Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 9)
- Language
- German
- Belongs to
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OiE WAH^HEll iiiiiitiiüiiiiiiiiiiiiiiiiniiiiiiiiii^ Seite t dächtig" sein? Nein, Herr Stauf von der March, das können Sie allerdings den Lesern der „Deutschen Arbeiterpresse" erzählen, aber kein venünftiger, rechtlich denkender Christ wird es Ihnen glauben. & $ * Baron Ludwig Hatvany hat, irregeführt oder in Selbsttäuschung befangen, gehofft, daß man seine Preßdelikte als verjährt werde gelten lassen und hat, von der Sehnsucht nach der Heimat übermannt, sich selbst seinen Richtern gestellt. Er soll seinen Irrtum mit sieben Jahren Zuchthaus und mit einer Milliarden betragenden Geldstrafe büßen. Das Urteil der Richter war hart, aber noch härter trifft Hatvany vielleicht seine Selbstvenurteilung. Er hat als demütiger Angeklagter um Verzeihung gebeten, wo ein Märtyrer oder ein Held die Rolle des Anklägers übernommen hätte. Ein ungarischer Patriot kann, ohne fürchten zu müssen, mit der Wahrheit in Konflikt zu geraten, den Beweis antreten, daß nicht derjenige die Ehre der Nation schmäht, der die Greuel des weißen Terrors verurteilt, der die Schandtaten der Hejjas und Konsorten brandmarkt, der die Freisprechung von Bombenattentätern rügt und die Begnadigung von tückischen Mördern als einen Schlag gegen Recht und Menschlichkeit empfindet. Diese Anklage gegen das Horthy-Regime wäre insoferne die glänzendste Selbstverteidigung Hatvanys gewesen, als sie seinen moralischen Sieg bedeutet hätte. Schließlich hätte sie vielleicht ihm auch nicht mehr als — sieben Jahre Zuchthaus eingebracht-. Freilich, ein kleiner Unterschied darf nicht übersehen werden. Das moralische Harakiri, das Baron Ludwig Hatvany an sich selbst vollzog, läßt ihm doch noch die Hoffnung auf Horthys Gnadenspruch. Der ungarische Reichsverweser, der so viele von „patriotischem Ueberschwang" geleitete Mörder vor dem Galgen bewahrte, kann schließlich auch dem seine „patriotischen" Verirrungen so bitter bereuenden Baron Hatvany die Tore des Zuchthauses öffnen. _ Ego. Martin Buber zum 50. Geburtstage Unter den Namen, die am Sternenhimmel des deutschen Schrifttums leuchten, und die wir zugleich mit berechtigtem Stolz für unser Judentum in Anspruch nehmen dürfen, sind wenige so vielen geläufig, wie der des Weisen von der Bergstraße. Man muß sich selbst einmal auf diesem schon von Roms Legionen als Heimatersatz gepriesenen gottbegnadeten Erdenstrich zur Zeit der Baumblüte gesonnt haben, um zu begreifen, wie ein fruchtbarer Geist hier zu köstlichsten Gaben reifen kann. Wir, die wir uns noch lebendig an Bubers Wiener Anfänge erinnern, wir, die wir noch mit seinem Ahnen Salomon Buber persönlich Beziehungen pflegen und zu den ersten Mitgenießern seiner Entdeckerfreunde auf den Blumenbeeten der Agada zählen durften, die er als Mäzen zugleich und als Autor unermüdlich bestellt hat, wir konnten mit reinem Genuß von der Wurzel bis zum reichbeladenen Wipfel Wuchs und Werden des ungewöhnlichen Schaffens begleiten, auf das heute der Fünfzigjährige mit Genugtuung zurückblicken darf. Gilt er dem Deutschen als fast unübertroffener Meister seiner Sprache, so dem Juden als Entdecker einer verschütteten, jedenfalls dem Auge des Westjuden bis dahin unsichtbaren Welt jüdischen Lebens, als Mentor eines erheblichen Teiles unserer Jugend, der sie mit seiner jüngsten Leistung an den Urquell des Judentums, zum Buche der Bücher zurückführt. Zur Feier seines Geburtstages schlagen wir die Uebersetzung der Heiligen Schrift auf, die B u b e r gemeinsam mit Franz Rosenzweig bei Lambert Schneider in Berlin herausgibt. Wie der erste Martin, der das heilige Buch in sein geliebtes Deutsch zu übertragen unternommen, spricht auch der ganze Martin Buber fast aus jeder Seite dieses gewaltigen Werkes, so weit überhaupt in einer Verdolmetschung persönliche Eigenart des Uebersetzers zu freier Entfaltung Spielraum sich schaffen kann. Da lesen wir das Schriftwort dieser Woche, darin die tiefdurchdachten Wendungen: „bedenkend Fehl von Vätem an Söhnen, am dritten und vierten Glied", „trage nicht Seinen deines Gottes Namen auf den Wahn", „ein Tag-sechst dien' und mach' all deine Arbeit", „damit fortlangen deine Tage auf dem Erdacker", „morde nicht", „buhle nicht", „stiehl nicht". Wucht des Wortes, sprachschöpferisches Schönheitsgefühl, Nachdenken spornende Neuerungen in der Wiedergabe altgewohnter Texte, alles vereint sich in diesem Werke, um es zu einer Vertiefung der Kenntnis unserer jüdischen Grundlehre wie eine Bereicherung des deutschen Schrifttums zu machen. Seiner würdig, ein Geburtstagsgeschenk, das der Gefeierte seinen Verehrern spendet. G. Residenz-Atelier für moderne Photographie Wien I., Fleischmarkt 1 — Tel. 79-2-80 Aufnahmen taglich 9—6 Uhr, Sonntag 10—5 Uhr MÖBELFABRIK SIGM. WIEN, 2. BEZ., PRA TERSTRASSE NR. 30 Reiche Auswahl solid gearbeiteter Möbel zu billigsten Preisen F E R NS PR E CH-N UM ME R 45-1-91 PPENHEIN