Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 ißnnoiHHfiiM^ DIE WAHRHEIT 'Ctx der UniCit cLeutecficftecveicKiechev Uuder* *fbftrpaikzmiikctacJVc9^ WienIX. HevqqiaMe 4- <reUfei%r.19-2-?7 * Aus der Werkstatt der Brunnenvergifter. „Der Eiserne Besen", das berüchtigte Salzburger antisemitische Organ, glaubt, einen vortrefflichen Fund für seine dunklen Zwecke gemacht zu haben. In seiner „Folge" vom 6. v. M. beschäftigt sich das Sudelblatt ausführlich mit unserem anläßlich des Attentates auf den Wiener Bürgermeister Karl Seitz erschienenen Leitartikel „Die Frucht des Hasses". Unsere „Lobpreisung" — so nennt der „Eiserne Besen" die Freude über das Mißglücken der wahnsinnigen Tat eines Fanatikers — findet er „begreiflich". „Ist doch der rote Arbeiterführer der Schutzpatron der in Wien ansässigen Juden — ist doch Wien erst unter Seitz und Breitner das jüdische Dorado geworden." Sagt — der „Eiserne Besen". „Die Wiener Juden", fährt das Hetzblatt fort, „verurteilen also den politischen Mord, um dadurch ihre galizische Anständigkeit zu beweisen. Nein, die Juden verurteilen den politischen Mord nur, wenn das Ziel der Kugel einer der Ihren ist. (Vom „Eisernen Besen" fett gedruckt.) . . . Wie verhielt sich nur die jüdische Presse im Falle Sacco- Vanzctti, Schwarzbard? Sie hob die Mörder in die Glorie." Es ist müßig, zur Entkräftung dieser haltlosen Beschuldigungen auf den Fall S a c c o- V a n z e 11 i einzugehen, die Protestaktion der ganzen gesitteten Kulturwelt galt hier einem legalen Morde an — Nichtjuden und hatte viele bedeutende Christen in der vordersten Reihe der Rufer im Streite, die leider Rufer in der Wüste waren. (Wir verweisen nur auf die vom Papste unternommenen Schritte zur Rettung der beiden unglücklichen Menschen.) Was das Attentat Schwarzbards an Petljura anbelangt, so wurde auch hier nicht der „Mörder in die Glorie gehoben" — ein feines Deutsch für ein teutsches Blatt —, sondern gerade die jüdische Presse betonte mit aller Entschiedenheit die Unsinnigkeit des Unterfangens, Gewalt mit Gewalt zu sühnen, wenn auch zugegeben werden muß, daß die Tat angesichts der entsetzlichen Greuel, die Schwarzbard in der Ukraine mitansehen mußte, menschlich verständlich war und deshalb auch gnadenvolle Richter fand. Aber diese Massakers sind dem Salzburgcr Hetzblatte noch zu gering gewesen, aus seinen Entstellungen folgert es: „Der Antisemitismus beginnt zu erwachen. Der Jude, der Schädling alles Arischen, ist in seinem wahren Wesen erkannt worden. Die Völker beginnen, das jüdische Joch abzuschütteln. Pogrome sind eine leider (wie zartfühlend! 0. H.) notwendige Abwehrmaßnahme geworden." "Nach diesen lieblichen Präludien kommt die eigentliche „Entdeckung" des „Eisernen Besen", auf die er anscheinend besonders stolz ist. Wir haben uns in unserem in Rede stehenden Artikel auch mit der ausschließlich innerjüdischen Erscheinung beschäftigt, „daß auch im Judentum sozialdemokratische Hetzer am Werke sind ..... daß diese Partei, obwohl sie den Grundsatz .Religion ist Privatsache' zu ihrem Dogma gemacht hat, seit Jahr und Tag nichts unterläßt, um diese Privatsache gläubiger Menschen zu einer Parteisache ungläubiger Fanatiker herabzuwürdigen." Die Veranlassung für diese unsere Ausführungen ist unseren Lesern gewiß noch in Erinnerung, sie war wie dieser Teil des Artikels selbst — wir betonen es nochmals — lediglich innerjüdischer Natur. Dies, müßte jedem Einsichtigen klar sein, nur der--' „Eiserne Besen", der, nach der obigen Kostprobe" zu schließen, nicht nur nicht deutsch schreiben, was schließlich nicht jedermanns Sache ist, sondern auch nicht deutsch lesen kann, was man immerhin schon in der Volksschule lernt, findet hier „ein wertvolles Geständnis, das da dem Judentum, wenn es um seine Rasse, um seine geistigen Güter geht, entschlüpft." Worin besteht dieses „wertvolle Geständnis"? „Den Juden beginnt es ungemütlich zu werden. (Ein ungemütliches Dorado, wer hat das schon gesehen? 0. H.) Jetzt auf einmal finden sie die Zusammenhänge und erklären offen, die Sozialdemokraten seien die eigentlichen Urheber an dem Attentat auf Seitz; ja „Die Wahrheit" gibt — wenn auch nicht direkt — (welche Schlechtigkeit von ihr! 0. H.) zu, daß die Wiener Juli-Ereignisse lediglich ein Werk der Marxisten selbst in den Grundursachen waren." Soll man sich ärgern ob solcher infamer Verleumdungen? Soll man nach dem Staatsanwalt rufen, der bei uns in Oesterreich bei dieser Art Journaille oft leider sehr schwerhörig ist? Nein, Verachtung strafe diese Preßlumpen, und wenn sie am Schlüsse ihres Aufsatzes schreiben: „Die Geständnisse der „Wahrheit" zeigen den Judas-Charakter der semitischen Rasse auf", so glauben wir mit vollem Rechte sagen zu können: Dieser Erguß einer schönen Antisemitenseele zeigt deren ganze Niedertracht auf. * * * Einen ähnlichen Entstellungsfall des „Eisernen Besen" hat dieser Tage die „Union" aufgeklärt. Dieser brachte am 30. Dezember 1927 unter dem Titel „Planmäßige Frauenschändung" folgende Notiz: Die Jüdin Anselma Ii eine schreibt über den Juden Ludwig Jakobowskyim „Literarischen Echo", Heft 3, 1912: Plötzlich entdeckte ich an ihm den typisch uralten (!) Schmerzenszug seiner Rasse (!). Es war ihm eine rachsüchtige (!) Wonne (!), über die Frauen Macht zu zeigen, und nie markierte er höhnischer den Plebejer, als wenn er sich rühmte (!), mit brutaler Kraft die feinen Frauen der blonden (!) Edelinge unterjocht (soll heißen totgemacht! Die Schriftleitung) zu haben.