Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 8)
- Language
- German
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Seite £> iimimihiiHiiiiiiiHiiiiimmHiiiiuMSMiw DIE WAHRHEIT HOTEL „NATIONAL" m Restaurants Wien II., Taborstraße 18 S?.,eÄo3 Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u, Zentralheizung. In allen Zimmern Telephon Unter der bewährten Leitung des [bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. Vorzügl. Wiener! ungarischeu. orientalische (rumänische) Küche. Wiener brau u. Pilsner Urquell. neuen Tempel in Wien (eingeweiht 1826) umarmte sich Morgen- und Abendland, als wären die Wiener Tempel und die Gemeinde von Anfang an dazu bestimmt gewesen, * das Versöhnungswerk zwischen den alten und den neuen Formen zu vollziehen . . Man sieht, auch Grätz hatte noch nicht den geschärften Blick des Historikers, trotz alledem zu erkennen, daß der Wiener Gemeinde „bestenfalls'* eine Bedeutung zukommen, mit der man die Blätter einer Chronik füllt. Nun erst scheint der Historiker erstanden zu sein, der mit unerbittlichem Wahrheitssinn dahin strebt, die Wiener Gemeinde vor Selbstüberschätzung zu bewahren. Kein Zweifel, auch er wird kämpfen und noch einiges leisten müssen, bevor er sich den Namen eines Forschers erworben, der nicht fürchten muß, ausgelacht zu werden und vor dessen Aussprüchen, wenn man ihn nennt, sich alle in gläubiger Ehrfurcht beugen. Heute hat selbst ein ihm nahestehendes Blatt („Die Neue Welt") noch Scheu getragen, den Passus seiner Rede über die geschichtliche Bedeutungslosigkeit der Wiener Gemeinde abzudrucken. Man wird trotz alledem sich einer Regung von Mitleid mit dem Grafen Ottokar Czernin nicht erwehren können, wenn man bedenkt, von welchem Schicksal dieser einst so hoch emporgekommene Mann erreicht worden ist. Man braucht da nicht an die grausame Behandlung zu denken, dje er von Clemenceau erfahren, der sich ihm gegenüber so ganz als Tiger bewährte. Auch nicht an die demütigenden Zurechtweisungen, die er sich wohl vor Wut knirschend, aber bisher schweigend oder unter den Versuchen, seine eigenen Worte zu verdrehen und abzuleugnen, von Zugehörigen der Rasse gefallen lassen mußte, die er Raubte, ruhig zu beschimpfe)- zu dürfen. Ueber das alles mag sich vielleicht ein Graf Czernin schließlich irgendwie trösten, wie ein ehemaliger österreichischer Minister aber die Schmach ertragen soll, sich das Lob und die Anerkennung der „Deutschen Arbeiterpresse" zugezogen zu haben, ist unerfindlich. Lord Rotbermere hat in seiner Antwort an die Schriftsteller, die seine Intervention zugunsten des Baron Hatvany erbaten, die Meinung vertreten, daß dieser die sieben Jahre Zuchthaus vollauf verdient habe. Hatvany hat vor den Richtern um Verzeihung für Artikel gebeten, in denen er z. B. es beklagt, daß ein Ivan Hejjas, über den die schützende Hand Horthys sich breitete, immun gegen jede Strafe war, derselbe Hejjas, von dem ein ehrenhafter Staats anwalt öffentlich sagte, 49 Mordtaten bedrücken sein Gewissen. Der Engländer verübelt dem Baron Hatvany das einstige Eintreten für Recht, Humanität und Wahrheit. Lord Rothermere, der nach seiner Kenntnis der ungarischen Justiz überzeugt ist, daß das Urteil über Baron Hatvany gerecht sei, findet es offenbar ganz logisch, daß in einem Lande, in dem Hejjas im Parlament sitzt, dessen Angreifer im Zuchthaus sitzen müssen. Es ist dafür gesorgt, daß man im Ausland genaue Kenntnis über die unsäglichen Schandtaten hat, die unter dem Hörthy-^ Regime ungeahndet blieben; Lord Rothermeres Intervention für Horthy wird daher erfolglos bleiben. Die Juden, die keinen sehnsüchtigeren Wunsch hegen als den: Gerechtigkeit zu finden, dürfen auch keine heiligere Pflicht kennen, als Gerechtigkeit selbst jenen gegenüber zu bekunden, die ihnen die schmerzlichsten Wunden geschlagen. Wieder einmal haben die Juden die traurige Gelegenheit zur Uebung dieser Pflicht. Sie haben die rumänischen Studenten, die in Großwardein, Klausenburg, Jassy usw. so blutige Beweise ihrer antisemitischen Gesinnung gaben, immer wieder als eine Horde von Rohlingen bezeichnet, für deren bestialisches Toben es kein mildes Wort der Entschuldigung geben könne. Das war ein Irrtum. Nach der in dem Bukarester „Cavantul" veröffentlichten Denkschrift der „christlichen Union rumänischer Studenten" muß das unerbittlich harte Urteil über diese Exzedenten wesentlich modifiziert werden. In dieser Denkschrift wird der Nachweis erbracht, daß die Studenten nur im Sinne der ihnen von der Regierung gegebenen, anfänglich noch viel weitgehenderen Direktion gehandelt hätten. Die Knüttelhelden und Tempelschänder halten es aber unvereinbar mit ihrer sonstigen studentischen Ehre, aus Rücksicht für das empörte Ausland die Verantwortung für das Geschehene allein zu tragen. Eine Regierung, die es offenkundig verschmähte, von ihrer Macht, die Exzesse im Keime zu ersticken, Gebrauch zu machen, wird natürlich keinen Augenblick zögern, der Denkschrift der rumänischen Studenten ein kategorisches Dementi entgegenzusetzen. Das darf aber die Juden keinen Augenblick hindern, den rumänischen Studenten die Gerechtigkeit widerfahren zu lassen, daß man ihnen kein höheres Maß an Schuld und Verantwortung zumißt, als ihnen gebührt. An dieser Stelle schrieb ich neulich, daß Justinian Seredi, der neuernannte Primas von Ungarn, seitdem er den Boden seines Vaterlandes betreten „wiederholt seiner Ueberzeugung in einer Weise Ausdruck gegeben, die die Antisemiten aller