Die Wahrheit
- Journal
- Die Wahrheit
- Volume
- 1928
- Issue
- Heft 5 (3.2.1928)
- Date
- 1928-02-03
- Page
- – (sequence 10)
- Language
- German
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Seite 10 iDüDOoM Ot£ WAflHfflfl -tf js> # 'fe >r\ ik rfßr linicn (^eutfciiiS^tQVvcicKi^cKcv 7uc/c/i %rf5pcdW*W: Ar.94a^ WietilX. *Betr<ggafre 4h Teilen: 19-2-77> •cn Ein Fischzug. In dem unter diesem Titel in Nr. 3 der „Wahrheit" erschienenen Artikel haben wir darauf hingewiesen, daß Graf Ottokar Czernin schon zur Zeit, als er durch jüdisches Geld und jüdische Stimmen in den Nationalrat gewählt worden war, seine wahre Gesinnung enthüllt hatte. Eine interessante Ergänzung bietet der folgende Brief, den der Präsident der „Union", Herr Dr. Jakob Ornstein. am 23. August 1920 an den Herrn Grafen gerichtet hatte: „Ein Ihnen Unbekannter naht Ihnen mit einer Beschwerde gegen Euer Hochgeboren selbst; ich würde auch meinen Namen nicht genannt haben, wenn ich es nicht für richtig halten würde, daß ich mich offen zu dem von Euer Hochgeboren so schwer beleidigten Volksstamme, dem ich angehöre, bekenne. Mit großem Genüsse habe ich Ihr Werk über den Weltkrieg gelesen, es gewährt uns, der misera pliebs, so viele uns bis dahin verschlossene Einblicke in das Seelenleben der einst Mächtigen dieser Erde, in das diplomatische Getriebe u. dgl., daß seine Lektüre wohl für jeden Leser einen dauernden Gewinn bilden wird; allein ein einziger Satz ist geeignet, auf das Bild des Verfassers einen trüben Schatten zu werfen. Im Kapitel über Brest-Litowsk schildern Sie, hochgeehrter Herr Graf, den russischen Unterhändler, Trotzki; ihre so überaus günstige Zeichnung seiner geistigen Qualitäten wird bei den meisten Juden kein Gefühl der Befriedigung hervorrufen, sie stehen ihm und seiner Partei zumeist in stärkster Gegnerschaft gegenüber, wie er anderseits einer Deputation einer Judengemeinde, die ihn auf die schweren Folgen seiner Wirksamkeit für seine Glaubensgenossen aufmerksam machte, schroff erwiderte: er sei kein Jude, er wolle mit ihnen nichts zu schaffen haben. Sie geben aber weiters, hochgeehrter Herr Graf, in einem einzigen kurzen Satze eine Charakterschilderung des Stammes, dem Trotzki entspringt, welche Abstammung Sie in der Art des bekannten Rufzeichens in den antisemitischen Blättern durch Hinzufügung („Braunstein") zu dem Namen Trotzki andeuten. „Trotzki", sagen Sie, „. . . hat die ganze Frechheit, die seiner Rasse entspricht." Mich und wohl jeden meiner Glaubensgenossen hat diese Aeußerung aus Ihrem Munde tief verwundet; welches Motiv sollen wir einer so verallgemeinerten, den allergrößten Teil eines Volksstammes so schwer kränkenden Charakterisierung zuschreiben? Wir können sie gewiß nur der notwendigen Raschheit der literarischen Produktion zuschreiben, welche oft Gelesenes — als Minister mußten Sie doch auch antisemitische Preßerzeugnisse Ihrer Lektüre unterziehen — als etwas selbst Erlebtes erscheinen läßt; denn eine solche schmähliche, vollkommen unrichtige Stigmatisierung konnte unmöglich Ihrer eigenen Kenntnis der jüdischen Volksseele entspringen. Nein, tausendmal Nein, hochgeehrter Herr Graf, wir sind nicht frech, Frechheit ist nicht der Grundzug unseres Charakters; es mögen gewiß auch unter den Juden einige Freche, von uns anderen wohl am meisten verachtete Individuen sich bewegen, vielleicht gerade unter manchen scheinbar höher stehenden, mit denen ein vormaliger Ministerpräsident verkehrte, allein die Masse ist nicht frech, wir Mittelständler, unsere Proletarier sind nicht frech und diese beiden Stände bilden die Hauptmasse des so verfolgten, täglich in gröblichster Weise verunglimpften Judentums; wir leiden ebenso schwer, ja noch schwerer, als die gleichen Stände aller Konfessionen unter dem harten Drucke der schweren Zeiten; wir sind gedrückt, aber nicht frech. Nicht „Frechheit", ein Herzensbedürfnis veranlaßt mich, gegen den übel unterrichteten Verfasser an den Staatsmann, der einst der Stolz und die Hoffnung Oesterreichs war, Berufung einzulegen; jede Berufung schließt mit einer Bitte; auch dieses ergebene Schreiben soll mit einer solchen endigen; brandmarken Sie, hochgeehrter Herr Graf, jeden einzelnen frechen Juden, ein solches Vorgehen wird unser aller Beifall finden, aber mögen Sie überzeugt sein, daß Frechheit der „jüdischen Rasse" ebensowenig wie irgend einer anderen Konfession oder welchem Volksstamme immer innewohnt." ite.tf Union- Versammlung. Montag, den 30. v. M. fand im Festsaale der Bezirksvertretung IX, eine sehr stark besuchte Versammlung der Mitgliedschaft IX der „Union" unter Vorsitz des Obmannes dieser Mitgliedschaft Herrn M. Oesterreicher statt. In seinen einleitenden Worten begrüßte dieser die zahlreichen Erschienenen, unter denen sich viele Kultus Vorsteher mit Präsident Prof. Dr. A. P i c k an der Spitze und die meisten Herren des Zentralvorstandes der „Union" mit Präsident Dr. Jakob Ornstein befanden. Der Vorsitzende betonte die Notwendigkeit, den Mitgliedern der „Union", die wohl ein politischer Verein sei, gerade in der heutigen Zeit auch kulturelle Vorträge zu bieten, und erteilte Herrn Universitätsprofessor Dr. Max E i s 1 e r, dem hervorragenden jüdischen Kunsthistoriker, das Wort zu seinem Vortrage über „R e mbrandt und die jüdische Welt". Herr Professor Bisler erklärte zunächst, sehr darüber erfreut zu sein, in diesem Kreise der Sache der geistigen jüdischen Kultur in seinem Sinne dienen zu können. Das Werk Rembrandts wird oft als jüdisch hingestellt, Rembrandt selbst als heimlicher Jude bezeichnet. Mit derartigen Ausstreuungen wolle sich Redner nicht befassen, auch nicht mit den phantastischen Spekulationen, die oft an die Bilder des großen Meisters geknüpft werden. Nur eine einfache reine Betrachtung derselben soll uns zeigen, wie weit jüdische Tatbestände ins Leben Rembrandts fallen. Dieser hat wohl frühzeitig die hebräische Sprache gelernt, war bibelfest, seine Amsterdamer Quartiere befanden sich in oder nahe der Judengasse und in seiner vertrautesten Umgebung haben her-