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Die Wahrheit · 1928-02-03 · Heft 5 (3.2.1928) · page 9

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Journal
Die Wahrheit
Volume
1928
Issue
Heft 5 (3.2.1928)
Date
1928-02-03
Page
– (sequence 9)
Language
German
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der diese iljrem Herzen ganz besonders teure Thorarolle vor dem Schicksal bewahrte, besudelt und zerfetzt zu werden. Und er hat überdies aucii auf Heller und Pfennig bewiesen, wie teuer sie auch ihm ist. * * * Drei Italiener von unverfälscht katholischer Abstammung, die durch ihr Aussehen jedoch den Irrtum erregten, Juden zu sein, wurden in Bukarest am hellichten Tage von rumänischen Studenten überfallen und mißhandelt. Irren ist — menschlich. Man kann also auch an diesem Fall ersehen, worin die Menschlichkeit rumänischer Studenten sich äußert. Ego. Jüdische Frauenideale. (Fortsetzung.) Die Frauenideale in den sieben Himmeln. (ßethamidrasch III, 136.) Für die idealen (gerechten) jüdischen Frauen (Zadkanioth), die Wohltaten übern und ihre Kinder zum Thorastudüum anhalten, sind auf der Nordseite des Paradieses (Ganeden) sieben besondere Räume vorgesehen. Im ersten Himmel wohnt Bithjah, die Tochter des Pharao, und mit ihr fromme Frauen, die Waisen erzogen, gelehrte Gäste ihres Mannes gastfrei aufgenommen und täglich im Geheimen Wohltaten geübt haben, bie thronen dort gekrönten Hauptes, verklärt von der Gegenwart Gottes, und rufen über die ägyptische Königstochter: „Heil dir, daß es dir gelungen, einen Praditzweig in der Welt aufzuziehen und zu pflegen (414). Im zweiten Himmel weilt mit anderen Zadkanioth Jochebed, die Frau Amrams, jene rufen über sie dreimal täglich: „Heil dir, daß du einen Sohn gebären durftest, dessen Haupt und Füße vom heiligen Düster verhüllt waren." Im dritten Himmel residiert die Prophetin Mirjam, um sie Zadkanioth, die ihre Männer zum rechten Weg und zum Gottesdienste angeleitet haben. In jedem Himmel stehen feierliche Prunkzelte und bekannte Engel sind über jeden himmlischen Wohnraum bestellt. Den vierten Himmel bewohnt die Prophetin Hulda mit Zadkanioth, den fünften Himmel Abigail, die folgenden Sara, Rebekka, Rahel und Lea. Die Frau am Seder. Aus „Der Kittel" (jüdisch-deutsche Parodie auf die „Glocke"). Ins Hochdeutsche übertragen. Es freut sich das Weib, sie hat nichts vergessen An keinerlei Sach zum Trinken, zum Essen. Und es soll nicht kommen eine Scheela (ein Stück Chometz) inmitten, Ist sie doch versorgt mit allem Giten (Guten), S' ist da a paar Velk (Truthähne), gelobt bist du Gitt! Und Schmalz und Eier gar bez czot (ohne Zahl) Und Borscht ist da eine ganze Dischke (Faß), Kartoffeln, anzustopfen die Kischke (den Magen) Und Kwasnizes (gesäuerte Aepfel) das Herz erquicken Und guten Freunden Mattones (Geschenke) zu schicken. Heut wer schmisst (sagt): „Das muß doch sein, Die Mazzos, das Fleisch, der Rosinienwein, Alles hat sie im Sinn getragen, Ja gut zu versorgen Hals und Magen, Auch vergass sie nicht zu dienen Gott, Zu halten seine heil'gen Gebot'. Hat Challo genommen zu rechter Zeit Und Licht gebenscht wie fromme Leut, Und hat verrichtet noch andere Sachen, Wovon kein Langes und Breites zu machen, Nach alle dem hat sie sorgsam getracht ■ Und freut sich nun in der Sedernacht.... i Die alte Babe (daselbst) (Großmutter) von SO Jahr. Im weißen Randtuch schön und klar, Im breiten Brusttuch mit Spanier (goldenen Schnüren) benäht. Im schweren goldgestickten Kleid, Im Leiblikenascher (Leibchen), die Weste mit Fee (Eiohhörnchenfell), Altfränkische Moden, altfränkisch Genäh'. In weißen Socken, kleinen Pantöffelchen, Mit weißer Jesche (dünnem Schafledar) mit hohen Kneflein (Absätzen), Sie sitzt und sinnt und schüttelt den Kopf ... (Sie denkt an die Unsicherheit der Juden m ihrer Jugend und dankt Gott für den Fortschritt der Kultur und Duldsamkeit!; Aus dem Orient In der Nähe von Akra (Kurdistan), etwa eine halbe Stunde von der Stadt entfernt steht eine alte Synagoge. In dem zu ihr gehörenden Quellbad baden noch heute die jüdischen Frauen. Einst wurde eine Badende von vier Kurden überfallen, die ihr aufgelauert hatten, um ihr Gewalt anzutun Da ergriff sie, wie von übermenschlicher Kraft beseelt, einen Holzblock, der in der Nähe lag und erschlug damit den einen. Die anderen drei töteten sie aus Rache. — Ein anderes Mal wurde an derselben Stelle eine Jüdin von einem Kurden überfallen. Sie entriß ihm sein Schwert und stieß es ihm in die Brust Einer seiner Freunde, der gerade des Weges kam, war Zeuge des Vorganges gewesen und erschlug die Frau. — Als der Weltreisende Benjamin II. in Schiras (Persien) sich aufhielt, besuchte ihn eine Gruppe von Frauen, das Antlitz mit weißem Schleier verhüllt. Er wußte, daß Jüdinnen einen schwarzen Schleier tragen müssen. Von diesem Besuch daher befremdet, fragte er nach ihrem Begehr. Sie lüfteten den Schleier und klagten ihm bitter, daß sie, um ihr Leben zu retten, gezwungen worden seien, zum Schein den Islam anzunehmen. Von ihrem Leiden ergriffen, tröstete sie Benjamin mit dem Hinweis auf Gott der den Herrschern Europas das Herz dazu antreiben werde, sich des Schicksals der Juden Persiens zu erbarmen. — Derselbe Retsende erzählt auch in etwas anderer Form die Geschichte der Märtyrerin Esther Hacbuel, die wir in einem früheren Kapitel behandelt haben. Bei ihm heißt sie Zuleika Chatuel. Der Vorname dürfte der arabische gewesen sein, während sie als Esther bei den Juden bekannt war. Sie zählte bei Ihrem Tode (1831) zwölf Jahre. Ihr Grab wird wie von Juden als auch von Mohammedanern besucht. Benjamin hörte die Geschichte an Ort und Stelle 23 Jahre später. Einige Lieder, die jüdische Autoren zum Preise dieser Blutzeugin verfaßt haben, komponierte er. (Fortsetzung folgt.) Die neugegründete Konzertgesellschaft zur Pflege synagogaler Musik hat es sich zur Aufgabe »macht, die schlummernden Schätze synagogaler Kunstwerke der großen jüdischen Oeffentlichkeit zu erschließen. Das erste Debüt der Gesellschaft findet anläßlich des Chamischo-Osor-Festes. Sonntag, den 5. Februar 1928 (15. Schwat 5688) präzise 7 Uhr abends, im Tempel. IL, Pazmanitengasse 6, mit folgendem Programm statt Maariw-Gebet 1. Weintraub: Psalm 115, Chor. 2. NowakowskJ: Weschomru, Chor. 3. Schächter: Reze. Solo: Oberkantor Schächten 4. Schächter: Man godlu. Solo: Oberkantor Tracer. 5. Saminski: El jibne hagalil, Chor (Gesang jemenitischer Juden). 6. Boruch Schorr: El erech apajim, Chor. Soli: Baß: H. Reich. Tenor: Oberkantor Postolow. 7. Haschkiwenu. Solo: Oberkantor Katz. 8. Brunn: Niglessoh. Chor. Soli: Tenor: Oberkantor Einhorn. Bariton: Oberkantor Bohomilny. 9. Brunn: Psalm 150, Chor. Mitwirkend die Herren: Balaban. Bohomilny. Einhorn, Frankel, Funke. Groß, Katz, Landerer, Mandel, Müller, Pcrczig, Postolow, Redlich, Reich, Reichmann, Schächter, Stift, Tisch, Trager, Wahrmann, Zeisl. Dirigent: E. Simerofski. Am Harmonium: Kurt Fuchsgelb. Wenige noch vorhandene Karten werden Sonntag, den 5. Februar in der Sekretariatskanzlei des Tempels, II.. Pazmanitenxasse 6 (TeL 47-8-63) abgegeben.

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