Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 7)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT liiiiiiiifiiiiiiiiiiiiiiiiiniiiniiiiiiiw Seite 7 ich nicht gemacht. Das Wort „Orgel" kam nur in der Wiedergabe eines Gespräches mit Güdemann vor. Die Herren, welche sich bei der bloßen Nennung des Wortes „Orgel" so höchlich entrüsten, mögen doch bedenken, daß die Orgel heute in hunderten jüdischen Gemeinden eingeführt ist, in Budapest, Brünn, Prag, Berlin, Breslau, München, Magdeburg und anderen deutschen Städten, in Paris und Rom, in Amerika, in Warschau und Odessa und daß der Oberrabbiner Chajes jahrelang in einer Orgelsynagoge in Triest als Rabbiner tätig war. Ich resümiere: Ich habe den Zionismus mit keinem Worte angegriffen, ich habe das Andenken des verstorbenen Oberrabbiners nicht verletzt und keine Reformvorschläge in bezug auf den Ritus gemacht. Es ist mir ein Bedürfnis, den beiden Herren, Dr. O r nstein und Dr.. T i c h o, für ihr mannhaftes Auftreten und dafür, daß sie mir in diesen Tagen treu zur Seite standen, herzlich zu danken. Ich danke auch den Religionslehrern, welche in einer Resolution die unberechtigten Angriffe gegen meine Person zurückgewiesen haben. Ich werde mich mit den geradezu ungeheuerlichen Beleidigungen in den zionistischen Blättern nicht weiter befassen und repliziere bloß auf die in der „Neuen Welt" abgedruckte, nicht gerade geschmackvolle Bemerkung, an mir sei nichts Jüdisches mehr, als nur das Gehalt, das ich bei der Kultusgemeinde beziehe. Folgendes: Mein Judentum ist aufgebaut auf den in Leviticus 19 festgelegten ethischen Grundsätzen, mein Judentum ist die Religion der Propheten, ich bin Jude im Sinne Hillels, der die Ausübung der Nächstenliebe als das höchste Gebot ansieht und im Sinne des Maimonides, der die Reinheit der Seele als das Endziel unserer erhabenen Religion betrachtet. Wer anderen Grundsätzen huldigt, mag ruhig behaupten, daß ich nicht zu seiner Gemeinschaft gehöre. Ich werde nicht protestieren. * * £ Wir erhalten von der Lehrerschaft der israelitischen Kultusgemeinde Wien folgende Zuschrift: Bezugnehmend auf die am 2. Februar in der „Stimm e" und am 27. Jänner und 3. Februar in der „Neuen W e 1 f erschienenen Artikel, welche die Vorgänge bei der am 21. Jänner stattgefundenen Religionslehrer-Konferenz darzustellen versuchen, sieht sich die Lehrerschaft der israelitischen Kultusgemeinde (darunter die ehemaligen Hörer des israelitischen Religionslehrer-Seminars) als Zeuge dieser Vorgänge zu folgender Erklärung veranlaßt: Die Person unseres Inspektors Prof. Dr. H. R e d i s c Ii. von der sich die Lehrerschaft während der jahrelangen Zusammenarbeit mit ihm ein 'klares Bild machen konnte, ist in diesen Schilderungen vollkommen entstellt und seine Ausführungen mißdeutet worden. Wir wollen uns gar nicht damit beschäftigen, die einzelnen Behauptungen dieser Artikel zu widerlegen; es würde ins Uferlose führen, wollten wir auf all diese Entstellungen eingehen, sondern wir wollen uns darauf beschränken hervorzuheben, daß jeder der Anwesenden, der die Ausführungen des Herrn Prof. Dr. R e d i s c h hörte, den Eindruck gewinnen mußte, daß alles, was er sagte, aus tiefer Liebe zum Judentum und dem ehrlichen Wunsch, dieses zu erhalten, erfüll i war. Und in keinem, welcher Richtung er immer aucli angehört, konnte die Vermutung Platz greifen, daß diese Ausführungen dazu geeignet wären, irgend eine bestehende Form oder Einrichtung des Judentums herabzusetzen. Vielmehr betonte er, daß, seiner Meinung nach, es ausschließlich die R e- 1 i g i o n ist, die das Judentum erhält. Während der ganzen Konferenz, die ruhig und würdevoll bis zum Schlüsse verlaufen ist. sind alle Anwesenden den Ausführungen des Vorsitzenden mit großem Interesse gefolgt. Mit dem Eindrucke, daß hier eine Persönlichkeit gesprochen hatte, verließ man die Versammlung und keiner hätte sich gedacht, daß seine Ausführungen zu solchen Entstellungen mißbraucht werden könnten. Dies der wahre Sachverhalt. Die Religionslehrer stehen ganz auf Seiten ihres Inspektors und wissen ihm für all seine Bemühungen im Interesse des Judentums den innigsten Dank. Hermine Tauber, M. S t e n g c 1. . Schriftführerin. Vorsitzender TAC. MAYER Eigene Naftabtelluntf QlCffei*. r'**n*v» . „wiji..'.'." -.rr-"7 *• Die Wiener Judenheit verdankte dieser Tage einem Mitgliede des Kultus Vorstandes eine Mitteilung, die geeignet ist, in den weitesten Kreisen utn so mehr Aufsehen zu erregen, da sie nicht in hebräischer Sprache (die entgegen der Forderung dieses Redners nicht als Verhandlungssprache in den Sitzungen gilt), sondern in einem der Mehrheit verständlicheren Idiom erfolgte. Die Wiener Gemeinde — so lautet die verblüffende Kunde — „hat keine Geschichte, sondern bestenfalls eine Chronik, weil sie im Gegensatze zu anderen Gemeinden keine geistigen jüdischen Höchstleistungen aufzuweisen hat". Den berühmtesten jüdischen Historikern ist diese betrübende Tatsache unbekannt geblieben und es ist daher immerhin bemerkenswert, daß es erst einem Forscher, der sich bisner wohl nur im Geheimen tiefschürfenden geschichtlichen Studien widmete, vorbehalten war, mit dieser Sensation zu debütieren. Sie platzte wie eine Bombe gerade inmitten einer Debatte über das Budget, welches ungezählte Milliarden für die in dieser Gemeinde geschaffenen Institutionen bestimmt, die bisher selbst im Auslände als ruhmvolle, segensreiche und mustergültige Höchstleistungen geschätzt wurden. Ein wahrer Historiker beugt sich aber nur vor Wahrheiten, die er selbst als solche anerkennt. Ist es da nicht seltsam, daß z. B. Gerson Wölf, ein ebenso fleißiger wie gewissenhafter Geschichtsschreiber, noch in der Einleitung zu seiner 1891 erschienenen .,Geschichte der Wiener Kultusgemeinde'' (1820—1886) glaubte, sagen zu dürfen, daß er die „Geschichtsepoche einer der hervorragendsten und bedeutendsten jüdischen Gemeinden schildere .... Die Institutionen, die während dieser Zeit ins Leben gerufen wurden, sind maß- und tonangebend geworden für die israelitischen Gemeinden des österreichischen Kaiserstaates und über denselben hinaus". Aber selbst der sonst so kritische Grätz, dem man immerhin einiges Urteil in derlei Dingen zugemutet hatte, wagte es noch in seinem vor vielen Dezennien veröffentlichten zwölfbändigen Geschichtswerke in schmeichelhafter Weise von der ruhmvollen Geschichte der Wiener Gemeinde zu sprechen. Wie oft findet man die Worte zitiert, in denen er z. B. bei Besprechung der Wirksamkeit Mannheimers der Wiener Gemeinde das Verdienst vindiziert, daß hier „sich zuerst die Selbstverachtung der europäisch gestimmten Juden in Selbstachtung verwandelte". Ja, Grätz behauptet geradezu, daß schon dadurch die Wiener Gemeinde „eine geschichtliche Bedeutung erlangte". Er nennt sie auch eine Mustergemeinde, die anregend und beispielgebend auch für die ungarischen, böhmischen und mährischen Gemeinden wurde. „In Mannheimer, wie in dem s Kleideru. Gummimäntel-Fabrik Export nach allen Ländern Zentrale: Wien II., GlOCkengaSSe 24 Tel. 4*4-79 Für Kultusbeamte und Vereinsfunktionire gegen Legitimation 10V. MachtaB