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Die Wahrheit · 1928-02-17 · Heft 7 (17.2.1928) · page 2

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 7 (17.2.1928)
Date
1928-02-17
Page
– (sequence 2)
Language
German
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iiiiiiiiihiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiim 131^ WAHRHEIT Zwecken dienen oder soll sie jüdisch-religiös sein? Wenn die von gleichem Redner angeregte Enquete objektiver Fachleute und nicht zuletzt der Eltern selbst stattfinden würde, so glauben wir in der Ansicht nicht fehl zu gehen, daß eine große Majorität sich für die jüdisch-religiöse Erziehung entscheiden würde. Nur eine Erziehung in diesem Sinne wäre im Interesse der Wiener Judenschaft die einzig mögliche und einzig richtige. Jede andere, besonders die jüdischnationak müßte restlos Schiffbruch 'erleiden und letztere hat dies auch schon getan. Wir verweisen auf den Umstand, daß am letzten zionistischen Parteitag beinahe alle Redner einmütig bekannt haben, daß den Jüdischnationalen die Jugend verlorengegangen ist, die sie auf alle mögliche Weise und nicht zuletzt durch ihr Schulwerk an sich zu fesseln versuchten. Aus dieser Tatsache kann nur eine Schlußfolgerung gezogen werden: Nicht jüdisch-nationale, sondern einzig und allein nur wahrhaft jüdisch-religiöse Erziehung! Diesen Standpunkt vertrat in energischer-Weise der Obmann der Schulkommission Dr. Josef T i c h o, der in einer an anderer Stelle wiedergegebenen, überaus gehaltvollen Rede den Ausbau der bestehenden Bibelschulen zu diesem Zwecke ankündigte. Auch weitere Maßnahmen, wie Jugendgottesdienst, Jugendbibliothek, Lichtbildervorträge usw. sollen der Verwirklichung dieses idealen Zieles dienen. Diese Ankündigungen dürften in Bälde in die Tat umgesetzt werden, denn alle Fraktionen des Kultusvorstandes — von dem greisen orthodoxen Führer Wolf P a p p e n h e i m bis zu den in religiösen Fragen extremen Sozialdemokraten — waren sich der Notwendigkeit eines raschen Zugreifens bewußt, wenn die Jugend dem Judentum erhalten bleiben soll. König Salomos tausend Frauen. Von Josef Kaplan (Fulda). Als ich eines Tages in die Redaktion des „Kapazker Tageblatt" kam, bemerkte ich, daß mein Chef, der Herausgeber und Chefredakteur, eine sehr finstere Miene aufgesetzt hatte. Dies wunderte mich weiter nicht, da ich derartige Gesichter bei meinem Chef gewohnt war. Aber bei näherem Hinsehen, glaubte ich feststellen zu können, daß dieses Gesicht doch etwas Besonderes war: es war nicht mehr finster wie gewöhnlich, sondern stockfinster. Und das gab zu denken . . . Als ich mich diesem mondlos-nächtlichen Gesichte gegenübersetzte, die Feder ergriff, um zu schreiben, was zu schreiben war, hörte ich einen tiefen Seufzer, der sich der redaktionell geladenen Brust meines Chefs entrang. „Ach", sagt er. „Ach, es ist trostlos! Es ist traurig! Es ist zum Verzweifeln! Zum Verriicktwerden! Zum Davonlaufen!" Ich blickte erschrocken auf und sah ängstlich mein Gegenüber an. Dieses frug hohl: „Halten Sie mich für meschugge?" „Aber — Herr Müllersohn — nein!" „Nun, für was halten Sie mich denn?" „Ich halte Sie für ... für .. . für . . . überarbeitet . . ." „Nein, das bin ich nicht — bin ich noch nie gewesen!" Besonders erwähnenswert ist auch das hohe Niveau, auf dem die Debatte über das Kapitel „F ü rsorge" stand. Man kann über die Verteilungsmethoden sicherlich verschiedener Ansicht1 sein und Verbesserungen auf diesem Gebiete sind gewiß erstrebenswert. Aber in der Forderung nach einer großzügigen Unterstützung des Elends der Armen und Kranken, der Witwen und Waisen darf es keine Parteiunterschiede geben, und gibt es bei uns glücklicherweise auch keine. Denn eine Gemeinde, die, wie Reg.-Rat Dr. Oppenheim nachwies, 40% ihrer Gesamteinnahmen charitativen Zwecken widmet, verdient Achtung bei Juden und Nichtjuden. So stand die Budgetdebatte, wie wir dies hier au zwei ihrer wichtigsten Kapitel aufgezeigt haben, auch in ihrer Gänze im Zeichen einer gewissen Einigkeit und des Bemühens zur Verständigung. Sie war die letzte vor den Kultuswahlen. Hoffentlich werden auch diese auf gleich hohem Niveau stehen. * , * Die Budgetrede DrJ. Tidios. Es ist eine leider schon eingeführte Hebung in dieser Gemeinde, im Zuge der Budgetdebatte über das Schul- und Unterrichtswesen in der Gemeinde zu sprechen, hierbei verschiedene Gesichtspunkte zu entwickeln, in jedem Falle aber diese Frage auch vom politischen Standpunkte zu behandeln. So war es leider auch in dieser Budgetdebatte der Fall, indem von Seiten verschiedener Redner der Ruf nach der „jüdischen Schule" erhoben wurde. Bevor ich zu dieser Frage Stellung nehme, will ich die Herren darauf verweisen, daß die Aufgabe der Kultusgemeinde im § 3 des Statutes klar und deutlich festgelegt ist, und zwar dahingehend, daß sie innerhalb der durch die Staatsge^etze gezogenen Grenzen für die Befriedigung der religiösen Be- „Dann — dann — kann ich mir Ihren Zustand nicht erklären — wirklich nicht . , ." „Nicht? Sehen Sie nicht, daß in mir etwas vorgeht? Sehen Sie nichts? Gar nichts?" „Ja, Herr Müllersohn, aber was denn — was geht denn in Ihnen vor? ..." „Was in mir vorgeht? Hören Sie: es passiert rein gar nichts in der Welt! Das was passiert, ist lau, uninteressant, langweilig, zum Tode langweilig, alltäglich, ohne Würze, kurz: kein Stoff, um eine Zeitung zu machen . . .!" „Aber, Herr Müllersohn — es passiert doch genug in der Welt! Es gibt Konferenzen, Kongresse, allgemeine Politik, jüdische Politik, Gemeindepolitik, so'ne Politik, solche Politik, Morde, Familiendramas, Einbrüche, Konkurse, Antisemitismus, man schlägt Juden, hält Pogromreden! Ist das nicht genug? Passiert das alles nicht?!" „Stimmt! Das passiert alles — aber es ist nichts, gar nichts, überhaupt nichts für eine Zeitung in Kapazk! Hören Sie? Gar nichts ist das! Das alles erfahren unsere Leser auch so." „Ja, aber was soll man da tun, Herr Müllersohn?" „Das ist eine Frage, die schnellstens beantwortet werden muß. Denn kaum haben wir unser Blatt auf eine ansehnliche Höhe gebracht, als auch schon Klagen aus dem Leserkreise einlaufen. Wissen Sie, was sie schreiben? Daß in meinem Blatt nichts drinsteht! Daß sie das alles auch wo anders lesen können, und daß sie deshalb nicht umsonst Geld ausgeben wollen. Und was sollen wir daraus lernen? Daß irdische Geschehnisse den Leser nicht mehr reizen. Daß das, was auf Erden geschieht zu uninteressant ist, zu alltäglich, zu stumpf, zu banal' Verstehen Sie?" „Ich verstehe — aber was soll man tun?" „Was man tun soll? Hören Sie: von jener Welt schreiben! Man muß etwas von jener Welt schreiben! Von der

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