Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 6 (10.2.1928)
- Date
- 1928-02-10
- Page
- – (sequence 5)
- Language
- German
- Belongs to
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DIE WAHRHEIT imHimiimiuijumiuiJUiiiiuuuiHjHninmiHifninniHiunuinHnintinniuwinnnHnt» Seite 5 Dienstag abends folgte eine eingehende S p e z i a 1d e b a 11 e, bei deren einzelnen Kapiteln die Vertreter der Parteien des Kultusvorstandes ihre Wünsche und Beschwerden vorbrachten. Dr. Josef T i c h o als Obmann der Schul- und Unterrichtskommission und Baurat Wilhelm Kerapler als Obmann der Spitalskommission widerlegten in glänzender Weise die verschiedenen Beschwerden und fanden mit ihren Ausführungen großen Beifall. Vizepräsident Dr. J. Löwenherz präzisierte den Standpunkt des Kultuspräsädiums bezüglich der Subventionierung 'der Tempelvereine, die heuer mit S 80.000.— veranschlagt ist. Sodann beschloß der Finan?- referent, Regierungsrat Dr. H. Oppenheim, mit einer groß angelegten Rede die Debatte. Er beschäftigte sich in eingehender Weise mit der Kritik an dem Budget und verstand es vorzüglich, die vorgebrachten Anwürfe restlos zu erledigen. Das Präliminare pro 1928 wurde hierauf angenommen. Regierungsrat Oppenheim dankte nochmals dem Büro für seine werktätige Mitarbeit, insbesondere den Herren Amtsdirektor Reg.-Rat Q. Fuchsgelb und Oberbuchhalter Schäfer. Professor Dr. A. P i c k schloß mit herzlichen Dankesworten an den Budgetreferenten und das Büro in später Stunde die Budgetdebatte, deren diesmal besonders hohes Niveau allseits anerkennend konstatiert wurde. Zur Lehrerkonferenz vom 21. Jänner 1928. Von Dr. Josef T i c h o. Am 21. Jänner 1928 fand im Sitzungssaal der Israelitischen Kultusgemeinde eine Konferenz der Religionslehrer an Volks- und Bürgerschulen Wiens statt. Diese Lehrerkonferenz hatte, wie alle bisherigen Lehrerkonferenzen, einen streng vertraulichen Charakter. Trotzdem erschienen in Wiener zionistischen Wochenschriften Berichte über angeblich in dieser Konferenz gehaltene Reden. Ist es schon an sich befremdlich, daß vertrauliche Aussprachen zwischen dem Inspektor des Religionsunterrichtes einerseits und den Religionslehrern anderseits in die Oeffentlichkeit gebracht werden, so muß dies um so mehr berechtigtes Aufsehen erregen, wenn von unverantwortlicher Seite Bruchstücke von Aeußerungen in entstellter Form wiedergegeben werden, wodurch ein falsches Bild gewonnen und der wahre Sachverhalt unterdrückt wird. Lediglich deshalb, weil hierdurch das Ansehen der Kultusgemeinde und ihrer Organe schwer beeinträchtigt wird und weil ein Stillschweigen zu diesen unberechtigten Angriffen unter Umständen als Zustimmung gedeutet werden könnte, sehe ich mich veranlaßt, Nachstehendes festzustellen: An dieser Lehrerkonferenz nahmen auch Mitglieder des Vorstandes, darunter der Vizepräsident der Kultusgemeinde Herr Dr. O r n s t e i n teil. Daß die über die Lehrerkonferenz in die Oeffentlichkeit gelangten Berichte zum großen Teile wahrheitswidrig sind, wurde in der Folge von einzelnen Vorstandsmitgliedern, auch von solchen, welche der zionistischen Partei angehören, loyal zugegeben. Unrichtig ist es vor allem, wenn behauptet wird, daß der Inspektor des. Religionsunterrichtes, Prof. Dr. Heinrich R e d i s c h sich gegen eine umfassende jüdische Schulbildung ausgesprochen hätte. Hierzu lag auch gar keine Veranlassung vor. Richtig ist vielmehr, daß ein Lehrer, obwohl es sich um die Besprechung des Lehrplanes für den Religionsunterricht an den öff entlichen Volks- und Bürgerschulen handelte, plötzlich mit der Einstreuung debütierte, daß an den Volks- und Bürgerschulen irgend ein Erfolg in Ansehung der religiösen Jugenderziehung nicht möglich wäre, daß alle Bemühungen derReligionslehrer scheitern müssen und daß jedes jüdische Kind in die jüdische Schule gehöre. Schon diese Ansicht, vorgetragen in einer ganz und gar unpolitischen, lediglich mit der Besprechung des Religionslehrplanes an öffentlichen Volks- und Bürgerschulen befaßten Lehrerkonferenz mußte und muß den schärfsten Widerspruch hervorrufen. Die Zustimmung zu dieser Forderung wäre gleichbedeutend mit dem Verzicht der Kultusgemeinde auf den religiösen Unterricht der gesamten an den öffentlichen Volks- und Bürgerschulen lernenden jüdischen Jugend. Infolgedessen hat Inspektor Dr. Redisch dargelegt, daß die Einführung der konfessionellen Zwangsschule, sohin die Erfüllung der von dem genannten Lehrer erhobenen Forderung abgelehnt werden müsse, daß, abgesehen von der finanziellen Unmöglichkeit, diese Forderungen zu erfüllen, diese eine Herabdrückung des Bildungsniveaus der jüdischen Jugend im Gefolge hätte, weil diese Forderung naturgemäß mit der Ausstoßung der jüdischen Jugend aus den öffentlichen Schulen, insbesondere auch aus den Mittelschulen, sohin mit der Einführung des Numerus clausus gleichbedeutend wäre. Im Anschluß daran ergab es sich von selbst, daß Prof. Dr. R e d i s c h die Bestrebungen in Deutschland, welche die Einführung der konfessionellen Schule bezwecken, behandelte und an Hand dter Gutachten hervorragender deutscher Gelehrter und Schriftsteller (Prof. Einstein, Thomas Mann, Heinrich Mann, William Stern usw.) nachwies, daß durch Einführung der konfessionellen Schule eine Vertiefung der religiösen Kluft, eine Gefährdung des Bildungszustandes der Gesamtbevölkerung herbeigeführt würde, wobei von ihm bemerkt wurde, daß die Herabsetzung des Bildungsniveaus eines Volkes naturnotwendig eine Intensivierung der Judenfeindschaft stets zur Folge habe. In Antwort auf eine Bemerkung desselben Lehrers, welche sich auf die Abfallbewegung bezog, wurde von Prof. R e d i s c h darauf verwiesen, daß es auch den vielen zionistischen Veranstaltungen, Vorträgen usw. nicht gelungen sei, diese Bewegung einzudämmen, und daß seinem Dafürhalten nach das Judentum eine religiöse Weltanschauung sei, welche als solche der Freidenkerbewegung mit aller Entschiedenheit entgegengesetzt werden müsse. * In diesem Zusammenhange wurde als Beispiel hervorgehoben, daß der von der Israelitischen Kultusgemeinde vor ungefähr 1M> Jahren für den Versöhnungstag in den Olympia-Sälen abgehaltene Jugendgottesdienst gerade von der Jugend sehr schlecht besucht wurde und daß nur während der Rede des seligen Oberrabbiners Dr. Chajes eine große Anzahl von jungen Leuten anwesend war, welche erst, als der Oberrabbiner kam, zugleich mit ihm den Saal, in dem der Gottesdienst abgehalten wurde, betraten, um ihn auch sofort nach Beendigung der Rede des Oberrabbiners wieder zu verlassen. Es ist begreiflich, daß dieses Beispiel von Prof. R e d i sc h nur zu dem Zweck vorgebracht wurde, um darzutun, daß diese Jugend eine religiöse Einstellung nicht be-