ist hier die beabsichtigte Sinnentstellung geschickt bewerkstelligt. Das Wort „blonde" fehlt in meinem Text; ist hier bedeutsam hinzugefügt Sie werden begreifen, daß ich mich gegen die Verdächtigung wehre, dies so geschrieben zu haben. Und mich doppelt wehren müßte, wenn ich wirklich jüdischen Glaubens wäre, wie das Blatt annimmt. Ich habe nichts hinzuzufügen, möchte Sie aber hiemit bitten, meinen Protest zur Kenntnis zu nehmen. Gez. Anselma Heine. Schriftstellerin. Ein weiterer typischer Fall von Brunnenvergiftung durch den „Eisernen Besen". Absichtliche, dreiste Fälschungen, um den Judenhaß zu schüren. Wie lange noch werden Ehrabschneider bei den Antisemiten Führer sein können? Oskar Hirschfeid. In der Erwartung, daß Sie die Gelegenheit ergreifen werden, an der Verwaltung der Deutschen Studentenschaft teilzunehmen, zeichnet mit Hochachtung Sur die Deutsche Studentenschaft der Universität Wien: Walter Fuchs m. p." Der Hauptausschuß der Deutschdemokratischen Hochschülervereinigung hat dieses Schreiben wie iolgt beantwortet: „Indem ich den Empfang Ihres geschätzten Schreibens vom 7. Februar bestätige, teile ich Ihnen mit, daß wir uns selbstverständlich auch weiterhin an den Wahlen in die „Kammer" der „Deutschen Studentenschaft" nicht beteiligen werden, da unsere deutschen Kollegen jüdischer Konfession vom Wahlrecht ausgeschlossen sind Nach wie vor stehe ich auf dem Standpunkt, daß Ihr Verein eine Minderheit darstellt. Das Gegenteil könnte nur bewiesen werden, wenn von den 10.000 Hörern der Wiener Universität mehr als die Hälfte an Ihren Verein Mitgliedsbeiträge einzahlen würde. Soviel uns bekannt ist, war dies bisher nur bei etwa 600 der Fall. Wir bedauern daher, Ihr Angebot ablehnen zu müssen. Mit Hochachtung Heinz Braun m. p." Man sieht also, woher die hakenkreuzlerische „Deutsche Studentenschaft" ihre Mitglieder nehmen will. Sie mutet es bereits einer fortschrittlichen Gruppe zu, ihre arischen Mitglieder bei ihr einschreiben zu lassen. Daß kein aufrechter Verband, dereine politische Ueberzeugung besitzt, sich auf eine solche Packelei einlassen wird, ist nur ganz selbstverständlich. Aber das Angebot zeigt, wie schlecht es mit den Mitgliedern der „Deutschen Studentenschaft" und ihren Wählern bestellt sein muß, wenn sie bereits zu den Demokraten um Stimmen hausieren gehen. r ,l)nion deutscliösierrelcnisciier Juden' Mitgliedschaft Innere Stadt. Entsprechend der uns statutarisch obliegenden Pflicht, alle Vorgänge im jüdischen Gemeindeleben sorgsam zu beobachten, wollen wir unsere Mitglieder und Freunde mit den wichtigen Aufgaben der Gemeindeverwaltung auf dem Gebiete des Kultus, Unterrichts. Fürsorgewesens usw. durch einen erfahrenen Kenner erschöpfend vertraut machen. EINLADIHUO zu der am Donnerstag, den 8. März. 348 Uhr abends, im Festsaale des Bezirksrates für den I. Bezirk, I., Wippltagerstraße 8 (Altes Rathaus) stattfindenden lihtvt MciuwümjmDk Wakckit! -. VEREINS-VERSillfflLUNfi jjj Ein famoses Angebot. Die „Deutsche Studentenschaft", der bekannte akademische^ Hakenkreuzlerverein, hat folgendes Schreiben an die Deutschdemokratische Hochschülervereinigung gerichtet: „Da Sie bis jetzt noch keine Liste zu den am 1., 2., 3. und 5. März stattfindenden Kammerwahlen eingereicht haben, macht der Vorstand der Deutschen Studentenschaft der Universität Wien Sie auf diese Kammerwahlen aufmerksam. Sie haben zu wiederholten Malen behauptet, daß die Deutsche Studentenschaft der Universität eine Minderheit darstelle. Sie haben nun bei diesen Kammerwahlen Gelegenheit, diese Ihre Behauptung zu beweisen. Wahlberechtigt ist jeder deutscharische Studierende, ohne Unterschied des Geschlechtes und der Staatsbürgerschaft, der an der Universität Wien vollimmatrikuliert ist. Wählbar jeder Wahlberechtigte. Tagesordnung: t. Regierungsrat Dr. Hermann Oppenheim: (Mitglied des Vertreterkollegiums und Finanzreierent der Wiener Kultusgemeinde): „Das Budget der Wiener Kultusgemeinde für das Jahr 1928." 2. Diskussion. Von Mitgliedern eingeführte herzlichst willkommen. Gäste, auch Damen, L, ,Union deutschösterreichischer Juden"' Der Präsident: Dr. Jakob Ornstein Mitgliedschaft I. der „Union" Der Obmann: Dr. Oskar Hein. MÖBELFABRIK FERNSPRECH-NUMMER 4Ö-J-9J SIGH. UPPENHEI WIEN, 2. BEZ., PRATERSTRASS& NR. 30 Belebe Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigstem Preisen