Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 7 (17.2.1928)
- Date
- 1928-02-17
- Page
- – (sequence 3)
- Language
- German
- Belongs to
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||i't!llllllll!llllllllll!IIIIUIilll!lllllll!!IIIIIH Seitw 3 dürfnisse ihrer Mitglieder zu sorgen und die durch diesen Zweck gebotenen Anstalten zu erhalten und zu fördern hat. Die Kultusgemeinde hat daher, wenn zunächst vom Kultus selbst abgesehen wird, gemäß § 3 Punkt c, für die Erteilung des Religionsunterrichtes und für dessen Beaufsichtigung zu sorgen. Das ist die primäre Pflicht der Kultusgemeinde, das ist ihre ureigenste Aufgabe, und vor allem hat sie daher dieses Bedürfnis zu befriedigen und es voll zu erfüllen, bevor sie darüber hinaus Anstalten schaffen oder unterstützen kann. Man tut nicht gut, wenn man, wie es auch im heurigen Jahre geschah, die Religionslehrer angreift und es gewissermaßen als ein unwiderlegbares Axiom hinstellt, als ob unsere Religionslehrer ihrer Aufgabe nicht voll gewachsen wären. Dies ist ganz und gar unrichtig. Wer dies behauptet, kennt einfach unsere Religionslehrer nicht. Für mich kommt diesfalls insbesondere auch das Lob einer Persönlichkeit, wie die des Herrn Pappenheim in Betracht, welcher in seiner Rede ausdrücklich hervorgehoben hat, daß es in diesem Belange bei weitem besser geworden ist, als es früher war. Wenn eine Persönlichkeit von der religiösen Einstellung des Herrn Pappenheim eine derartige Bemerkung macht, dann kann sie nicht hoch genug gewertet werden. Es ist auch nicht gut, wenn bei jedem Anlasse gegen die Lehrer gesprochen wird. Die Aufgabe des Jugendbildners ist eine edle, eine heilige Aufgabe und wer sich dieser Aufgabe widmet und in sich den Drang fühlt, dieser Aufgabe gerecht zu werden, ist zweifellos ein guter, ein edler Menschenfreund. Noch viel höher und hehrer ist der Wirkungskreis und die Aufgabe des Religionslehrers, der in die unentwickelte Seele des Kindes jenen Keim legen soll, aus dem der Baum religiöser Ueberzeugung und Weltanschauung erstehen soll. Die Aufgabe eines Religionslehrers ist eine um so Welt der Geister, der Toten! Man muß zurückanstatt vorwärtsgehen! Also mit der Psyche des heutigen Menschen . . ." Als ich dies hörte, stand bei mir fest: der Chef ist übergeschnappt. Mein Chef schien meine Gedanken z» erraten. Er wiederholte seine erste Frage: „Halten Sie mich für meschugge?" „Nein, durchaus nicht", antwortete ich. denn ich war überzeugt, daß er verrückt war. Und als der Chef schwieg, fuhr ich fort: „Aber was. Herr Müllersohn, sollen wir schreiben, um Gottes willen?" „Nicht um Gottes willen, sondern um unseres Blattes willen. Hören Sie. zu: Sie, Sie allein können das machen. Sie müssen anfangen, alltäglich von überirdischen Dingen zu schreiben. Zunächst müssen wir unsere Leser daran gewöhnen. Zum Beispiel mit einer sensationellen ersten Notiz über Spiritismus, Geisterseherei und dergleichen faule Dinge. Dann werden wir weitergehen und den Leuten Tatsachen vorsetzen. Verstehen Sie? Tatsachen aus der Welt der Geister! Das zieht, reizt, regt an! Ich habe schon meinen Plan und rechne mit der Geistlosigkeit der Kapazker Leser . . ." Und dann legte der Chef los. Zwei Stunden hat er gesprochen. Zwei Stunden habe ich zugehört! Eine Rekordleistung für einen Journalisten . . . Und am anderen Tage las Kapazk in den Spalten unserer Zeitung folgendes: „Es ist uns gelungen, den berühmten Spiritisten, Doktor Geisterowitsch, dessen Leistungen auf dem Gebiete des Okkultismus phänomenal sind, als Mitarbeiter zu gewinnen. Doktor Geisterowitsch beschäftigt sich zur Zeit mit sehr interessanten Experimenten. Er versucht, mit den Geistern großer Männer früherer Jahrtausende Fühlung zu bekommen. Wenn ihm dies gelingt, was nach den bisher geglückten Versuchen mit Bestimmtheit anzunehmen ist, so wird er regelrechte Gespräche, schwierigere, als sie, entgegen dem pädagogischen Gebote des Zusammenwirkens von Schule und Haus, sehr häufig die Gegnerschaft der Eltern auslöst, ja unter Umständen mit Feindschaft mancher Eltern zu kämpfen hat, welche der religiösen Erziehung ihrer Kinder gleichgültig, wenn nicht gegnerisch gegenüberstehen. Um so wichtiger ist es daher für uns, die Tätigkeit der Religionslehrer zu unterstützen und zu fördern, sie in keiner Weise unter der Ungunst der Verhältnisse leiden zu lassen und ihnen kein Verschulden aufzubürden, welches ihnen nicht zur Last fällt. Wesentlich ist immer die religiöse Erziehung im Elternhause, sie allein ist fortwirkend und für das künftige Leben bestimmend. Sie allein kann zumal mit ihrer Zwillingsschwester, der Pietät gegenüber den Eltern und Großeltern, die ganze künftige Entwicklung des Menschen beeinflussen und festlegen. Was wir diesfalls neben den Eltern oder gegen die Eltern tun können, kann nur immer Stück- und Flickwerk bleiben. Gerade aber darum ist der Religionsunterricht in den öffentlichen Schulen, für dessen Erteilung wir zu sorgen haben, von allergrößter Bedeutung. Gerade darum, weil vom Elternhause nur in wenigen Fällen und jedenfalls nicht ausreichend für die religiöse Erziehung vieler Kinder gesorgt wird, ist es für die Kultusgemeinde von um so größerer Bedeutung, wenn in öffentlichen Schulen der Religionsunterricht auf einer möglichst hohen Stufe steht, so daß im Sinne des Volksschulgesetzes die sittlich religiöse Erziehung der Jugend hierdurch bewirkt wird. Wohl ist die Zeit, die dem Religionsunterrichte an Volks-, Bürger-, bzw. Haupt- und Mittelschulen gewidmet wird, eine nur geringe, eine sehr beschränkte. Allein auch in dieser kurzen Zeit läßt sich viel leisten und sind die Ergebnisse, wie wir allenthalben hören, derzeit weit günstigere, als früher. Aufgabe der Kultusgemeinde wird es stets sein, dafür zu sorgen, daß dieser Religionsunterricht an den öffentlichen bzw. Interviews in den Spalten unseres Blattes veröffentlichen können. Wir beginnen mit dem Abdruck der spannenden Artikelserie am 1. des nächsten Monats. Bestellungen auf unser Blatt bitten wir direkt an den Verlag zu richten." Der Erfolg blieb nicht aus. Es gab kein Haus, in dem nicht davon gesprochen wurde. Bereits nach acht Tagen zählten wir 7200 Abonnenten. Mein Chef sagte zu mir erfreut: „Sehen Sie? Wenn nur die Hälfte zahlt, so bin ich ein gemachter Mann und Sie, mein teurer Mitarbeiter, werden ebenfalls ein wenig gemacht. Ja, ja, ich kenne meine Leute: Für Juden muß man eben wenig jüdisch schreiben . . ." Einen Tag vor dem Ersten las ich meinem Chef folgendes Manuskript vor: Ein Gespräch mit König Salomo. Von Doktor Geisterowitsch. Es ist unmöglich, in diesem kurzen Artikel und in den folgenden, das Wesen des Okkultismus bekanntzugeben, weshalb ich ohne erklärende Einleitung zu dem Resultat meines letzten Experiments übergehe. Wir befinden uns in einem durch gedämpftes Licht schwach beleuchteten Räume und hatten bereits mit mehreren Geistern verkehrt, als sich ein lautes, dreimaliges Klopfen hören ließ. Dann sprach eine Stimme: „Ich bin der Hofmarschall des Königs Salomo und bringe die Nachricht, daß dem Doktor Geisterowitsch eine Audienz bewilligt worden ist. Auf Ersuchen des Doktors wurde die Dauer der Audienz auf sechsundeinehalbe Minute verlängert." Als ich dies hörte, frag ich beglückt: „O, König — bist du anwesend?" Eine weiche Stimme antwortete: „Ja, so rede schnell, denn meine Zeit ist knapp bemessen — ich kann mich mit irdischen Dingen nicht lange aufhalten . . ." Ich sagte erregt: „O großer König, weiser Richter, kluger Architekt und genialer Dichter des Hohen Liedes! O König — sage mir: gebot dir dein Verstand tausend Frauen