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Die Wahrheit · 1928-02-10 · Heft 6 (10.2.1928) · page 11

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
– (sequence 11)
Language
German
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DIE WAHRHEIT iiHiiiiiiiiiiniiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiiuiiiiM Seit« 11 Herr Dr. J. H. K ö r n e r gemäß den Bestimmungen der Wahlordnung in den Kultusvorstand einberufen. Matrikenbericht für den Monat Jänner 1928. Beim Matrikenamte der Israelitischen Kultusgemeinde gelangten im Monate Jänner zur Eintragung: 125 Geburten, 234 Sterbefälle, 66 Austritte aus der israelitischen Religionsgesellschaft und 23 Eintritte ins Judentum, bzw. Rückkehr zur israelitischen Religionsgesellschaft. Personalien. Der Vorstand der Israelitischen Kultusgemeinde Wien hat dem. Verwalter im Spitale der Israelitischen Kultusgemeinde, Hugo Weiß, den Titel „Oberverwalter" und der Frau Dr. Chaje Salomon eine Sekundararztensstelle in der Versorgungsanstalt der Israelitischen Kultusgemeinde verliehen. Konfirmanden-Unterricht. Der Vorstand bringt zur Kenntnis, daß der alljährlich in den Tempeln der Gemeinde stattfindenden Koniirmation der israelitischen Mädchen ein Konfirmanden-Unterricht vorausgeht. Die Teilnahme an diesem Unterrichte steht solchen Mädchen frei, welche im Laufe des Kalenderjahres das 14. Lebensjahr bereits erreichen. Die p. t. Eltern oder Vormünder werden demgemäß eingeladen, ihre Töchter, bzw. Mündel zu veranlassen, sich bei ihrem Religionslehrer oder im Schulamte der israelitischen Kultusgemeinde, I.» Seitenstettengasse 4, III. Stock, bis spätestens 20. Februar 1928 wegen Teilnahme an dem Konfirmanden-Unterrichte zu melden. Mädchen, die keinen öffentlichen Religions-Unterricht genießen und über Wunsch der Eltern oder Vormünder konfirmiert werden sollen, sind gleichfalls im Schulamte der israelitischen Kultusgemeinde bis zu dem angegebenen Termin anzumelden. Der Unterricht ist unentgeltlich. Der Vorstand der israelitischen Kultusgemeinde Wien. \eri}ffci%itiekimaan> dct UniCMt deutrcfocs'tecveicKifchev Stielen <Pcdfpcuia»enJiaUcJVr.94d4 WieillX.'BaF&yaeS'e 4t TeUion.:19-2-J7 Ein Fischzug. Ueber den Amalthea-Verlag und den Grafen Ottokar C z e r n i n fällt die P r a g e r „W a h r h e i t" vom 1. d. M. folgendes saftiges Urteil: „Der Wiener Amalthea-Verlag, der, wie die Ziege Amalthea dereinst den Göttervater ernährte, so heute den Angsttraum vor dem Bolschewismus im Interesse international zusammenarbeitender Reaktion nährt, hat erst im Vorjahre die wohlbekannte Firma auf dem Gebiete des ebenso international zusammenarbeitenden Antisemitismus Tharand Freres herausgebracht. Ihr in Romanform verkleideter indirekter Pogromaufruf beweist uns wie im Französischen so auch in der deutschen Uebersetzung klipp und klar, daß die Juden ein Doppelgesicht haben: das kapitalistische und das bolschewistische. Worauf eben „Die Herrschaft Israels" beruhe — so heißt instiktsicher der Schlagertitel ... So ist das eben hier verlegte „Tagebuch" des Grafen Ottokar Czernin auch kein übler Beitrag zur Psychologie eines aristokratisch fundierten und aristokratisch zum Ausdruck gebrachten Antisemitismus . . . Mein Gott, menschlich begreiflich ist es Ja, daß der Mensch einen Sündenbock braucht. Zumal, wenn er für den unmittelbaren Anlaß eines Weltkrieges verantwortlich ist. Altbeliebte Sündenböcke sind auch da wieder die Juden, die mit Sonnenfischen physiognomisch gleichzusetzen, gewiß nicht ganz unoriginell ist. Aber mit welcher Tierfratze müßte man eines Czernin geistige Physiognomie vergleichen? Eines weltgeschichtlich Abgedankten mit der Stirn, alles den anderen in die Schuhe zu schieben? — Die Zoologie ist zuweilen an Typen zu ar m." So schreibt eine nicht ausgesprochen jüdisch, sondern allgemein kulturell und pazifistisch eingestellte Zeitschrift. Um wieviel mehr muß ein jüdisches Blatt das Vorgehen Czernins geißeln! Wir zitieren eine ausländische, nämlich eine französische Blätterstimme, die „Tribüne Juive" in Straßburg: „Uns Juden darf jeder ehrlose Bube begeifern, jede Kröte am Weg ihren übelriechenden Saft auf uns spritzen. Der Graf Czernin ist von Clemenceau in öffentlicher KammsrSitzung eine Exzellenz und ein Lügner genannt worden. Es ist nicht leicht fest-. zustellen, inwieweit dieser Vorwurf den korrupten Minister des Kaisers Karl und Freund WUhelms II. gekränkt hat. Da diese schallende Backpfeife nicht die Wange des Edlen erreichen konnte, hat sich wahrscheinlich kein Körperteil des gewissenlosen Mannes gerötet Gewissenlos ist schon eine Schmeichelei. Dieser Graf Czernin ist nunmehr ein würdiger Spießgeselle der Hitler und Ludendorff, der ungarischen und rumänischen Pogromisten." Zum Schlüsse, der Abwechslung halber, eine antisemitische Presseäußerung. Die nationalsozialistische „Deutsche Arbeiterpresse" schreibt über den Fall: „Auch der ehemalige österreichische Außenminister Czernin ist endlich zur Einsicht gekommen, daß die Völker im Weltkrieg vor allem für die jüdische Finanz geblutet haben. Er hat dies in seinem „Afrikanischen Tagebuch" öffentlich erklärt. Alte österreichische Diplomaten brauchen zwar lang, um den Kern der Dinge zu erkennen, aber schließlich kommen sie doch auch darauf. Das ist ein Trost." Dieser schwache Trost der „Arbeiterpresse" mag dem Herrn Grafen ein vielleicht stärkerer für die „schlechte Presse" sein, die bisher sein afrikanischer Ausflug in das Gestrüpp des Antisemitismus hatte. „Union deutschtisterrelchiscner Joden" _Mitgliedschaft II_ Elnladnn$ zu der Donnerstag, den 16. Februar. H8 Uhr abends, im Großen Saale des Wiener Bärger-Cafe. II.. Praterstraße 11. stattfindenden fereins-Versammlunä Josef Tagesordnun g: Ticho: Aktuelles aus der Wiener Kultus- 1. Dr. gemeinde. 2. Diskussion, zu der sich bereits mehrere Kultusvorsteher zum Worte gemeldet haben. Von Mitgliedern eingeführte Gäste, auch Damen, herzlichst willkommen. „Union deutschösterreichischer Juden" Dr. Jakob Ornstein.

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