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Die Wahrheit · 1928-02-10 · Heft 6 (10.2.1928) · page 8

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 6 (10.2.1928)
Date
1928-02-10
Page
– (sequence 8)
Language
German
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Seite Ü 111111111.....ßfg WAHRHEIT HOTEL „NATIONAL fi WS Restaurant IM Wien II., Taborstraße 18 J£.le£*o3 '■p Zentrale Lage, 200Zimmer, fließendes kaltes und warmes Wasser u. Zentralheizung. In allen Zira ra ern Telephon Unter der bewährten Leitung des bestbekannten Restaurateurs S. Grüner. Voriügl. Wiener, ungarische u. orientalische (rumänische) Küche. Wienerbräu u. Pilsner Urquell. Qlerren*. Graf Ottokar Czernin hat, wie aus der vorwöchentlichen Nummer dieses Blattes zu entnehmen ist, für seine Behauptung — „Trotzki hat die ganze Frechheit, die seiner Rasse entspricht" — von Dr. Jakob O r n s t e i n, dem Präsidenten der „Union", eine gründliche, in der allervornehmsten Form abgefaßte Zurechtweisung erhalten. Nichtsdestoweniger dürfte es nicht für überflüssig erscheinen, hier, wenigstens im Auszuge, auch die Abschrift noch eines anderen an den Grafen Czernin gerichteten Briefes zu veröffentlichen, in welchem gleichfalls der rassentheoretische Standpunkt dieses ehemaligen österreichischen Ministers einer Kritik unterworfen wird. Da heißt es unter anderem: „ ... . Sie, Herr Graf, wollen die „Frechheit" Trotzkis stigmatisieren, die Sie in Brest-Litowsk - kennen lernten. Es fällt mir nicht ein, mit Ihnen darüber zu disputieren, ob Ihr Urteil über diesen Herrn, dessen Charaktereigenschaften ich nicht kenne, richtig ist oder nicht. Meinetwegen dürfen Sie in ihm die Verkörperung der „Frechheit" erblicken. Aber wie kommen Sie dazu, wegen dieses einen Herrn Trotzki dem ganzen Volksstamme, oder um mit Ihnen zu sprechen, der „Rasse", der er angehört, den Makel der „Frechheit" anzudichten? Denken Sie, llcn Graf, wenn es die Juden gilt, nur in dem Jargon, dessen sich die allerniedrigsten antisemitischen Hetzblätter bedienen? Sollte der Volksstamm, der der Welt einen Moses und die Propheten, die Stifter des Christentums und die Apostel schenkte, nicht gegen eine solche schmachvolle Verallgemeinerung gefeit sein? Kein Volksstamm wird im albernen Hochmut sich des Privilegiums rühmen und nicht auch „Frechlinge" in seiner Mitte zu haben. Aber wen berechtigt dies zu der brandmarkenden Kennzeichnung der ganzen „Rasse"? Ich weiß, wie schon erwähnt, nichts näheres über Trotzkis Wesen und Charakter. Vermutlich erstirbt er als russischer Bolschewist nicht in Verehrung vor den adeligen Herren. Aber ich glaube,' selbst dieser Trotzki, dessen „Frechheit" Sie, Herr Graf, so außer Rand und Band gebracht hat, wäre, wenn er die Anmaßung und Arroganz eines Aristokraten geißeln wollte, nicht so frech, dafür alle Adeligen als anmaßende arrogante Patronen zu kennzeichnen." Die Antwort des Grafen Ottokar Czernin auf diese Zuschrift ist leider nicht bekannt geworden. Vielleicht hat der Brief das Schicksal jener Briefe erfahren, die den Adressaten tatsächlich oder angeblich nicht erreichten und daher ohne Antwort blieben. 3s Die Hakenkreuzler rasen. Noch immer spielt der Neger „Jonny" dem Publikum in Wien auf, das sich im Theater über Rassenprobleme weder die eigenen noch die Köpfe anderer zerbrechen will, und schon droht -eine noch größere Gefahr. Die Frage, ob die Negerin Baker in Wien auftreten wird, ist zwar noch nicht entschieden. Aber eines ist gewiß, selbst jene, die die tänzerischen Leistungen der Negerin im verwegensten Sinn des Wortes nur in das Gebiet der — Afterkunst verweisen, stimmen darin überein, daß die hakenkreuzlerische Jugend nicht berufen ist, als letzte Instanz zu entscheiden. Die Behörden scheinen entschlossen zu sein, im Notfalle den hakenkreuzlerischen Jünglingen in unzweideutiger Weise verständlich zu machen, daß man es satt hat, sich ihre Diktatur länger gefallen zu lassen. Es bleibt ihnen allerdings freigestellt, falls es zu einem Gastspiel der Baker kommt, sich zu ärgern, bis auch sie — schwarz sind. '■i- _ * In der „Deutschen Arbeiterpresse" versucht Herr Stauf von der March, gelegentlich einer Polemik gegen den Hilsnerartikel der „Arbeiterzeitung", Propaganda für den Ritualmordglauben zu machen. Soll man einen Menschen ernst nehmen, der ruhig niederschreibt, es stehe fest, daß es „im Alten Testamente und im Talmud übergenug Stellen gibt, die nicht allein zum Hasse gegen die Nichtjuden, sondern auch zu deren Tötung aufreizen?" Bedenkt der Hetzer nicht, welche Anklage er damit auch gegen die katholische Kirche erhebt, die diesem Alten Testament die höchste Verehrung zollt? Vom Talmud kann Rohlings Nachbeter natürlich ebensowenig wie Rohling selbst eine Zeile lesen, aber das Alte Testament ist ja jedem in deutscher Sprache zugänglich. Und da soll es gestattet sein., dem heiligsten Religionsbuche der Juden solche verleumderische Ungeheuerlichkeiten straflos anzudichten? Ist es bodenlose Naivität oder etwas ganz anderes, wenn Herr Stauf von der March es verdächtig findet, „daß die Juden sich solidarisch mit dem des Ritualmordverbrechens Angeklagten erklären?" Ja, trifft denn die von Unwissenheit, Fanatismus und tückischer Bosheit gezeugte Anklage, daß die Religionsschriften der Juden es seien, die ihnen angeblich solche Ungeheuerlichkeiten als religiöse Pflichterfüllung vorschreiben, nur einen und nicht zugleich mit ihm alle Juden? Und gegen eine solche Anklage sollen sich nicht alle Juden solidarisch fühlen? Herr Stauf von der March hat auch die unfaßbare Dreistigkeit, gegen den französischen Justizminister Cremieux die Anklage zu erheben, „unter ihm seien die Akten über den recht brenzlichen Ritualmordprozeß ^betreffend die rätselhafte Ermordung des Kapuzinerpaters Thomas von Damaskus verschwunden", wobei er mit verständnisinnigem Augenzwinkern betont, daß Cremieux der Mitbegründer der AUiance ,4sraelite war. Und angesichts der die Ehre aller Juden bedrohenden Solidarität aller Judenfeinde, soll die Solidarität der Juden in der Abwehr „ver-

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